Motivation

Konzentration auf das Wesentliche

Befreien Sie sich von Ballast und entdecken Sie das Laufen neu.

Konzentration auf das Wesentliche

Sie können die ursprüngliche Idee des Laufens wiederentdecken.

Bild: RSI

Laufen ist angeblich die einfachste Sportart der Welt. Alles, was man dazu braucht, ist ein anständiges Paar Laufschuhe, und schon kann man loslegen, immer und überall. Na gut, eine Stoppuhr wäre nicht schlecht. Und Funktionsbekleidung ist schon etwas Schönes! Wenn wir schon mal dabei sind: Wie wäre es außerdem mit einem Herzfrequenz­messer, möglichst noch mit GPS-Funktion?

Die Ausstattungsliste mancher Läufer ist endlos. Obwohl wir Läufer von uns selbst behaupten, wir seien Minimalisten, schaffen wir es immer wieder, das Laufen zu verkomplizieren: Es gibt bestimmte Tageszeiten, an denen wir können, bestimmte Temperatu­ren, bei denen wir wollen, und so weiter.

Das war nicht immer so. Es gab einmal eine Zeit, in der unsere Laufabsichten noch rein und unberührt waren: kein Wettkampfziel vor Augen, keine angestrebte Bestzeit, sondern einfach die Aussicht, dass wir uns nach dem Laufen besser fühlen würden, weil wir es getan haben. Aber keine Angst, es ist nicht zu spät: Diese ursprüngliche Idee des Laufens können Sie wiederentdecken.

Jeden Monat eine Gewohnheit ablegen
Die Psychologin Julie Morgenstern rät, das Laufen Schritt für Schritt zu vereinfachen. Nehmen wir mal an, es gibt für Sie vier ­Dinge, die unbedingt erfüllt sein müssen, bevor Sie loslaufen. Um diese Hürden zu beseitigen, schließen Sie zunächst nur eine Sache davon aus. So könnten Sie zum Beispiel ab und zu problemlos auf eine Stoppuhr verzichten oder einmal versuchen, bei schlechtem Wetter zu laufen (entsprechend bekleidet, versteht sich). Legen Sie eine Krücke beiseite, und Sie werden merken, dass Sie trotzdem noch in der Lage sind zu laufen.

Legen Sie nach einem Monat eine weitere Gewohnheit ab und immer so weiter, bis Sie es schließlich geschafft haben, das Laufen wieder auf das Wesentliche zu reduzieren. Sie erreichen damit, dass Sie flexibler mit ­Ihrem Lauftraining umgehen können. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie öfter Lust zum und Spaß am Laufen haben. Aber rituelle Störfaktoren können sich auch an die Gedanken hängen, die man sich um das Laufen macht. Viele von uns machen den Fehler, dass sie glauben, ein Lauf zähle nur dann, wenn man es schafft, eine bestimmte ­Strecke in einer bestimmten Zeit zurückzulegen.

Dies ist das mentale Gegenstück zu der fixen Idee, dass man nur laufen kann, wenn bestimmte materielle Voraussetzungen gegeben sind. Und beides hat die­selbe Wirkung: Es nimmt einem die Freude am Laufen. Befreien Sie sich von solchen Einschränkungen, indem Sie ab und zu einfach ohne ein bestimmtes Zeit- oder Streckenziel im Hinterkopf loslaufen.

Just do it!
Manche haben jedoch genau das umge­kehrte Problem: Sie gehören eher zu den Quartalsläufern und könnten von eben jener Struk­turiertheit, die andere belastet, sehr profi­tieren. Falls Ihnen regelmäßig die Zeit davonläuft, so dass Sie es tatsächlich nicht schaffen zu laufen, ist der Sport zu einem weiteren nebensächlichen Aspekt ­Ihres allzu hektischen Lebens verkommen.

„Gewinnen Sie wieder Kontrolle über ­Ihren Tagesablauf, indem Sie dem Laufen höchste Priorität einräumen“, sagt Bernard Marton, ein Zisterzienser-Mönch, der 13 Ma­rathons ge­finisht hat. Marton und die anderen Mitglieder seines Ordens folgen einem strengen Tagesablauf. Dazu gehört siebenmaliges Beten am Tag, das erste Mal um 3:30 Uhr morgens. „Irgendwann wird es zur Routine, dass man sich an Regeln halten muss“, sagt Marton, der sein tägliches Lauftraining auf die Morgenstunden legt. Auch wenn man als Läufer Fortschritte machen will, gibt es Regeln. Die wichtigste davon ist, dass man regelmäßig trainiert.

Sollten Sie allerdings ein Vorbild an Effizienz sein und trotzdem Schwierigkeiten haben, das Laufen einzuplanen, prüfen Sie, ob Sie sich möglicherweise allgemein zu viel aufhalsen. „Nehmen Sie sich vor, soundso oft in der Woche zu laufen, und organisieren Sie dann Ihr Leben so, dass Sie es auch wirklich machen“, sagt Marton. Dieser Rat ist besonders dann hilfreich, wenn Ihr Leben sich in einer vorübergehenden Chaos-Phase befindet – etwa, weil Sie momentan mit einem wichtigen Arbeitsprojekt beschäftigt sind oder ein Kind bekommen haben. Akzeptieren Sie, dass Sie nicht Ihr normales Training durchziehen können. Betrachten Sie Ihre Lage realistisch und überlegen Sie sich, wann Sie wenigstens ein paar Läufe einbauen können, um gesund und fit zu bleiben.

„Eine der Hauptursachen dafür, dass man keine Zeit für Dinge findet, die man eigent­lich gern tun möchte, liegt darin, dass man sein Leben nach dem Motto ,Erst die Arbeit, dann das Vergnügen‘ ausrichtet“, behauptet Julie Morgenstern. Und was kommt am Ende dabei heraus? Wenn Sie all das erledigt haben, was Sie tun mussten, bleibt Ihnen keine Zeit mehr für das, was Sie tun wollten. Beginnen Sie Ihre Tage stattdessen mit den Dingen, die Ihnen wichtig sind. „Wenn Sie das, wozu Sie Lust haben, zuerst ein­planen, vermehrt das auf wundersame Weise Ihre Zeit“, meint die Expertin.



Sämtliche nicht laufenden Freunde, Bekannte und Verwandte haben ­Ihnen wahrscheinlich schon die Frage gestellt: „Brauchst Du diesen ganzen Kram wirklich?“ Egal ob es Finisher-T-Shirts, Laufschuhe oder Medaillen sind – einen Großteil Ihrer Laufbesitz­tümer könnten Sie wahrscheinlich getrost entsorgen, ohne dass ihnen ein allzu großer Verlust entsteht.



Packen
Packen Sie alle Gegenstände in ein passendes Behältnis: Die Schuhe kommen ins Schuhregal, die Medaillen werden an eine Holzleiste gehängt, wichtige Uten­silien für den Wettkampftag (Kühlgel, Pflas­ter, Schmerztabletten) gehören in einen Kulturbeutel. T-Shirts, die Sie zwar nicht mehr tragen, aber dennoch behalten möchten, können Sie wunderbar zu einer Decke verarbeiten.



Legen Sie Regeln fest
Stellen Sie Regeln auf, damit Sie Ihr Zeug unter Kontrolle behalten: Für jedes T-Shirt, das Sie behalten wollen, geben Sie ein anderes in die Altkleidersammlung.



Aussortieren
Nur 20 Prozent unserer Habseligkeiten bedeuten uns etwas. Legen Sie Auswahlkriterien fest: T-Shirts von Bestzeitrennen und noch brauchbare Schuhe dürfen bleiben.



Tun Sie Gutes
Trennen Sie sich von Dingen, ohne die Sie genauso gut auskommen können, und vollbringen Sie dabei noch eine gute Tat: T-Shirts und Schuhe können in die Altkleidersammlung, Startnummern in den Altpapiercontainer, und über Pokale und Medaillen freuen sich Kinder bei Spielfesten.



Zuordnen
Überlegen Sie sich, wo der geeignete Platz für die Gegenstände ist, die Sie behalten wollen. Achten Sie dabei auf eine sinnvolle Zuordnung nach Verwendungszweck: Schuhe gehören in Türnähe, Laufbekleidung zusammen in einen Schrank oder in eine Kommode, die ausschließlich diesem Zweck vorbehalten ist. Laufzeitschriften in einen Ordner ins Regal.