Orkan Xaver

Die Reaktion der Redaktion auf Xaver

Der gemeinsame Lauf in der Mittagspause gehört bei RUNNER'S WORLD zum Arbeitsalltag. Selbst dann, wenn ein Orkan droht? So reagierte die Redaktion.

Sturm

Beim Laufen gibt es kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung - so heißt es. Ist dem wirklich so?

Bild: istockphoto.com/CraigNeilMcCausland

Jan-Simon Hamann, Praktikant: Lieber zweimal hart als im Sturm
"Vor sechs Wochen, als Sturmtief Christian den gesamten Hamburger Nahverkehr lahm legte, war ich noch im Aufbautraining und hatte an diesem Tag sowieso Laufpause. Mit anderen Worten: Der Sturm war mir egal! Inzwischen laufe ich wieder täglich, da passt mir ein Orkan wie Xaver nicht so recht ins Konzept. Für heute stand auf dem Trainingsplan: Flotter Dauerlauf im profilierten Gelände. Dazu noch im Wald. Dort möchte man sich nicht befinden, wenn der Wind anfängt, Äste abzureißen. Was also tun, zumal es auch am Freitag nicht besser werden soll? Die Trainingseinheit kurzerhand vorziehen auf den Mittwoch. Aber im Umfang reduziert. Dafür dann am Donnerstag noch ein bisschen durchs Gelände joggen, bevor der Sturm so richtig losbricht. Zwei harte Einheiten hintereinander sind sicherlich keine optimale Lösung, aber auf diese Weise kann ich mich an den beiden Sturmtagen ausruhen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen."

Martin Grüning, Chefredakteur: Die Facebook-Falle
"Nicht-laufen ist für mich nie eine Lösung. Ich laufe immer. Also tat ich cool. ‚Orkantief? Mit mir doch nicht! Lächerlich. Ich gehe bei jedem Wetter auf die Runde.‘ Und bevor ich losstartete, machte ich mich noch über die Warnungen in einem Facebook-Eintrag lustig: ‚Ich mach's! Ich trau mich. Sollte ich nicht zurückkommen, sucht mich im Volkspark, Hamburg. Und schreibt auf meinen Grabstein: Selbst ein Orkantief konnte ihn nicht von der Laufsucht befreien. Er wurde vom Baum erschlagen bei Tempo XX (hier dann bitte das Tempo einmeißeln, welches die Kripo bei der Spurensuche eruieren konnte)‘ schrieb ich. Und 50 Minuten später schob ich auf meinem Facebook-Account nach ‚ÜBERLEBT‘. Aber zwischendurch im Wald dachte ich, dass ich wahrlich kein gutes Vorbild sei und legte folgende drei Läuferregeln für Orkantiefs fest:
1. Es gilt immer persönlich abzuwägen, ob eine ausgefallene Laufeinheit wegen Orkans wirklich schlimmer ist, als das 1-%-Risiko einzugehen, bei Orkan beim Laufen von einem Ast erschlagen zu werden.
2. Es gilt immer die banale Weisheit zu berücksichtigen, dass es im Wald bei Orkan gefährlicher ist als in der Stadt als auf freiem Feld.
3. Es gilt immer zu bedenken, dass auf einem Indoor-Laufband auch bei Orkan kein Orkan herrscht."

Lidia Piechulek, Praktikantin: Kraft im Keller
"Um nicht von einem Ast erschlagen zu werden, fiel heute für mich das Laufen aus. Meine Mittagspause habe ich dann lieber für Stabi- und Kraftübungen genutzt. Im Kraftraum ein paar Liegestütze, Einbeinstand und Kniebeugen auf dem Balanceboard, während draußen der Sturm tobt - egal, im Keller passiert mir nichts. Und auf dem Spinning-Bike kann man nochmal seinen Puls hochtreiben."

Daniel Eilers, Redakteur: Ab auf Asphalt
"Sturmtief Christian ist mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben: Einen Tag, nachdem Christian wütete, war ich im Hamburger Volkspark laufen. Dort wurde aus dem lockeren Dauerlauf ein Traillauf, so viele abgeknickte Baumstämme legten sich mir in den Weg. Zeitsprung. Risiken rechne ich gerne in Wahrscheinlichkeiten. Und so war mir die Wahrscheinlichkeit, heute von einem Baumstamm- oder Ast während des Laufens im Wald erwischt zu werden, zu groß. Stattdessen verlagerte ich meinen Lauf auf einen weitestgehend baumfreien und asphaltierten 1-km-Abschnitt auf der Straße. Hin und her und hin und her und hin her? Nein, nichts für mich, zu monoton, da muss Schärfe rein! Bei der letzten der fünf 1-km-Wiederholungen meines Spontan-Tempoprogramms heftete ich mich schnaufend und mit hochrotem Kopf an einen Radfahrer, dem der Gegenwind und die Steigung augenscheinlich noch mehr zu schaffen machte als mir. Redete ich mir jedenfalls ein. Wahrscheinlicher: Er fragte sich, warum meine Füße so patschten (meine Lieblingsschuhe haben Drainagelöcher) und hatte Mitleid. Er machte mir Mut und zeigte mit seinem Daumen nach oben: Weiter so, sollte das wohl heißen. Beim Austrudeln holte er mich wieder ein, fuhr auf mich zu und klatschte ab. Da wurde mir klar: Genau für diese Momente laufe ich - gleich, bei welchem Wetter."

Britta Ost, Redakteurin: Verkürzte Feierabendrunde
"Xaver habe ich den Tag über nur digital mitbekommen, per Liveticker auf den Nachrichten-Seiten. Auf dem Weg in die Redaktion wehte noch kaum ein Lüftchen, während der Mittagspause bin ich drinnen geblieben. Außer ordentlichem Regen habe ich daher noch nichts mitbekommen. Auf den Heimweg spürte ich nicht mehr als normal-windiges Wetter – toll zum Laufen. Also habe ich mich recht spät noch auf eine Feierabendrunde am Kanal aufgemacht. Schon kurz nach dem Loslaufen breitete sich allerdings doch ein mulmiges Gefühl in mir aus. Ein kleiner Ast liegt unter einem Baum? Lieber doch rechtsherum – da stehen nicht so viele Bäume wie links. Ein kleiner Windstoß? Unterm Baum besser mal etwa schneller laufen. Ohne Warnungen und Berichterstattung hätte ich diese Details gar nicht wahrgenommen, aber so lief ich nervös umher. Als dann noch ein Fahrrad 30 Meter vor mir umkippte, entschloss ich mich endgültig, den Abend doch lieber indoor zu verbringen."