Der Läufer-Knigge

§9 Verhalten im Verkehr

Die Straßenverkehrsordnung gibt die Maßstäbe vor. Will heißen: Rote Ampeln gelten auch für Läufer.

Dass man sich im Temporausch mög­licherweise dazu hinreißen lässt, die Grünphase der Fußgängerampel etwas großzügiger auszulegen als im Auto, versteht im Zweifelsfall hoffentlich auch der Wachtmeister. Eine Ehrensache für einen achtbaren Läufer sollte es hingegen sein, dass er an einer roten Ampel wartet, wenn Kinder zugegen sind. Und dass Autos ungeachtet der geltenden Gesetze im Zweifelsfall immer Vorfahrt haben, hat weniger mit guten Manieren als vielmehr mit reinem Selbstschutz zu tun. Denn was nützt es Ihnen, wenn Sie das Recht hatten, die Straße vor dem Auto zu überqueren, Sie danach aber wegen Bein- und Rippenbrüchen für die nächsten Monate aufs Laufen verzichten müssen?

Schwieriger wird es mit der Auslegung der Vorfahrtsregeln auf Bürgersteigen und Waldwegen. Natürlich ist Ihr Ärger verständlich, wenn wieder mal drei entgegenkommende Personen die volle Breite des Gehsteigs in Beschlag nehmen und keinerlei Anstalten machen, Ihnen eine Lücke zum verletzungsfreien Passieren zu lassen, sondern Sie zu einem halsbrecherischen Ausweichmanöver auf die Straße zwingen. So ein Verhalten ist ohne Frage hochgradig rücksichtslos, aber noch lange kein Grund, sich den Weg brutal freizurempeln.


Regel 1
Grundsätzlich gilt die Straßenverkehrsordnung, an die sich auch Läufer zu halten haben.

Regel 2
Es gilt als höflich, anderen, sich im Gehschritt befindlichen Personen auf dem Bürgersteig auszuweichen. Dies gilt besonders bei älteren Menschen. Versperren eine oder mehrere Personen die gesamte Breite des Gehwegs, ohne dem Läufer Platz zu machen, stellt dies ein unhöfliches Verhalten dar. Dennoch gibt es dem Läufer nicht das Recht, sich mit roher Gewalt seinen Weg zu bahnen. In einem solchen Fall sollte er die entsprechenden Personen verbal um die Möglichkeit des Passierens bitten. Nähert sich der Läufer von hinten Personen, deren Anzahl oder Körperumfang dazu führt, dass ein verletzungsfreies Vorbeilaufen unmöglich wird, hat sich der Läufer höflich bemerkbar zu machen und sich im Erfolgsfall für das Platzmachen zu bedanken.

Regel 3
Rote Fußgängerampeln gilt es weiträumig zu umlaufen. Gelingt dies nicht, gelten die gängigen Signale der Ampel auch für Läufer – insbesondere dann, wenn sich Kinder in der Nähe befinden.

Regel 4
Im Gelände gilt das Vorfahrts­recht des Schnelleren gegenüber dem Langsameren. Dies schließt auch die moralische Verpflichtung des Walkers gegen­über dem Läufer ein, diesem im Zweifelsfall unaufgefordert Platz zum Über­holen zu machen. Wohlgemerkt, der Läufer kann aus dieser Vorfahrts­regel keine anderen Vorrechte gegen­über Walkern ableiten.

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