Der kleine Unterschied

Mediziner de Marees im Interview

Interview mit Mediziner Markus de Marees vom Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik der DSHK.

Der_kleine_Unterschied

Bild: pixelio.de / Rainer Sturm

Laufen Frauen in puncto Leistungsfähigkeit den Männern hinterher?
Markus de Marees:
Natürlich gibt es im alltäglichen Leben viele Frauen, die im Vergleich mit Männern deutlich leistungsfähiger sind. Wenn man allerdings die Leichtathletik-Bestmarken zugrunde legt, beträgt die Leistungsdifferenz etwa 10 Prozent.

Weltrekorde wollen die ­Wenigsten laufen, sondern fit sein. Überfordern sich Frauen eher und unter­fordern sich Männer, wenn sie zusammen trainieren?
Sicherlich muss die Frau ein bisschen mehr Leistung bringen, wenn sie die gleiche Geschwindigkeit läuft, man in etwa das gleiche Körpergewicht zugrunde legt und berücksichtigt, dass die Frau einen höheren Fett­anteil hat als der Mann. Bei Paaren oder in Laufgruppen muss insofern Verständnis dafür bestehen, dass Männer – bei relativ gleichem Trainingslevel – ­Läufe mit eher niedriger In­tensität und Frauen mit eher hoher Intensität absolvieren.

Wie kriegt man dann das Trainingsoptimum hin?
Vielen geht es ohnehin mehr um die Freude am Laufen als um die Leistung. Dann soll man einfach gemeinsam laufen. Möchte man jedoch mehr erreichen, können Männer mit einer Gewichtsweste laufen, nach einer gemeinsamen Trainingseinheit noch zwei Kilo­meter hinten dranhängen und ihre intensiven Läufe inner-halb einer Männergruppe oder auch allein machen.

Dann werden die Männer ja noch schneller ...
Der höhere Testosterongehalt führt bei Männern unter anderem dazu, dass sie sich von harten Trainingseinheiten dank der anabolen, also muskelaufbauenden Wirkung schneller wieder erholen. Wenn Frauen ständig mit dieser Intensität trainieren, droht ihnen schnell ein Überlastungszustand, in dem der Körper den Trainingsreiz nicht mehr adäquat be­antworten kann. Grundsätzlich sind beide Geschlechter aber gleich gut trainierbar.

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Läuferin vs. Läufer