Training nach Maß

Personal Training – Ein Selbstversuch

Personal Training ist mehr als Turbo-Training für gut betuchte, gestresste Manager. Michaela Rose hat's probiert.

Mein allererstes Personal Training geht mit Beschnuppern los – mit Betonung auf „gehen“: Laufcoach Jens Karraß (www.jkrunning.de) spaziert erst einmal mit mir im Berliner Grunewald herum. Beim netten Pläuschchen fragt er nach meiner sportiven Biografie, Laufambitionen und was ich so tue, wenn ich gerade nicht laufe. Ich komme ins Plaudern – und wir irgendwann ins lockere Joggen.

Mein Resümee: Das Training flutscht nach 30 Jahren mehr oder minder regelmäßigen Laufens von der Sprint- bis hin zur Marathondistanz nicht mehr so richtig. Ich laufe gern allein, aber auf Dauer können einsame Joggingrunden richtig öde sein. Zur Abwechslung zeige ich meinem Schweinehund ganz gern die Hacken und ziehe das Tempo schon mal an. Trotzdem hapert es an der Motivation. Bestzeiten und der nächste Marathon liegen momentan in weiter Ferne.

Der Wunsch nach individuellem Training wird bei vielen immer größer.

Bild: Andrea Gingerich/iStockphoto

Maßgeschneidertes Training
Den Wunsch nach einem maßgeschneiderten Training können für mich Lauftreffs, Vereine oder auch Bücher kaum erfüllen. „Oft wird beim Lauftreff das trainiert, was der Beste in der Gruppe draufhat. Alle anderen müssen mitrennen und kommen entweder durch oder nicht“, bringt Jens Karraß die Mitlauf-Mentalität vieler Gruppen auf den Punkt. „Ein Personal Trainer hingegen achtet darauf, in welcher Tagesform man ist, ob man sauber läuft oder sich abwirtschaftet. Und er schmeißt auch schon mal während des Trainings das geplante Programm um und sorgt fürs Freilaufen von Stress und Sorgen.“ Klingt gut, Coach, lassen wir die Sorgen hinter uns!

Rund eine halbe Stunde lang traben wir quasselnd durch die Walachei und ziehen das Tempo gemächlich an. Insgeheim checkt er dabei, ob mein Laufstil stimmt und wie fit ich bin. Das Ergebnis: Mein Wohlfühl-Dauer-lauftempo liegt bei 5:50 Minuten pro Kilometer, mein Puls bei rund 150 Schlägen, Laufstil anstandslos, Fitnesstest bestanden. Mein Eindruck: Dieser Mann hat einen immensen Unterhaltungswert, und ich habe eine Menge Spaß.

Von Erfahrungen und Motivationsspritzen kann die Lauf-Kundschaft aber bei weitem nicht nur beim Face-to-face-Coaching profitieren. Die Palette der individuellen Betreuungsmöglichkeiten reicht vom gezielten Einzel- bis zum abgestimmten Gruppentraining, vom Laufen mit dem Coach bis zum Online-Coaching. Klar ist: Zwischen Trainer und Trainierendem muss die Chemie stimmen. Fachwissen allein genügt nach Ansicht von Peter Gottwald vom Münchener Laufanbieter Smart Running (www.smartrunning.de) nicht: „Die Leute wollen Authentizität und Erfahrung, weil sie die logischerweise selbst nicht haben. Ein akademischer Titel als Sportwissenschaftler gibt Grund zu der Hoffnung, dass dieser Mensch das kann. Allerdings sagt er nichts über das spezifische Fachwissen und die persönliche Qualifikation aus, die der Personal Trainer für seinen Job braucht.“

Auch Jens Karraß betont den menschelnden Faktor: „Theorie ist das eine, aber zu erkennen, wie es dem Menschen beim Training geht, ist das andere. Das kann man nicht studieren, das muss man am Mann oder an der Frau können und für jeden Moment das Richtige auswählen.“

Für diesen Moment und diese Frau wählt er einen Testlauf. Er will es jetzt genauer wissen und schickt mich auf eine schnelle 1000-Meter-Strecke. Das ist schon eine Nummer anstrengender: Ich renne zu schnell los, Jens Karraß bremst mich erschreckt aus („Du bist auf 3:30er Kurs“). Nach 500 Metern werden die Beine schwer, mein Schweinehund jubiliert innerlich. Ich verpasse ihm einen Maulkorb und beiße mich durch die zweite Hälfte – auch dank dem „Tempo-Hasen“, der da immer diese gewisse Nasenlänge vor mir herrennt. Allein wäre ich wohl ein wenig langsamer über den Asphalt getobt – oder gar nicht erst auf diese irrwitzige Idee gekommen. Doch mit der Karraß’schen Unterstützung komme ich auf 4:10 Minuten mit Puls 180. Der Mitlauf-Effekt hat’s gebracht!

Gezielte Einheiten mit Coach trainieren
„Wir empfehlen, gezielt bestimmte Einheiten mit uns zusammen zu trainieren – oder die Leute suchen sich die Einheiten aus, bei denen sie meinen, dass sie einen Coach brauchen“, erklärt Peter Gottwald. „Das reicht vom langen, langsamen Fettstoffwechsellauf bis hin zu etwas knackigeren Einheiten, in denen man auf die Bahn geht.“

Meine knackige Einheit habe ich für heute hinter mir. Beim Auslaufen ernte ich die Lorbeeren: Dank meiner heiß geliebten Bolzaktionen im Training habe ich mir eine „große Verträglichkeit für so ein Tempo erhalten und kann Frequenz machen“, zieht Jens Karraß ein Fazit. Halte ich mich an seinen Trainingsplan, winkt in acht Wochen meine 10-Kilometer-Bestzeit. Die ist mal eben 15 Jahre alt. Nun bin ich überrascht: Dieser Coach sorgt für ein Kribbeln in meinen Läuferbeinen. Ich habe Lauflust geschnuppert.

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