Lauflabor

Pro und Kontra der Schritt-Variabilität

Kleine Unterschiede im Bewegungsablauf sind gut, wenn man gesund ist. Ist man aber verletzt, könnte es besser sein, Veränderungen zu minimieren, also möglichst gleichmäßig zu laufen.

Lauflabor Pro und Kontra der Schritt-Variabilität highlight

Bei gesunden Läufern entsprechen die Daten jedes Schritts fast genau denen vom vorherigen Schritt.

Bild: iStockphoto.com / ViktorCap

Erst kürzlich berichtete Redakteur Scott Douglas von RUNNER´S WORLD USA über eine neue Studie, die darauf hindeutet, dass Läufer, die zwischen verschiedenen Laufschuhen wechseln, sich mit geringerer Wahrscheinlichkeit verletzten. Zwar weist die Untersuchung einige wichtige Einschränkungen auf (so gab es mehrere signifikante Unterschiede zwischen den Läufern, die in verschiedenen Schuhen gelaufen sind und denjenigen, die nur ein einzelnes Paar Laufschuhe benutzt haben), doch das Fazit an sich erscheint mir und vielen anderen Menschen sehr plausibel. Die Grundidee ist, dass ein wenig Variabilität eine gute Sache ist: Laufen wiederholt immer und immer wieder die gleiche Bewegung – 10.000 Mal pro Stunde. Wenn man dies ein bisschen verändert – indem man die Schuhe wechselt, auf verschiedenen Untergründen läuft oder ab und zu das Tempo variiert – gerät man mit geringerer Wahrscheinlichkeit an einen kritischen Belastungspunkt bei den beteiligten Körperteilen und minimiert somit auch die Verletzungsgefahr.

Da mir diese Vorstellung gefällt, war ich besonders interessiert, als ich einen Vortrag von Dr. Reed Ferber, dem Leiter der Running Injury Clinic an der Universität von Calgary hörte, der die Schritt-Variabilität in ein anderes Licht stellte. Ferber ist ein Pionier auf dem Gebiet der 3-D-Ganganalyse mithilfe von mehreren Kameras. Sein System wird an Dutzenden von Laboratorien und Kliniken in der ganzen Welt angewendet und trägt damit zu einer Datenbankerfassung von Tausenden Läufern bei. Seine vorgetragenen Ergebnisse sind etwas überraschend, wie ich finde und in meiner Kolumne „Globe and Mail“ letzte Woche schon ausführlicher beschrieben habe:

„Es war zunächst zu erwarten, dass die Daten einfache Beziehungen zwischen Schrittanomalien und Laufverletzungen aufzeigen würde, z.B. Knieschmerzen könnten auf eine zu große Hüftrotation zurückzuführen sein oder Ähnliches. Doch egal wie viele Daten er auch sammelte, diese Bezüge blieben schwer nachweisbar.

Stattdessen war der größte Unterschied, den Ferber bemerkte, dass bei gesunden Läufern, die Daten jedes Schritts fast genau denen vom vorherigen Schritt entsprachen. Bei den verletzten Läufern hingegen, variierten die Gelenkwinkel und Bewegungen mit jedem Schritt ein wenig, obwohl diese Schwankungen für das bloße Auge nicht sichtbar waren."

Seiner Ansicht nach ist Schritt-Variabilität also eine gute Sache, wenn man gesund ist. Ist man aber verletzt, empfiehlt er (zusätzlich zu den Reha-Übungen) Veränderungen zu minimieren, indem man die Laufschuhe nicht wechselt und auf einem gleichmäßigen Untergrund läuft. Das ist eine neue Perspektive für mich und wert, darüber nachzudenken.

Nebenbei sei erwähnt, dass mein „Globe and Mail“-Artikel auch ein paar Beispiele für die funktionellen Screening-Tests beschreibt, die der Chiropraktiker und Physiotherapeut Dr. Greg Lehman bei Läufern anwendet, welche in seine Klinik zu einer 3-D-Gehanalyse (wie z. B. der unten gezeigte Knöcheldorsalflexionstest) kommen. Ich denke, es ist eine ziemlich interessante thematische Annäherung, wenn er erklärt:

„Wenn ich eine Einschränkung einer Grundfunktion, wie einer Dorsalflexion identifiziere, kann mir dies helfen zu verstehen, warum jemand in einer bestimmten Weise läuft”, sagt er. „Andererseits, wenn etwas Strukturelles wie O-Beine vorliegen, dann weiß ich, dass ich das nicht korrigieren kann und dies auch nicht versuchen sollte.”

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