Der kompletteste Läufer aller Zeiten

Paul Tergat

Paul Tergat war fünfmal Weltmeister im Crosslauf und zweimal im Halb­marathon.

Zur Person
Geb. 17. 6.1969 in Riwo (Baringo-Distrikt, Kenia)

Der Kenianer gewann neben seinen Weltmeistertiteln zwei Silbermedaillen an Olympischen Spielen und zwei an Weltmeis­ter­schaften über 10000 m. Er verbes­serte den 10000-m-Weltrekord 1997 den Marathon-Weltrekord 2003. Paul Tergat ist vielleicht der kompletteste Lang­stre­cken­läufer aller Zeiten – auch wenn er bei seinem letzten Marathonauftritt in London mit Platz acht (2:11:38) nicht zufrieden sein konnte.

Was kann man als „Normalsterblicher“ von diesem großen Champion lernen, der sich seit 1992 an der Weltspitze befindet? Zuerst einmal seine Einstellung. Er hat in all den Jahren noch nie ein Rennen aufgegeben und geht nur an den Start, wenn er weiß, dass er eine hundertprozentige Leistung abliefern kann. Tergat läuft längst nicht mehr fürs Geld – davon hat er genug –, sondern weil er noch immer erfolgshungrig ist und überzeugt, dass er dank seiner beispelhaften Selbstdisziplin auch mit fast 36 Jahren noch große Rennen gewinnen kann.

Als er sich im Jahre 2003 auf den Berlin-Marathon vorberei­tete, wo er dann den Weltrekord auf 2:04:55 Stunden verbesserte ­(Foto), kam er auf Wochen­umfänge von bis zu 300 Kilo­metern. Das Besondere daran ist nicht der Umfang, denn so viel haben andere vor ihm auch schon trainiert, sondern die Qualität. Einmal pro Woche gibt es ein Fahrtspiel oder ein Bahntraining, und jeder Morgenlauf – normalerweise 1:10 bis 1:15 Stunden – wird in einem mittleren bis (sehr) schnellen Tem­po gelaufen. Auch der lange Lauf – einmal pro Woche normalerweise 30 oder 35 Kilometer – ist keineswegs langsam.

In diesem Frühling hat er den Umfang um ­et­wa zehn Prozent reduziert und dafür noch mehr Gewicht auf die Qualität gelegt, auch mit ein paar Crossläufen. Paul Tergat macht kein Krafttraining, läuft dafür meist in hügeligem Gelände. Die Gegend um seinen Wohnort Ngong in der Nähe von Nairobi liegt zwischen 1600 und 1900 Meter ü. M. und ist fast ­nirgends flach. Er macht – und das mag überraschen – auch keine Leistungstests wie ­­etwa Laktatbestimmungen und nimmt kei­nerlei Nahrungsmit­tel­zu­sätze. In einem Marathon verpflegt er sich mit einer Glukose­lösung.

Legendär ist Tergats Training, als er 1997 in St. Moritz (1800 Meter ü.M.) für den 10000-m-Weltrekord trainierte. Da lief er in einer Bahneinheit 25-mal 400 Meter in 56 Sekunden mit 1:15 Minuten Erholung, ein anderes Mal zehnmal 1000 Meter in 2:33 bis 2:30 mit 1:30 Minuten Erholung und einmal 3000 Meter in 8:10 mit 2 Minuten Erholung, gefolgt von zweimal 2000 Meter in 5:15 mit 2 Minuten Erholung.

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