Ausdauertraining geht immer

Bestleistungen auch bei spätem Laufeinstieg möglich

Es ist nie zu spät mit dem Training zu beginnen und auch Leistungsverbesserungen sind lange möglich.

Laut einer Studie, die im „British Journal of Sports Medicine“ erschien, verbesserten sich zwischen 1983 und 1999 die Zeiten der besten Läufer über 50 beim New York Marathon schneller, als dies im gleichen Zeitraum bei jüngeren Läufern der Fall war. In die gleiche Richtung argumentiert eine australische Untersuchung aus dem vergangenen Jahr, bei der kein nennenswerter Unterschied zwischen den Top Five der Altersgruppe 35 bis 49 bei Berglauf-Weltmeisterschaften feststellbar war. Offenbar kann man die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit bis zur sechsten Lebensdekade auf einem hohen Niveau halten.

Bild: Norbert Wilhelmi

„Ein altersbedingter Rückgang der Ausdauerleistungsfähigkeit ist natürlich unausweichlich, allerdings verschiebt sich der Zeitpunkt zunehmend nach hinten“, meint Mark Tarnopolsky, Direktor der Neuromuscular and Neurometabolic Clinic an der McMaster University in Ontario, Kanada. Tarnopolsky gewann im Alter von 41, 42 und 43 Jahren eine lokale Crosslaufserie in Ontario. „Letztes Jahr war ich dabei schneller als mit Mitte 20“, so Tarnopolsky, heute 45 Jahre alt. Was macht den Unterschied aus? Er stellt sich sein Training effektiver zusammen, treibt auch andere Sportarten, und seine Schmerztoleranz ist höher als in jüngeren Jahren. Außerdem kommt er wegen seiner Ausdauerbasis heute mit weniger Umfängen aus.

„Die meisten Studien zum Thema des altersabhängigen Rückgangs der Leistungsfähigkeit haben der Abhängigkeit von der körperlichen Aktivität keine Beachtung geschenkt“, erklärt Scott Trappe, Leistungsphysiologe an der Ball State University in Muncie, Indiana. „Betrachtet man das kardiovaskuläre System, so verliert der Mensch etwa ein Prozent pro Jahr“, so Trappe. „Wir gingen davon aus, dass der Rückgang mit dem 25. Lebensjahr beginnt, doch dann sahen wir, dass die Leute ihre aerobe Kapazität länger aufrechterhalten können, wenn sie weiter trainierten. Ich bin 42, und mein VO2max ist genauso hoch wie zu meiner Zeit im College.“

Tarnopolsky schließt daraus: „Es ist nie zu spät, mit sportlicher Aktivität zu beginnen. Wir haben Menschen mit 65 Jahren und älter Trainingsprogrammen ausgesetzt, und es war absolut überraschend, welche Fortschritte möglich waren.“ Nichteliteläufer, die erst später im Leben zum Laufen kamen, haben besonders gute Chancen, ihre Leistungsfähigkeit länger zu halten oder sich im Alter gar noch zu steigern. „Wenn man bis zum 35. Lebensjahr nicht regelmäßig trainiert hat, sind Leistungsverbesserungen bis in die 40er und darüber hinaus möglich“, sagt Leistungsphysiologe Jason Karp aus San Diego, der auch als Trainer arbeitet. Läufer, die sich erst mit 40 Jahren seriös mit dem Marathon beschäftigten, könnten also noch mehrere Jahre Bestleistungen erzielen.

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