Trainingslager am Polarkreis

Das Leben im Blockhaus

Mittelstrecken-Ass Carsten Schlangen berichtet vom Leben und Laufen am Polarkreis.

Autor Carsten Schlangen auf einer Abfahrt.

Die Mittelstreckenläufer der LG Nord Berlin berichten exklusiv für RUNNER'S WORLD aus ihrem Skitrainingslager in Kuusamo (Finnland) nahe des Polarkreises. Ziel dieses Trainingslagers ist die gezielte Vorbereitung auf die kommende Olympiasaison.

Bericht 6. Skitag

Trainingseinheiten:


Vormittags-Mittags:
18 km Skilanglauf - vorwiegend Skating in schwierigem und weitgehend
unpräpariertem Gelände

Abends:
1 Stunde Skilanglauf lockeres Tempo

Abends:
Dauerlauf 30 min locker

Temperatur über Tag: etwa -2° Celsius

Essen:
Mittags: belegte Brote und Rote-Beete Salat
Abends: Spaghetti Carbonara dazu Stück gebratener Lachs


Wir merken jetzt von Tag zu Tag, wie wir sicherer auf den Skiern stehen,
die Stürze weniger werden und wir immer leichter die Kilometer auf der Loipe hinter uns lassen. Sollten Sie jetzt selbst auf die Idee kommen, durch unsere Berichterstattung ihren nächsten Skilanglaufurlaub zu planen, so möchten wir ihnen gerne vorwegnehmen, dass das simple Gefühl etwas von Tag zu Tag besser zu beherrschen ein sehr selten vorkommendes Ereignis im "(Läufer)Alltag" ist und Sie es sehr genießen werden.

Wir hatten uns heute entschieden, eine etwas anspruchsvollere Route zu
wählen um uns mit einigen heiklen Abfahrten und ungespurten Loipen durch die schöne finnische Tundra/Taiga zu belohnen. Wir haben uns auf einer langen Route etwas mehr Zeit gelassen um gelegentlich zu photographieren.

Das Panorama von Ruka.

Die Bilder führen uns direkt zu unserem heutigen Thema: Leben im hohen
Norden.

Für uns ist es sehr wichtig, neben dem Training auch etwas von der Umgebung und dem Umfeld aufzunehmen, in das wir uns begeben. Aus der veränderten Umgebung können wir Kraft schöpfen für Trainingseinheiten, die sich im Alltag in Berlin nur schwer realisieren
lassen.

Eine der wichtigsten Inspirationen vor Ort ist sicherlich unsere einmalige Unterkunft: Ein Holzhaus aus Kiefernrundhölzern. Der Umfang der Stämme und die damit realisierten Spannweiten sind für ein Blockholzhaus dieser Bauart sehr außergewöhnlich. Keine weiteren statischen Elemente wurden der Blockbauweise hinzugefügt. Einige Kiefern müssen nach unserer Jahrringzählung deutlich älter als 80 Jahre gewesen sein, bevor sie für dieses große Vorhaben gefällt und übereinander geschichtet wurden. Zwischen den mächtigen Stämmen sind kleine Stoffbahnen gelegt, die das Haus enorm gut gegen die kalten Außentemperaturen isolieren. In der Umgebung von Ruka haben wir sehr viele solcher Holzhäuser gesehen, die sich zum Teil noch in der Bauphase
befinden.

Das Leben in einem solchen Haus, läßt sich nicht vergleichen mit einem
in einer der steinernen Mietskaserne in Berlin. Das Raumklima ist einfach ganz anders als in einem Haus aus Stein.

Das betrifft nicht nur die Sauna, in der wir uns nach schweren Einheiten mit unseren Rücken an die warmen Rundstämme schmiegten. Auch Franek Haschke, der einst bei der Bunderswehr gelernt hatte, ein
richtiges Feuer zu entfachen, mußte sich erst einige Tage eingewöhnen, um nach Anzünden des Kamins nicht gleich ein unbehagliche Raumtemperatur von 26°Celsius zu erzielen.

Wer wissen möchte, wie sich ein Leben nahe am Polarkreis anfühlt, der
sollte einige Zeit in einem solchen Haus leben - davon sind wir überzeugt.

Das Läuferleben im Blockhaus.

Zum Leben im Norden gehört für uns auch der regelmäßige Blick in den Himmel. Die Himmelskörper sind durch kaum vorhandene Lichtverschmutzung in beeindruckender Klarheit zu sehen. Wir sahen immer wieder zahlreiche Sternschnuppen.

Leider war es unserer Gruppe bisher nicht vergönnt Nordlicher zu sehen. Die Aussichten für die nächsten Tage sagen etwas trübere Wetterlage voraus, so daß wir wohl vergeblich unsere Blicke gen Norden richten. Vor einer Woche konnte Carsten Schlangen für eine sehr kurze Zeit Nordlichter
beobachten.

Leben am Polarkreis, was bedeutet das für jeden einzelnen
Hauptstadtläufer?

Jonas: Es war recht dunkel, das Haus strahlte eine unglaubliche Wärme
und Harmonie aus.

Franek: Leben am Polarkreis bedeutet für mich die einzelnen Facetten des
Winters in einer menschenfeindlichen Gegend mit aller seiner Schönheit
zu erleben.

Johannes: Kälte, Anstrengung, Tiefkühlriegel und Strapaze außerhalb -
Wärme, Kaminfeuer und Regeneration mit Tee und Blaubeersuppe innerhalb der Blockhütte.

Carsten: Wenn man mit dem Skiern weit in die finnische Taiga fährt und
einfach anhält, dann wird erlebt man eine Stille wie sonst nirgendwo.
Das ist für mich der hohe Norden.