Der Härteste von allen

Kjell-Erik Stahl

Hart wie Stahl: Sein Name war ihm Programm. Der schwedische Laufstar ist der härteste Marathonläufer aller Zeiten.

Zur Person

Geboren am 16. Februar 1946
Größe: 1,89 m
Gewicht: 69 kg

1981 in Frankfurt
Als der Schwede Kjell-Erik Stahl im Mai 1981 an der Startlinie des Hoechst-Marathons in Frankfurt stand, repräsentierte er einen für damalige Verhältnisse passablen Durchschnitt, seine Bestzeit stand bei 2:16:20 Stunden, die beste Platzierung war ein zweiter Platz beim Stockholm-Marathon im Jahr zuvor. Siebenmal hatte er 1980 die klassische Distanz bewältigt, fünfmal war er dabei unter der Marke von 2:20 Stunden geblieben, beim Olympiamarathon in Moskau kam er auf den 19. Platz. Der Marathon am Main war sein zweiter Start im Jahre 1981, im Januar war er in Miami als Zehnter ins Ziel gekommen. Das Rennen in Frankfurt verlief optimal. Er brauchte kaum etwas fürs Tempo zu tun, denn das besorgte der Heimfavorit und Routinier Günter Mielke (der Dritter wurde). Nach 35 Kilometern war er schließlich alleine an der Spitze, nachdem zunächst Günter Mielke und dann der Brasilianer Schleder zurückgefallen waren.

Sieger des ersten deutschen Stadtmarathons
Mit 2:13:20 Stunden stellte er nicht nur eine persönliche Bestzeit auf und verbuchte seinen ersten Marathonsieg, er war damit auch der Sieger des ersten deutschen Stadtmarathons. Frankfurt war sozusagen der erste Höhepunkt einer beispiellosen Marathonkarriere.

Unübertroffene Marathon-Serie
Stahl legte in den folgenden Monaten bzw. Jahren eine Serie hin, die bis heute unübertroffen ist und es mit ziemlicher Sicherheit auch bleibt. Es sei denn ein Sponsor lobt genügend Geld aus und der Läufer, dem eine derartige Leistung zuzutrauen ist, zum Beispiel ein Kenianer, bleibt beschwerdefrei. Es gibt zwar einen amerikanischen Läufer, Doug Kurtis, der ein paar Male öfter unter 2:20 Stunden blieb (76-mal), doch nicht annähernd die internationale Klasse des Schweden hatte. Kurtis´ Bestzeit stand bei 2:13:34 Stunden, den 12-Monatsrekord von Stahl konnte er nicht annähernd gefährden. Dieser Rekord ist die Durchschnittszeit bei 14 Marathons im Zeitraum von zwölf Monaten. Stahl schaffte dies zwischen August 1981 und August 1982 mit einer Durchschnittszeit von 2:16:11 Stunden. Davon konnte Kurtis nur träumen. Stahls unübertroffene Marathon-Sammlung: 14 Marathons, 12 Monate, Durchschnittszeit: 2:16:11 Stunden.

Kjell-Erik Stahl absolvierte zwischen 1979 und 1998 genau 101 Marathons und blieb dabei 70 mal unter der 2:20-Stunden-Marke. Dabei verzeichnete er 17 Siege, von denen der bedeutendste wohl der 1986 in Stockholm war, als er im zarten Alter von vierzig Jahren 2:12:33 lief. Diese Zeit war gleichzeitig ein Weltrekord für die Altersgruppe der über 40-jährigen, Masters genannt.

Fünf Jahre später stellte er nochmals einen Alters-Weltrekord auf, und zwar für die Klasse über 45 Jahre, als er 1991 in Berlin 2:15:51 Stunden benötigte.

Die beste Leistung seiner Karriere war der vierte Platz bei der 1983 erstmals ausgetragenen Weltmeisterschaft in Helsinki, wo er mit 2:10:38 Stunden seine Karriere-Bestzeit lief. Eine solche Serie lässt sich am imposantesten in einer tabellarischen Auflistung zeigen.

Manager und Läufer – zwei Hauptberufe
Stahl war der einzige Profiläufer in der Geschichte des Marathon- bzw. Langstreckenlaufs auf höchstem internationalen Niveau, der als Hauptbeschäftigung eine Führungsposition bekleidete und diese vollberuflich ausfüllte – wohlweislich während seiner gesamten Marathonkarriere, denn die startete ja erst mit 33 Jahren. Als leitender Manager des schwedischen Telekom-Konzerns Telia waren 12-Stunden-Tage für ihn keine Seltenheit. In seinen Aufzeichnungen ist zu lesen, dass er beispielsweise in der drittletzten Vorbereitungswoche vor dem WM-Marathon 1983 in Helsinki voll durcharbeitete, daneben absolvierte er 190 Kilometer.

Back to the roots
Im vergangenen Oktober kam er als Ehrengast zum 25-Jahres-Jubiläum des Frankfurt-Marathons, bei dem er als erster Sieger bei der Premiere 1981 einen Standard setzte. Doch er kam nicht nur zum feiern, sondern wollte eine gute Zeit laufen. Eine Leistung um 2:40 Stunden sei realistisch, meinte er vor dem Lauf, das hätten die Trainingsresultate gezeigt. Doch das Vorhaben misslang, weil ihm seit dem Frühjahr 2006 eine Fersenverletzung zu schaffen gemacht hatte; also gab er das Rennen auf. Die Ferse ist bis heute noch nicht ganz verheilt, doch hofft er, wie er uns mitteilte, im Herbst wieder anzugreifen („The masters record is still on my mind.“)

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