Talente

Erfolgscoach Hogen zur Talente-Erkennung

Dieter Hogen, ehemaliger Trainer von Uta Pippig und heutiger Coach von Topläufern aus Kenia, erläutert seine Überlegungen zum Thema Talente-Erkennung.

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Dieter Hogen hat jahrelange Erfahrung als Coach von Topläufern.

Bild: photorun.net

In der Vergangenheit, aber mitunter auch heute noch, wird oft die Frage diskutiert: „Was ist wichtiger, um in die Weltspitze vorzudringen: Talent oder harte Arbeit?“ Manche fragen sogar, wie viel Prozent der Leistungsfähigkeit macht Talent aus und wie viel Prozent kann nur durch Training erreicht werden?

Für meine Begriffe inszeniert jeder, der es sich zum Ziel setzt, exakte Zahlen zu finden, für sich selbst einen riskanten Drahtseilakt mit sehr ungewissem Ausgang. Vielleicht sollte man überhaupt nicht versuchen, diese beiden Erfolgsvoraussetzungen auf derartige Weise in Relation zu setzen. Es ist durchaus möglich eine zufriedenstellende Antwort zu geben, ohne mit fragwürdigen Prozenten jonglieren zu müssen.

Natürlich sind beide Dinge, Talent und Training, untrennbar miteinander verbunden. Es beginnt schon damit, dass man erstens Talente nur erkennt, wenn sie sich auch betätigen und zweitens Entwicklungen bis hin zur Weltspitze selbst für hoch veranlagte Athleten nur durch kluge, jahrelange harte Arbeit möglich sind.

Wenn ich darüber nachdenke, fallen mir auch oft Beispiele aus anderen Bereichen des Lebens ein, zum Beispiel der Musik. Viele der großen Meister sind bereits als Kinder aufgefallen. Sie haben sich als 5-Jährige ans Klavier gesetzt und waren in der Lage in nur kurzer Zeit etwas nachzuspielen ohne jemals eine Note gesehen zu haben; niemand hatte sie darauf getrimmt. Ihre Veranlagung ließ sie die Musik besser hören, fühlen, tief empfinden und die Finger folgten.

Im Sport ist es nicht anders. Talente zeichnen sich durch überragende genetische Voraussetzungen aus und lernen schnell. Beim Laufen müssen von der physischen Seite her Herz und Lunge bestens funktionieren: Die Sauerstoffaufnahme, der anschließende Transport und die Verwertung in der Muskelzelle zur Energiegewinnung. Die Menge der Enzyme und Mitochondrien – deren Produktion und Leistungsfähigkeit sind von enormer Bedeutung –, die Hormonproduktion, Eiweiß-Synthesen und vieles mehr, das man in der Fachliteratur nachlesen kann. Bestimmte psychische Voraussetzungen und Charaktereigenschaften sind nicht minder bedeutend.

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