Die tschechische Lokomotive

Emil Zatopek

Emil Zatopek gewann bei der Olympiade 1952 in Helsinki drei Goldmedaillen innerhalb von acht Tagen.

Zur Person:

Geboren am 19. September 1922 in Koprivnice (Slowakei), gestorben am 21. November 2002 in Prag.

Um kaum einen Läufer ranken sich mehr Geschichten als um den legendären Emil Zatopek. Natürlich hat der wortgewandte Tscheche auch selbst viel daran mitgestrickt. Sein bekanntestes Zitat »Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft« ziert nahezu jedes Laufbuch. Aber unvergesslich wurde er vor allem durch seine großen läuferischen Leistungen und seinen kämpferischen Laufstil. Als erstem und einzigem Läufer gelangen ihm 1952 bei den Olympischen Spielen in Helsinki Siege über 5000 m (14:06,6 min), 10000 m (29:17,0 min) und Marathon (2:23:03,2 Stunden), und dies innerhalb von nur acht Tagen.

1948 war er schon Olympiasieger über 10000 Meter (29:59,6 min) und Zweiter über 5000 Meter (14:17,8 min) geworden. Außerdem wurde er 1950 und 1954 dreimal Europameister. Unverwechselbar war der Laufstil der tschechischen »Lokomotive«: mit wackelndem Kopf, offenem Mund und herausgestoßener Zunge, die Schultern hochgezogen, pflügte er über die Laufbahn. 18-mal verbesserte er den Weltrekord über die Distanzen von 5000 Meter bis 20 Kilometer. Vom Mai 1948 bis zum Juni 1954 blieb er in 38 Rennen über 10000 Meter unbesiegt.

Den Grundstein des Erfolgs legte er beim Intervalltraining, dem täglichen Laufen mit Tempowechseln. Zatopek revolutionierte diese Trainingsform durch eine extrem hohe Wiederholungszahl von Belastungen. Überliefert sind Trainingstage, an denen er 40-mal 400 m (in 70 bis 80 Sekunden) in Militärstiefeln lief. Verheiratet mit der Speerwerferin Dana, die ebenfalls 1952 olympisches Gold holte, machte Zatopek, der schon in seiner aktiven Zeit als Armeesportler von der Sorge um den Lebensunterhalt befreit war, später nahezu 20 Jahre als geachteter Sportler eine Karriere beim Militär.

Aber 1968 unterschrieb er im Prager Frühling das »Manifest der 2000 Worte« und ihm wurden daraufhin alle Auszeichnungen aberkannt. Er wurde aus der Armee ausgeschlossen und bestritt seinen Lebensunterhalt anschließend als Arbeiter im Uranbergbau. Zatopek schloss aber schon in den siebziger Jahren seinen Frieden mit der kommunistischen Regierung.

Eine Trainingswoche im Frühjahr 1948.

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