Erfahrungsbericht

Leserin Marion Weber berichtet vom Aquajogging

Wegen eines Bandscheibenvorfalls begann Marion Weber mit dem Aquajogging. Sie profitierte mit verbesserter Kondition und einem gestrafften Körper.

Leserin Marion Weber berichtet vom Aquajogging

Marion Weber (33) aus Cochem hat das Aquajoggen für sich entdeckt.

Bild: privat

Das Laufen ist seit vielen Jahren meine große Leidenschaft. Meine Laufschuhe zu schnüren und bei Wind und Wetter der Natur laufend ganz nahe zu sein, über die Wiesen & durch den Matsch zu laufen und einfach pure Freiheit und Lebensfreude zu spüren. Viele Jahre bin ich mindestens fünfmal in der Woche gelaufen. Konnte ich mal wegen einer Erkältung nicht laufen, schlug meine Stimmung sofort um. Dieses besondere Gefühl, das mir nur das Laufen geben kann, war durch nichts zu ersetzen. Ich konnte alles hinter mir lassen und einfach so sein, wie ich bin. Auch wenn ich nicht die schnellste Läuferin war, ich lief immer mit ganzem Herzen.

All die Jahre hörte ich immer wieder Laufkollegen über Verletzungen klagen. Achillessehne, Knieprobleme, Ermüdungsbrüche. Ich blieb von all dem verschont und nahm es fast selbstverständlich.

Im Januar 2015 beendete ich dann für mich persönlich erfolgreich einen Crosslauf. Nach dem Lauf war ich so überglücklich. Dieser Lauf war so besonders. Ich genoss ihn vom Start bis zur Überquerung der Ziellinie und lebte für den Moment. Er war anders als die Wettkämpfe vorher. Vielleicht spürte ich instinktiv, dass es für längere Zeit vorerst mein Letzter sein würde.

Zwei Tage nach dem Crosslauf bekam ich sehr starke Schmerzen in der rechten Lendenwirbelsäule, die bis in die Leiste und Hüfte ausstrahlten. Die Schmerzen waren so stark, dass ich nachts kaum Schlaf fand und das Laufen unmöglich wurde. Einige Arztbesuche, Fehldiagnosen und MRTs später hatte ich dann Gewissheit: Bandscheibenvorfall L5/S1. Als mein Orthopäde mir sagte, dass es besser wäre, wegen der Aufprallkräfte einige Zeit auf das Laufen zu verzichten, brach für mich eine Welt zusammen – und ich noch in der Praxis in Tränen aus. Mein Leben ohne meinen geliebten Laufsport? Unvorstellbar!

Mein Orthopäde war es dann auch, der mir das Aquajogging empfahl. Um Schwimmbäder machte ich seit meiner Kindheit einen großen Bogen. Ich mochte sie einfach nicht und verspürte auch nie mehr das Bedürfnis noch einmal eines von innen zu sehen. Es mag sein, dass dies an einem gescheiterten DLRG-Versuch in frühester Kindheit lag.

Aber da ich nun nicht mehr laufen durfte, und mein Freund meine Laune und Gejammer nicht mehr aushielt, befolgte ich den Rat des Orthopäden. Nach über 20 Jahren betrat ich also wieder ein Schwimmbad. Ich habe nicht nur das Glück, das Schwimmbad sozusagen direkt vor der Haustüre zu haben, sondern geriet noch dazu an einen Bademeister, der seinen Job wirklich vorbildlich ausübt. Er erklärte mir die Technik des Aquajoggings und korrigierte mich zu Beginn immer wieder. Von Anfang an trainiere ich ausschließlich im Tiefwasser und mit Auftriebsgürtel. Ich gebe zu, dass es einige Stunden gedauert hat, bis ich die Technik richtig raus hatte.

Nach kurzer Zeit meinte der Bademeister schon, dass ich eine echte Kämpferin sei. Das motivierte mich natürlich. Sehr ungewohnt war für mich gerade zu Beginn, dass man wirklich verhältnismäßig langsam von der Stelle kommt. Konnte ich draußen den Kilometer in vier Minuten laufen, so lief ich im Tiefwasser die 25-Meter-Bahn in einer Minute. Was für ein Schnitt auf 10 Kilometer.

Doch ich konnte mich schmerzfrei bewegen, denn im Wasser werden nicht nur Gelenke, Muskeln und Sehnen, sondern eben auch der Rücken komplett entlastet. An manchen Tagen war die Stunde im Wasser die beste Stunde des Tages, weil ich im Wasser keinerlei Schmerz verspürte. Anstatt einer neuen Tight kaufte ich mir dann einen besonders schönen Badeanzug und trainiere seitdem fünfmal die Woche jeweils eine Stunde ohne Pause im Wasser.

Am 08. Mai 2015 hatte ich meine 50. Trainingseinheit absolviert. Mittlerweile kann ich im Wasser alles trainieren (z. B. Sprints, Intervalle). Der Wasserwiderstand trainiert den gesamten Körper, jeder Muskel meines Körpers arbeitet pausenlos. Und man hat es selbst in der Hand. Je schneller man sich im Wasser bewegt, desto größer ist der Wasserwiderstand – und umso anstrengender ist das Training. Muskeln, von denen ich in all den Jahren des reinen Laufsports nicht wusste, dass sie existieren, spürte ich. Der Massageeffekt des Wassers wirkt zudem wie eine Lymphdrainage. Mein gesamtes Bindegewebe wurde durch das Aquajogging deutlich gestrafft.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass ich nach diesen 50 Einheiten im Wasser sehr deutliche Veränderungen an meinem Körper wahrnehme und einen sehr definierten Körper erhalten habe. Das Laufen gegen den Wasserwiderstand verbrennt enorm Kalorien und ich habe dadurch in den letzten Wochen sehr viel Kondition aufgebaut.

Ich bin so unglaublich dankbar, dass ich das Aquajogging für mich entdeckt habe. Ich kann damit nicht nur meine Form halten, sondern habe diese alleine dadurch enorm verbessert. Zwischendurch versuchte ich auch ein paar Mal an Land zu laufen, aber der Hüftschmerz war sofort wieder da. Mein Orthopäde riet mir daher, am besten noch einige Monate ausschließlich im Wasser zu trainieren.

Mit meiner persönlichen Geschichte möchte ich so gerne anderen verletzten Läufern Mut machen. Denn Training im Wasser geht (fast) immer. Egal ob das Knie, Fußgelenk oder sonst was zwickt – Aquajogging ist einfach eine prima Alternative.

Aber auch jeder gesunde Läufer sollte es einmal ausprobieren um zum Beispiel Überlastungen vorzubeugen. Einige Elite-Läufer schwören seit Jahren darauf und ersetzen die ein oder andere Einheit im Wasser. Weil es einfach schonender für den gesamten Bewegungsapparat ist. Und auch Fußballspieler nutzen das Aquajogging um ihre Sprintfähigkeit zu erhöhen.

Natürlich ist es mein größter Wunsch, wieder durch den Matsch rennen zu können, aber die Welt geht nun auch nicht mehr für mich unter, wenn ich darauf noch einige Zeit verzichten muss. Dank Aquajogging!