Ausdauertraining geht immer

Bei Leistungsabfall nicht sorgen oder ärgern

Die Ausdauerleistung nimmt im Alter zwangläufig ab, vergleichen Sie sich also nicht zu verbissen mit Jüngeren.

Mit steigendem Alter schwindet auch die Muskelmasse, weil immer weniger Nervenzellen neu gebildet werden, die die Muskeln versorgen. „Wenn Nervenzellen schrumpfen und absterben, stirbt auch die Muskelfaser“, erklärt Hunter. „Manchmal regenerieren sie durch neue Nervenzellen, doch mit zunehmendem Alter wird das Absterben der Zellen immer weniger kompensiert.“ Durch Training lässt sich dieser Prozess, Atrophie genannt, zwar verzögern, aber nicht zum Stillstand bringen. Er beschleunigt sich ab dem 60. Lebensjahr deutlich und betrifft vor allem die schnellen Muskelfasern. Deshalb verliert man erst an Schnellkraft, bevor die Ausdauer nachlässt.

Bild: Norbert Wilhelmi

Im Normalfall bemerkt man den altersabhängigen Leistungsabfall dadurch, dass man länger braucht, um sich von einer Trainingsbelastung zu erholen. Muskeln speichern Glykogen, und wenn man mit zunehmendem Alter Muskelmasse verliert, verringern sich auch die Glykogenspeicher – somit dauert es länger, diese wieder zu füllen. Außerdem sind die Arterien im Alter immer weniger elastisch; darunter leidet die Blutzufuhr in die Muskelfasern, und somit dauert es länger, bis die dabei transportierten Nährstoffe zum Wiederaufbau der Fasern ankommen. Dazu kommt, dass sich in den Kraftwerken der Zelle ($link:e:http://www.runnersworld.de/gesundheit/mitochondrien.261328.htm|Mitochondrien)$) im Alter zunehmend oxidative Schäden bemerkbar machen, die der normale Stoffwechsel mit sich bringt. Deshalb arbeiten sie weniger effektiv. Außerdem sinken Testosteron- und Wachstumshormonspiegel – beide Botenstoffe unterstützen die Regeneration.

Diese physiologischen Veränderungen haben unausweichliche Auswirkungen auf die Leistung im Marathon. Zwar verlaufen Altersprozesse individuell unterschiedlich, doch Studien deuten an, dass nach dem 35. Lebensjahr die Ausdauerleistung um 5 bis 15 Prozent pro Lebensjahrzehnt abnimmt, so Professor Dieter Leyk vom Institut für Physiologie und Anatomie an der Sporthochschule Köln. Leyk untersuchte an 300 757 Läufern, wie sich das Alter auf die Marathonleistung auswirkt, und kam zu dem Ergebnis, dass männliche Topläufer um 10,5 Prozent pro Dekade langsamer wurden, weibliche sogar um 14,8 Prozent.

Diese Studie lieferte aber auch ermutigende Neuigkeiten für Läuferinnen und Läufer im hinteren Feld. Ihre Leistungsabfallkurve fiel etwas flacher aus und begann später als bei den Eliteläufern. Bei diesen Läufern stellten sich signifikante altersbedingte Veränderungen in der Ausdauer erst nach dem 50. Lebensjahr ein. Anders ausgedrückt: Marathon- und Halbmarathonleistungen waren in der Altersspanne von 20 bis 49 Jahren fast identisch.

Weiterlesen

Seite 2 von 8
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Leistungssteigerung im Alter