Laufbandtraining

Laufen auf dem Laufband hat seinen Reiz

Training auf dem Laufband ist öde, denken Läufer oft. Warum eigentlich? Die Antwort liegt in der Steinzeit - und auch das Rezept, um auf dem Laufband nicht die Lust zu verlieren.

Laufbandtraining

Laufbandtraining muss nicht langweilig sein, es kann sogar richtig Spaß machen.

Bild: iStockphoto.com/ webphotographeer

Ein Laufrad - Die Mäuseversion eines Laufbands

Vor ein paar Jahren fing ich in meiner Wohnung eine Maus – lebend! Bevor ich sie wieder freiließ, hielt ich sie einige Monate lang als „Haustier“. Ich hatte ein großes Terrarium, das ich mit dem üblichen Mäusemobiliar ausstattete. Ihr liebster Einrichtungsgegenstand war ein Laufrad, wie es sie für Hamster gibt, also gewissermaßen die Mäuseversion eines Laufbands. Und siehe da: Jede Nacht, ohne Ausnahme, lief die Maus darin – mindestens vier Stunden, manchmal auch fünf oder sechs.

Ich fragte mich, warum sie das wohl tat. Wollte sie Gewicht verlieren? Wohl kaum. Glaubte sie, dass sie dabei irgendwie vorankam? Auch das bezweifle ich. Sie lief immer für kurze Intervalle, so um die 15 Sekunden, streckte dann ihren Kopf aus dem Rad, schaute sich kurz um und ging wieder an die Arbeit. Dass sie nicht von der Stelle kam, schien die Maus nicht zu stören. Sie lief immer weiter.

Woher kommt die Langeweile auf dem Laufband?

Warum können wir Menschen nicht so sein wie Mäuse und ganz zufrieden auf der Stelle laufen? Warum finden wir es so langweilig, auf einem Laufband zu laufen? Eine plausible Antwort darauf liefert die Evolutionspsychologie. Dieser Forschungszweig beschäftigt sich mit der menschlichen Entwicklungsgeschichte und mit der Frage, inwieweit die evolutionären Anpassungsstrategien unserer urzeitlichen Vorfahren an ihre Umwelt möglicherweise bis heute unser Handeln beeinflussen.

Denn wir leben zwar ein vollkommen anderes Leben als die Menschen in der Steinzeit, doch körperlich wie geistig haben wir viel mit ihnen gemein. Manche Eigenschaften, die wir mit ihnen teilen, gereichen uns zum Vorteil, manche eher nicht. Und beim Laufen auf dem Laufband steht unsere Ur-Vergangenheit als Höhlenmenschen uns offenbar im Weg. Anscheinend hat unser Gehirn, das noch von unserer Zeit als Jäger und Sammler geprägt ist, sich noch nicht so gut daran angepasst.

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Man muss sich einmal vor Augen führen, wie unsere Vorfahren vor einer Viertelmillion Jahren, im Erdzeitalter des Pleistozän, gelebt haben. Sie sind nicht nur umhergeschlendert und haben Beeren gepflückt. Nein, sie lebten in einer harten, vom Überlebenskampf geprägten Welt und sie hatten mindestens zwei sehr gute Gründe, immer mal wieder in den Laufschritt zu fallen. Erstens: um sich ihr Abendessen zu sichern. Und zweitens: um nicht selbst zum Abendessen eines Raubtiers zu werden. Fressen und gefressen werden lautete das Prinzip im Pleistozän, und unsere Vorfahren waren ebenso Leckerbissen für andere Lebewesen wie manche Tiere für sie.

Laufbandtraining: Wir laufen für die Fitness und nicht ums Überleben

Wenn wir heute noch laufen, dann tun wir das fast immer aus anderen Gründen. Unser Abendessen kaufen wir handlich zerlegt und abgepackt im Supermarkt. Und wenn wir nicht in einem Viertel mit einer extrem hohen Kriminalitätsrate leben, brauchen wir keine Angst zu haben, selbst handlich zerlegt und langsam gegart bei jemandem auf dem Teller zu landen. Wir müssen zwar manchmal noch laufen, um einen Bus oder eine Bahn zu kriegen, doch meist laufen wir entweder für die Fitness oder aus sportlichem Ehrgeiz.

Nun ist es freilich etwas anderes, ob man in der afrikanischen Savanne auf Beutejagd ist oder ob man läuft, um fit zu werden, ein paar Pfunde abzuspecken oder für einen Wettkampf zu trainieren. Hier offenbaren sich zwei grundlegende Unterschiede zwischen dem heutigen Laufen und dem Laufen in der Steinzeit: Der erste Unterschied besteht darin, dass unsere Vorfahren in freier Natur liefen. Dabei wechselten ständig das Terrain und die Szenerie, und die Geschwindigkeit, mit der sich die Umgebung änderte, korrespondierte mit dem eigenen Lauftempo.

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