Trainingslager in Finnland

Die Hauptstadtläufer im Schnee

Die Mittelstreckenläufer der LG Nord Berlin berichten aus ihrem Skitrainingslager nahe des Polarkreises.

Die Hauptstadtläufer vor der Blockhütte in Ruka (Finnland): Gerhard Janning (Jugendtrainer von Carsten Schlangen), Carsten Schlangen, Moritz Höft, Norbert Löwa, Johannes Riewe, Jonas Stifel, Jonas Hamm, Franek Haschke, Prof. Dr. Roland Wolff.

"Hauptstadtläufer" nennen sich die Mittelstreckenläufer der LG Nord Berlin selbst. Sie berichten in dieser Woche täglich exklusiv für RUNNER'S WORLD aus ihrem Skitrainingslager in Kuusamo (Finnland) nahe des Polarkreises. Ziel dieses Trainingslagers ist die gezielte Vorbereitung auf die kommende Olympiasaison.

Das Trainingslager ist der erste Teil einer Serie von Trainingslagern, in dem vorwiegend alternativ trainiert werden soll. Durch die tägliche Berichterstattung der "Hauptstadtläufer", die angereichert wird mit Fotos, Videos und Interviews aus dem hohen Norden möchten wir Ihnen eine Sportart vorstellen, die im Winter eine sinnvolle Ergänzung zum allgemeinen Lauftraining ist.

1. Skitag (Bewegungslernen)

Trainingseinheiten:
Vormittags:
1h 30min Skilanglauf - Einübung der Ski-Techniken (Klassik und Skating) in leichtem, fast ebenen Gelände. Später leichte Anstiege und erste Abfahrten in gedrosseltem Tempo.

Nachmittags:
1h 15min Skilanglauf - Vermeidung hoher Intensitäten - Berganstiege im Skatingstil geübt

Abends:
Leichter Dauerlauf 30min durch leichtes Gelände

Temperatur über Tag: etwa -2° Celsius

Essen:
Mittags: belegte Mehrkornbrote
Abends: Pizza mit verschiedenen Belägen

Der erste Tag unseres Skilanglauftrainingslagers begann bereits sehr positiv. Nicht nur, dass wir uns sehr schnell in der fantastischen Blockhaushütte in Ruka wie zu Hause fühlten, auch das Skilaufen ging den meisten
Hauptstadtläufern bereits gut von der Hand. Nach dem Skitrainingslager in Östersund (Schweden) vor zwei Jahren fiel der Wiedereinstieg in die Bewegung den meisten Läufern leicht.

Wir haben den Tag bewusst in zwei kürzere Einheiten eingeteilt - somit wird eine zu schnelle Ermüdung verhindert und das Wiedererlernen der Bewegung vereinfacht, denn bei der Nachmittagseinheit waren die meisten Läufer entweder durch einen kurzen Schlaf oder Kurzweil wieder regeneriert und aufnahmefähig. Für alle Läufer stand am Abend dennoch ein kleiner Dauerlauf auf dem Programm. Wir werden immer wieder in der Skiwoche zu kurzen Dauerläufen in die finnische Landschaft aufbrechen, um den Wiedereinstieg ins Laufen in Berlin zu vereinfachen.

Der einzige Wermutstropfen war das schnelle Nachgeben des Skistocks von Norbert Löwa.

Am Abend wurde nach Herzenslust gemeinsam gekocht. Viele fleißige Hände fanden sich trotz der drei Trainingseinheiten, um den Teig auf den Blechen zu verteilen und nach Belieben zu belegen. Nach reichhaltigem Essen sollte man nicht direkt in die Sauna gehen und so nutzten wir die Zeit, um noch ein wenig mit dem Schlittem vom Steilhang zu rodeln. Die den Tag abschließende Sauna entspannte so manchen Hauptstadtläufermuskel.

Hier in Ruka ist die Saison noch nicht wirklich gestartet. Leider liegt auch noch nicht so viel Schnee wie gewöhnlich - vermutlich ist es derzeit in Deutschland sogar kälter als hier. Selbst an diesem Sonntag hatten wir die Loipen fast ausschließlich für uns allein. Erst gegen "Joulu" (finnisch: Weihnachten) wird hier die Skisaison so richtig losgehen.

Der Tag ist recht kurz. Ab etwa 9.30 Uhr wird es hell und um 15.00 Uhr ist es bereits dunkel. Die Skibedingungen sind trotz mangelnden Schnees traumhaft. Insgesamt sind circa 50 Kilometer Loipen befahrbar, davon sind 14 km beleuchtet.

Gesammelte Zitate nach dem ersten Tag:
"Ich war in den letzten Tagen erkältet und muss mich so leider noch etwas zurücknehmen. Gemeinsam mit Roland Wolff bin ich auf dem Talvijärvi (Wintersee) Ski gefahren. Für mich war es das erste Mal, dass ich auf Skilanglaufbrettern stand - für einen Finnen ist das schon ungewöhnlich. Die meisten Kinder lernen in Finnland in der Schule das Skilaufen, aber
ich bin in der Nähe von Hamburg aufgewachsen." (Jonas Hamm)

"Ich habe einem waschechten Finnen (Jonas Hamm) in einer halben Stunde das Skifahren beigebracht. So einfach ist das!" (Roland Wolff)

"Ich war das letzte Mal vor circa 14 Jahren auf Skilanglaufbrettern unterwegs. Heute hat es mir bereits sehr viel Spaß gemacht. Aber ich habe mich schon gewundert, dass man mit 26 das nicht mehr kann, was man als Kind bereits konnte. Ich muss in den nächsten Tagen die Bewegung völlig neu erlernen.
Ich vermute, dass ich hinter der Meute von davonskatenden Hauptstadtläufern eben so viel Schnee gefressen habe, wie später auf meiner Schlittenabfahrt. Die Konkurrenzsituation ist nicht immer nur angenehm aber dafür extrem leistungsfördernd." (Moritz Höft - Deutscher Meister 2007 über 800 m)

"In einer einzigen Skilanglaufeinheit können viele unterschiedliche Aspekte gleichzeitig trainiert werden. An erster Stelle steht natürlich die Grundlagenausdauer, gefolgt von Koordination und Kraft. Diese semispezifischen Trainingseinheiten im Schnee vermeiden Verletzungen durch reduzierte Stöße - alle Bewegungen sind gleichmäßig und ruhig. Ich war sehr verwundert, dass ich bereits heute beim Skating so ein gutes Gefühl hatte. Leider fehlt es mir noch ein wenig an Kraft, um die Anstiege so hochsteigen zu können, wie die bereits etwas länger am Ort Verweilenden." (Jonas Stifel - Zweifacher Deutscher Crossmeister)

"Ich war erstaunt, dass mir die Bewegungsabläufe von Skating und Klassik noch so gut vertraut waren. Vor zwei Jahren habe ich bei unserem ersten Skitrainingslager in Östersund (Schweden) noch sehr wackelig auf den
Brettern gestanden und eigentlich erst am letzten Tag vor der Heimreise das Gefühl gehabt, gut mit der komplexen Bewegung klar zu kommen. Diese Hürde werde ich dieses Mal vermutlich schneller hinter mir lassen und somit kann ich in den nächsten Tagen auch höhere Geschwindigkeiten fahren und mich mehr verausgaben." (Norbert Löwa - 2. Deutsche Meisterschaften 2007 Hindernis 3000m)

Den folgenden Bericht finden Sie hier.