Der Läufer-Knigge

§8 Anbändeln

Nur weil jemand das gleiche Hobby hat, zählt er oder sie noch lange nicht zum Freiwild.

Den zukünftigen Partner beim Laufen kennenzulernen ist zweifelsohne eine ­tolle Vorstellung. Schließlich hat man offenkundig bereits eine gemeinsame Leiden­schaft. Und der Gesprächsstoff für die erste Unterhaltung ist gesichert. Aber eins sollten Sie bedenken: Eine niveau­volle Kontaktaufnahme mit einem attrak­tiven Läufer oder einer attrak­tiven Läufe­rin ist eine ebenso diffizile Angelegenheit wie in allen ande­ren Bereichen des Lebens und will wohlüberlegt sein.

Die „Hey, kennen wir uns nicht irgendwoher?“-Nummer ist auch im Wald nicht einfallsreicher als in der Disco – also indiskutabel. Aber wenn ER sich über Kilometer an IHRE Fersen heftet, ohne sie anzusprechen, weil er noch über den richtigen Satz nachdenkt, könnte das eher als Belästigung denn als freundliche Kontakaufnahme gewertet werden. Und wenn SIE IHN während seines harten Tempo­trainings mit der Frage nach der Uhrzeit auf sich aufmerk­sam zu machen versucht, dürfte das vermutlich auch eher mit Unwillen als mit freudiger Erwartung quittiert werden.

Sie sehen: Einige Regeln für das Baggern können auch Läufern nicht schaden!

Regel 1
Die Kontaktaufnahme unter Läufern hat auf einem gehobenen Niveau stattzu­finden. Signalisiert der oder die Angesprochene deutliches Desinteresse, ist von einem weiteren Versuch in jedem Fall abzusehen.

Regel 2
Ein Läufer oder eine Läuferin hat von vornherein von einer Kontaktaufnahme abzusehen, wenn die Zielperson erkennbar ein Training im anaeroben Bereich durchführt.

Regel 3
Gerade männlichen Personen ist dringend anzuraten, einer weiblichen Läuferin nicht über ­eine längere Strecke zu folgen, ohne sie freundlich und direkt anzusprechen. Ganz besonders dann nicht, wenn die Umgebung verhältnismäßig einsam ist.

Regel 4
Nutzen Sie bei einer Kontaktaufnahme den Vorteil des offen­sichtlich vorhandenen gemeinsamen Hobbys. Dies ermöglicht die niveauvolle Kontaktaufnahme und liefert Stoff für ein Gespräch, zu dem beide aus eigener Erfahrung etwas beitragen können.

Regel 5
Sieht ein Läufer oder eine Läuferin eine Läuferin oder einen Läufer regelmäßig auf der gleichen Laufrunde, fühlt sich aber zu einer direkten Kontaktaufnahme nicht imstande, empfiehlt sich die im Volksmund „Salamitaktik“ genannte Verhaltensweise. Erste Blickkontakte können allmählich in ein freundliches Kopfnicken und später in ein immer vertrauter werdendes Grüßen übergehen, das letztlich im besten Fall in ein Gespräch und eine Verabredung zum Laufen mündet.

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§9 Verhalten im Verkehr