Studie zum Höheneffekt

Echter oder simulierter Höheneffekt?

Mit zunehmender Höhe sinken Luftdruck und Sauerstoffgehalt in der Atmenluft, das nutzen viele Läufer beim Höhentraining aus. Bieten Höhenzelte den gleichen Effekt?

Höheneffekt?

Auf einem Berg ist der Sauerstoffgehalt niedriger.

Bild: Urs Weber

Ist es der niedrige Sauerstoffgehalt oder der niedrige Druck, der den Höheneffekt ausmacht?
Wenn Sie einen Berg besteigen, gibt es dort wenig Sauerstoff zum Atmen. Das ist der Grund, warum Eliteläufer nach Boulder gehen oder aus Kenia kommen, und warum Wanderer im Himalaja die Höhenkrankheit bekommen. Es ist auch der Grund dafür, dass einige Eliteläufer Höhenzelte (oder in manchen Fällen sogar Höhenhäuser) kaufen, die die Sauerstoffzufuhr so genau kontrollieren, dass sie die Effekte des Schlafens in Tausenden Metern über dem Meeresspiegel simulieren können.

Aber ist das Schlafen in einem Zelt mit weniger Sauerstoff wirklich dasselbe wie das Schlafen auf einem Berg?
Seit einiger Zeit werden die Unterschiede zwischen zwei Arten von „ Höhe“ diskutiert:

Hypobaric-Hypoxie:
Das bedeutet wörtlich Tiefdruck und niedriger Sauerstoffgehalt. So wie die Luft auf den Berggipfeln: Sie ist dünner und es gibt überhaupt weniger von allem, was man normalerweise in der Luft findet - Stickstoff, Sauerstoff, Kohlendioxyd und so weiter.

Der Läufer hat weniger Sauerstoff zum Atmen.

Bild: Urs Weber

Normobaric-Hypoxie:
Das heißt normaler Druck und niedriger Sauerstoffgehalt. Das ist das, was man in den meisten Höhenzelten bekommt: Im Grunde wird hier der Luft mehr Stickstoff hinzugefügt, sodass der Druck gleich bleibt, aber die Sauerstoffmenge, die man mit jedem Atemzug aufnimmt, reduziert wird.

Also, gibt es einen Unterschied?
Mehrere Studien haben bereits darauf hingewiesen, dass der Tiefdruck in der echten Höhe, außer dem Mangel an Sauerstoff, noch andere Auswirkungen hat - zum Beispiel kann der niedrigere Druck die Übertragung von Gasen zwischen der Lunge und dem Blutkreislauf behindern. Es gibt auch einige Beweise dafür, dass die Höhenkrankheit in der realen Höhe schlimmer sein soll als in der simulierten Höhe.

Eine neue Studie der University of Environmental Physiology British Columbia Lab, die im Journal of Applied Physiology veröffentlicht wurde, greift diese Frage nach den unterschiedlichen Druckverhältnisse auf. Für die Studie wurden 11 Probanden in einer speziellen Kammer, in der sowohl Druck als auch Sauerstoffgehalt unabhängig voneinander verändert werden konnten, vier verschiedenen sechsstündigen „Höhen“-Simulationen ausgesetzt:

  1. normaler Druck, normaler Sauerstoffgehalt
  2. normaler Druck, niedriger Sauerstoffgehalt (10.5 % statt 20.9 %, entsprechen ca. 5.000 m)
  3. Tiefdruck, normaler Sauerstoffgehalt
  4. Tiefdruck, niedriger Sauerstoffgehalt

Während und nach jeder Sitzung untersuchten die Forscher eine ganze Reihe von Dingen, einschließlich der Symptome für Höhenkrankheit und verschiedene kardio-respiratorische Parameter. Das Ergebnis ist, dass sie bei keinem der verschiedenen Parameter deutliche Unterschiede zwischen normalem und niedrigem Druck feststellen konnten. Es gibt zwei mögliche Erklärungen dafür: Entweder sind die eventuell doch bestehenden Unterschiede zu klein, um mit nur 11 Probanden entdeckt zu werden; oder es gibt trotz der Ergebnisse einiger früheren Studien tatsächlich keine Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Druckverhältnissen.

Denn im Gegensatz zu früheren Untersuchungen war diese eine randomisierte Blindstudie und die „Höhen“-Simulationen lagen mindestens zwei Wochen auseinander. Außerdem beruht die Studie auf der Messung des direkt eingeatmeten Sauerstoffs und nicht auf der Messung des gesamten Sauerstoffsgehalts in der Kammer, welche durch schwer kontrollierbare Faktoren wie Feuchtigkeit beeinträchtigt sein kann.

Also ist dies eine gute Studie, und sie sollte Höhenzelt-Verfechter in ihrer Annahme bestärken, dass sich die „simulierte“ Höhe gar nicht so sehr von der realen Höhe unterscheidet.

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