Alex Hutchinsons Lauflabor

Laufen in verschmutzter Luft

Es ist besser, saubere als schmutzige Luft zu atmen. Aber egal, welche Luft Sie atmen, ist es immer besser zu laufen als gar nicht zu laufen. Das ist das Fazit einer dänischen Studie.

Laufen bei Smog

Nicht laufen ist auch keine Lösung.

Bild: iStockphoto.com / Tomwang112

Das Dilemma ist klar. Regelmäßiges Training ist gut für uns, da es die Gefahr von Krebs- und Herzerkrankungen sowie Diabetes reduziert. Andererseits erhöht das Einatmen verschmutzter Luft das Risiko, diese Erkrankungen zu bekommen. Also, was passiert, wenn man beides kombiniert? Tiefes Einatmen während des Trainings bedeutet, dass man mehr verschmutzte Luft inhaliert und die Schmutzpartikel tief in die Lunge eindringen können. Daher ist es sinnvoll, sich einmal zu fragen, ob das Trainieren in verschmutzter Luft schlechter ist, als gar nicht zu trainieren.

Also, wie lautet die Antwort? Ich habe schon mehrmals versucht, über die Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet, das Pro und Kontra des Trainings an besonders luftverschmutzten Tagen herauszuarbeiten, wobei sich meistens herausstellte, dass die positiven Effekte überwogen. Ein Problem besteht jedoch darin, dass der größte Teil des Forschungsablaufs immer sehr kurzfristig ist: Der Proband kommt ins Labor und atmet gute oder schlechte Luft ein, während er trainiert. Dabei werden einige Messungen vorgenommen, und dann wird er wieder nach Hause geschickt. Aber die positiven Auswirkungen des Trainings und auch einige der negativen Effekte durch verschmutzte Atemluft treten erst nach einem längeren Zeitraum auf, so dass es schwierig ist, jene Ergebnisse über Jahre oder Jahrzehnte herzuleiten.

Studie mit 52.000 Menschen: Es ist immer besser zu laufen als gar nicht zu laufen.

Eine aktuelle Studie dänischer Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Environmental Health Perspectives gewährt einen neuen interessanten Ansatz zu diesem Thema. Die Forscher arbeiten an einem großen fortlaufenden Projekt, der Dänischen Diät-, Krebs- und Gesundheitsstudie. In dieser folgen die Wissenschaftler 52.000 Menschen bereits über einen Zeitraum von 13 Jahren, indem sie deren Daten zu Gesundheit und Lebensstil sammeln – einschließlich der Aufzeichnungen darüber, ob, wann und woran sie sterben. Diese Datensammlung haben sie mit einer differenzierten Methode zur Feststellung der Luftverschmutzung in Dänemark verbunden, welche es ihnen erlaubt, die durchschnittlichen Schadstoffwerte an den Wohn- bzw. Trainingsorten jedes einzelnen Studienteilnehmers einzuschätzen.

Mit Hilfe dieser Daten können die Wissenschaftler überprüfen, wie sehr sich das Verschmutzungsniveau auf die gesundheitlichen Vorteile des Trainings auswirkt und umgekehrt, wie stark das Training die gesundheitlichen Risiken der Luftverschmutzung beeinflusst.

Nicht überraschend hatte körperliche Bewegung (zum Beispiel Radfahren oder Gartenarbeit) eine Schutzwirkung, während die Luftverschmutzung eine negative Wirkung hatte. Unerwartet gering war jedoch die Wechselwirkungen zwischen den beiden Risikofaktoren: „Im Allgemeinen hat die Aussetzung einer starken Luftverschmutzung die Vorteile der körperlichen Tätigkeit hinsichtlich der Sterblichkeitsrate nicht beeinflusst“, lautet das Fazit der Forscher.

Es gab allerdings einige Hinweise auf mögliche Wechselwirkungen. Betrachtet man zum Beispiel war das Risiko während der Studie an Atemwegserkrankungen zu sterben, für Menschen, die Rad gefahren sind oder Gartenarbeit verrichtet haben, gegenüber Nicht-Sportlern: In niedrig oder mäßig luftverschmutzten Gebieten war das Risiko der Aktiven um 45 Prozent niedriger. In stark luftverschmutzten Gebieten war diese Wahrscheinlichkeit nur um 23 Prozent (Radfahrer) oder 19 Prozent (Gartenarbeiter) geringer.

Klar ist, dass es besser ist, saubere als schmutzige Luft zu atmen. Das kann bedeuten, die Laufstrecke dementsprechend zu planen, dass man befahrene Straßen vermeidet oder früh am Morgen trainiert. Aber egal welche Luft Sie atmen, scheint es immer besser zu sein, zu trainieren als gar nicht zu trainieren.

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