Lauflabor

Der Schrittwinkel beeinflusst die Laufökonomie

Eine neue Studie über den "Schrittwinkel" bringt unerwartete Ergebnisse: Nicht ein flacher, sondern ein größerer Winkel bedeutet effizientes Laufen.

09012014 Lauflabor Der Schrittwinkel beeinflusst die Laufökonomie Highlight

Ein größerer Schrittwinkel fördert ein effizienteres Laufen.

Bild: iStockphoto.com / PeskyMonkey

Die Laufökonomie, eine Art Kraftstoffverbrauch bei Läufern, ist so etwas wie schwarze Magie. Es gibt viele Theorien darüber, was sie beeinflusst und eine berühmte Studie zeigte, dass Paula Radcliffe es geschafft hat, ihre Laufökonomie innerhalb einer fünfjährigen Periode zu verbessern - aber keiner weiß wirklich, wie dies zuverlässig funktioniert.

Eine neue spanische Studie, die gerade im Journal of Strength and Conditioning Research veröffentlicht wurde, wirft einen Blick auf einen Parameter, den ich vorher noch nie in Betracht gezogen hatte, - den „Schrittwinkel“, das heißt der Winkel, in dem der Fuß den Boden verlässt.

Die Forscher untersuchten dafür eine homogene Gruppe von 25 gut trainierten, männlichen Langstreckenläufern und maßen deren Laufökonomie während drei verschiedenen submaximalen Geschwindigkeiten. Sie analysierten auch mehrere biomechanische Parameter, dazu gehörte auch der „Schrittwinkel“.

Untersucht wurde der Schrittwinkel, das heißt der Winkel, in dem der Fuß den Boden verlässt.

Bild: runnersworld.com

Welche Ergebnisse waren zu erwarten? Vorherige Forschung (und gesunder Menschenverstand!) hatten darauf hingewiesen, dass Läufer mit übermäßigen Auf- und Ab-Bewegungen in der Regel weniger effizient sind als Läufer, die ruckartige Bewegungen nach oben oder unten vermeiden. Dies legt eigentlich nahe, dass ein kleinerer Schrittwinkel für eine bessere Laufökonomie sorgt. Dies vermuteten zumindest die Forscher. Aber dies konnte in der Studie nicht bestätigt werden.

Stattdessen zeigte sich, dass die Läufer mit dem höheren Schrittwinkel am effizientesten laufen (denn niedrige Zahlen stehen ökonomisch gesehen für weniger Kraftstoffverbrauch). Dieselben Ergebnisse fanden sich auch bei den anderen Geschwindigkeitstests. Die Daten zeigen eine klare Beziehung zwischen dem Schrittwinkel und der Bodenkontaktzeit: die Läufer mit dem höheren Schrittwinkel hatten kürzere Bodenkontakte und damit eine bessere Laufökonomie. Interessanterweise zeigte keine der anderen biomechanischen Variablen (wie z.B. Schrittlänge und Trittfrequenz) eine solch signifikante Beziehung zur Laufökonomie.

Schrittwinkel Grafik 2

Bild: runnersworld.com

Dieses Diagramm zeigt die Messung der Laufgeschwindigkeit: Auf der Y-Achse befindet sich die Laufleistung (in ml von O2 pro Kg pro km), auf der X-Achse der Schrittwinkel.

Also, was fangen wir nun damit an? Die Autoren des Artikels vermuten, dass durch „gezielte Übungen“, die zu einem größeren Schrittwinkel führen, eine effizientere Lauf-Biomechanik gefördert werden kann. Das scheint mir etwas voreilig, da wir noch nicht wirklich verstehen, was hier passiert. Es wäre gewiss interessant, diese Studie mal mit einer gemischteren Gruppe zu wiederholen. Denn die Studienteilnehmer hatten alle eine 10-km-Bestzeit von etwa 32.00 Min und sie trainierten durchschnittlich 95 Kilometer in der Woche. Wären mehr Freizeitläufer in die Untersuchung einbezogen worden, hätten wir dann nicht eine größere Palette an Schrittwinkeln gesehen? Würde sich die Laufökonomie-Kurve dann nicht nach oben biegen, sobald der Schrittwinkel 8 Grad erreicht? Oder 10 Grad? Und was wäre, wenn man die Geschwindigkeit über der Laktatschwelle angelegt hätte (denn alle drei Geschwindigkeiten, die sie prüften, lagen darunter)?

Ziemlich viele Fragen. Aber für mich ist das eigentlich Interessante, dass sich die intuitiv „offensichtliche" Vorhersage - dass ein flacherer, wenig federnder Schritt effizienter sein müsste - nicht als wahr erwiesen hat. Eine erneute Erinnerung an etwas, dass uns der Erfolg von Paula Radcliffe schon längst gezeigt hat: Man kann die Effizienz eines Laufstils eben nicht durch bloßes Hinschauen beurteilen.

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