Alex Hutchinsons Lauflabor

Ist Laufen tatsächlich gut für die Knie?

Läufer habe ein geringeres Arthrose-Risiko als Nichtläufer. Die Gründe: Niedriges Gewicht, keine Verletzungen durch Körperkontakt und besserer Widerstand gegen Entzündungen.

Knie

Da Training Entzündungen im Körper vorbeugt, kann es auch Entzündungen, die für das Fortschreiten von Arthrose verantwortlich sind, bekämpfen.

Bild: Mitch Mandel

Läufer scheinen weniger anfällig für Arthrose in den Knien zu sein als ihre faulen Kollegen. Wirklich. Das ist ein Befund, der immer wieder bestätigt wurde. Auf vielerlei Arten wird immer wieder versucht, diese Feststellung zu entkräften. Vielleicht hat sie ja mit einer verzerrenden Probandenauswahl zu tun, auch wenn die Effekte bei zufällig ausgewählten Gruppen und nicht nur bei Läufern festgestellt wurden. Der Befund lässt sich aber sicherlich mit der Tatsache begründen, dass Läufer generell weniger wiegen.

Doch vielleicht verhilft das Laufen wirklich auf eine bestimmte Art und Weise zu gesünderen Kniegelenken. Eine Theorie ist: Da Training Entzündungen im Körper vorbeugt, kann es auch Entzündungen, die für das Fortschreiten von Arthrose verantwortlich sind, bekämpfen. Diese Theorie wurde in einer neuen Studie der Brigham Young Universität aufgestellt, die kürzlich im European Journal of Applied Physiology erschienen ist.

Der Aufbau der Studie ist ziemlich interessant. Die Wissenschaftler entnahmen Blutproben und Proben der Gelenkschmiere aus den Knien, indem sie eine Nadel in das Gelenk stachen. Danach sollten die Probanden - alles gesunde Freizeitläufer - 30 Minuten lang laufen oder kontrolliert 30 Minuten lang sitzen. Danach gaben sie dann noch einmal eine Gelenkschmiere- und Blutprobe ab.

Gelenkschmiere für die Untersuchung zu verwenden, hat den Vorteil, dass seine Zusammensetzung bessere Schlussfolgerungen über das Geschehen innerhalb des Knies zulassen. Wenn man ausschließlich die Anzahl der Entzündungs- oder Antientzündungsmarker im Blut betrachtet, kann man nicht sicher sein, woher sie stammen.

Antientzündungsmarker werden hervorrufen

Vorhergegangene Studien über die Gelenkschmiere von Patienten, die bereits an Arthrose erkrankt waren, haben Beweise dafür gefunden, dass Gelenkbelastungen wie Laufen oder einbeinige Kniestreckübungen tatsächlich Antientzündungsmarker hervorrufen und die Anzeichen von Knorpelverschleiß reduzieren. Das ist der Grund (oder zumindest einer der Gründe) für die Empfehlung moderater sportlicher Aktivität für Arthrose-Patienten.

Bei der neuen Studie mit gesunden Patienten hingegen gab es ein Problem: Gesunde Knie haben nur eine sehr geringe Menge an Gelenkschmiere. Daher konnten die Forscher nur von sechs der insgesamt 15 Freiwilligen brauchbare Proben der Gelenkschmiere, vor und nach der Kniebelastung, extrahieren. Leider macht dies es mehr oder weniger unmöglich, eindeutige Schlüsse aus den Daten zu ziehen.

Immerhin gab es einige interessante Hinweise – wie die Abnahme des Entzündungszytokins Interleukin-15, welches mit fortgeschrittener und schwerer Arthrose assoziiert wird und die Veränderung der Konzentration von Knorpelumsatzmarkern. Hieran wird deutlich, dass Forscher, die es schaffen genug Gelenkschmiere aus den Knien gesunder Läufer zu extrahieren, interessante Befunde erwarten dürften.

Letztlich sind die besten Dinge am Laufen aus der Sicht der Kniegelenke wahrscheinlich zum einen, dass es das Körpergewicht niedrig hält. Zum anderen, dass es absolut verpönt ist, anderen Läufern in die Quere zu kommen und dadurch schwerwiegende Sportverletzungen wie Kreuzbandrisse vermieden werden, die das Risiko an Arthrose zu erkranken definitiv erhöhen. Aber es bleibt zu vermuten, dass hier auch noch andere, weniger sichtbare Faktoren am Werke sind.