Der klassische Frontrunner

Martti Vainio

Martti Vainio gehörte Mitte der 80er zur Langstrecken-Weltspitze. Doch dann wurde er des Dopings überführt.

Zur Person

Geboren am 30. Dezember 1950
in Vehkalahti (Finnland)
1,90 Meter groß
Gewicht zu Wett­kampfzeiten: 74 kg
Gelernter Schiffbau-Ingenieur,
heute Unternehmer (Freizeitparks)

Seinen Einstand in der internationalen Leichtathletik-Szene feierte der Finne Martti Vainio mit einem Paukenschlag. Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 1978 in Prag ging es im Finale über 10000 Meter in die letzte von 25 Runden. Aussichtsreich vorn dabei waren neben dem britischen Top-Favoriten Brendan Foster noch sein Landsmann David Black, der Italiener Venanzio Ortiz, der Russe Antipow sowie ein großer, hagerer Läufer mit aschblondem Haar und Schnurrbart im dunkelblauen finnischen Nationaltrikot: der bis dahin international nur Experten bekannte Vainio, der in seiner Heimat gerade zum zweiten Mal hintereinander Landesmeister über die lange Bahndistanz geworden war. Seine Bestzeit über 10000 Meter stand bei 27:59,7 min.
26:32 Minuten zeigte die Uhr, als es in die letzte Runde ging. Foster, der über diese Distanz Jahresbester war (27:30,3), führte die Fünfergruppe an.
Bei der 200-Meter-Marke holgte Vainio dem Briten als Einziger mit entschlosse­nem Schritt im Abstand von etwa vier Metern. In der letzten Kurve verringerte er den Abstand, überholte ihn sogar und kam schließlich, den Italiener Ortiz im Schlepptau, als Erster auf die Zielgerade. Bis ins Ziel konnte er Ortiz auf Distanz halten und siegte zur Überraschung aller Experten.
Sieben Jahre nach Juha Väätäinen stellten die Finnen damit erstmals wieder den Europameister über 10000 Meter. (Weltmeis­terschaften gab es noch nicht.) Nach den beiden olympischen Doppelsiegen über 5000 und 10000 Meter von Lasse Viren 1972 und 1976 schien ein neuer Star am finnischen Langstrecken-Himmel aufgegangen zu sein. Doch Vainio hatte nicht das Format eines ­Viren, wenn gleich er international durchaus zu den Besten zählte, was sich bis zu seinem Karriereende 1987 in einigen Podestplätzen und Top-8-Platzierungen niederschlug.

Den Tiefpunkt seiner Karriere erlebte Vai­nio, als er 1984 beim Olympia-Finale in Los Angeles zunächst die Silbermedaille gewann, diese jedoch wieder abgeben musste, weil er positiv auf Steroide getestet worden war. Der eigentliche Skandal dabei war jedoch, dass Vainio schon im April desselben Jahres beim Rotterdam-Marathon positiv getestet worden war, der finnische Verband dies jedoch weder öffentlich machte noch ahndete und ihn hemmungslos zu den Olympischen Spielen nach Kalifornien schickte.

Jahre später beschrieb Vainio seine Doping-Abenteuer. Aufgrund seiner hohen Lauf­umfänge sei er ständig in Gefahr gewesen, in einen Übertrainingszustand zu fallen, was ihn – wie er meint – 1980 in Moskau eine Olympiamedaille und bei den Europameisterschaften 1982 ein besseres Ab­schneiden gekostet habe. Nachdem es bei den ersten Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1983 in Helsinki vor heimischem Publikum „nur“ zu einer Bronzemedaille über 5000 Meter und einem vierten Platz über 10000 Meter gereicht hatte, ließ er sich auf Experimente ein und fiel dabei prompt auf die Nase. Schon nach den Europameisterschaften 1982 in Athen hatte er die Zusammenarbeit mit seinem bisherigen Trainer Potinkara beendet, dem er seit 1971 verbunden war, und sich in ein völlig neues Umfeld begeben.
Nach seinem Rücktritt versuchte Vainio sich noch in der Altersklasse M 40 und erreichte dabei 1991 eine Zeit von 8:08,08 Minuten über 3000 Meter sowie von 28:30,58 Minuten über 10000 Meter – beides Weltrekorde für diese Altersklasse.

Martti Vainios Training basierte auf den Methoden der neuseeländischen Trainer-Legende Arthur Lydiard, dessen Ausdauertraining für viele Erfolge internationaler Mittel- und Langstreckenläufer verantwortlich war. Die Ausdauermethode nach Lydiard sieht vor, dass im Winter mit langen Läufen in ruhigem Tempo und hohen Wochenumfängen eine Aus­dauerbasis gelegt wird, auf die dann ab dem Frühjahr die Tempoarbeit aufbaut. Lydiards Erfolgsrezept umfasst außerdem Läufe durch hügeliges und bergiges Gelände. Nach dem Ausdauertraining der Wintermonate empfahl der Coach, im Frühjahr einen Marathon zu laufen, ohne dabei an ­seine Grenzen zu gehen.

Weiterlesen

Seite 1 von 3
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Größte Erfolge und Bestzeiten