Der Läufer-Knigge

§7 Laufen in der Gruppe

Eine Laufgruppe ist ein vorzüglicher Test für die soziale Kompetenz jedes Einzelnen.

Allein zu laufen wird so manchem auf ­Dauer zu öde. Aber auch das Laufen in der Gruppe birgt so einige Tücken. Ein Klassiker: Erst verabreden, um dann kurz vorher ab­zusagen. Das wirkt sich besonders negativ aus, wenn die Gruppe nur aus zwei Läufern besteht. Und führt im Wiederholungsfall schnell zum Ende der Laufgemeinschaft.

Genauso oft wie ungern gesehen: Läufer, die ihren Mitstreitern durch ständiges Vorlaufen, Trippeln, Kreiseln, Zurücklaufen und erneutes Aufschließen unmissverständlich signalisieren, dass sie eigentlich viel ­lieber schneller laufen würden.

Und dann wäre da natürlich noch die „Gruppenbildung wider Willen“ – unhöflich könnte man es auch als „dreistes Dranhängen“ bezeichnen: Ein Läufer trabt gemächlich bis unmotiviert vor sich hin und träumt
von einem erfolgreichen Tempodauerlauf. Allein, es fehlt die nötige Motivation. Da kommt der schnelle Kollege von hinten gerade recht. „Dranhängen und ziehen lassen“ lautet jetzt das Motto, während der soeben ungewollt und ungefragt zum Zugläufer beförderte Unbekannte durch sein schnaufendes Anhängsel möglicherweise derart aus dem Rhythmus gerät, dass er sein eigenes Trainingsziel getrost vergessen kann.

Regel 1
Beim Laufen in einer Zweiergruppe wird neben­einander gelaufen. Der leistungsstärkere Läufer ist angehalten, für den Erhalt dieses
Zustands zu sorgen und seine Überlegenheit nicht dadurch unter
Beweis zu stellen, dass er dauernd einen halben Schritt vorausläuft.

Regel 2
Beim Gruppenlauf gilt generell:
• Im Idealfall wird aus Umweltschutzgründen der Start- und Zielpunkt von den betreffenden Läufern so gewählt, dass niemand mit dem Auto anfahren muss. Lässt sich die Anfahrt mit dem Auto nicht vermeiden, sind, soweit möglich, Fahrgemeinschaften zu bilden.
• Der Langsamste gibt das Tempo vor, es sei denn, die Gruppe teilt sich wiederum in unterschiedliche Leistungsgruppen auf. In diesem Fall dürfen leistungs­stärkere Läufer vor­laufen. Innerhalb jeder Untergruppe gilt jedoch wieder erst­genannter Grundsatz.
• Fühlt sich ein Läufer unterfordert und hat nicht die Möglichkeit, sich einer seinem Können entsprechenden Gruppe anzuschließen, sind
Extra-Etappen nach hinten – keinesfalls nach vorn – erlaubt. Wer wirklich so unterfordert ist, wie er glaubt, wird keine Schwierigkeiten haben, die entstandene Lücke ­wieder zuzulaufen.
• Des Weiteren gilt innerhalb der Gruppe: Vor und neben jedem Läufer ­sollte von allen aus Sicher­heits- und Höflichkeitsgründen ein Abstand von einem Meter eingehalten werden.
• Im Notfall gilt: Verletzt sich ein Läufer während der Trainingsrunde, hat sich sofort und unverzüglich mindestens ­einer der Mitläufer bereit zu erklären, den Verletzten auf kürzestem Weg zum Zielpunkt zu begleiten.
• Der Missbrauch von Mitläufern als Lasten-tier gilt als unsozial. Wer Energie­riegel, Trink­flaschen oder Kleidung mitnimmt, muss für
die Beförderung der genannten Utensilien selbst Sorge tragen.

Regel 3
Das Absagen der verabredeten Trainingsrunde ist, zumal dann, wenn es sich um eine besonders kurzfristige Absage handelt und/oder die Laufgruppe nur aus zwei Läu­fern besteht, nur dann entschuldbar, wenn
triftige Gründe wie beispielsweise Krankheit vorliegen. Bezüglich der Absagemodalitäten hat der Absagende zu gewährleisten, dass seine Botschaft den oder die anderen auch tatsächlich erreicht. Eine Absage per SMS, die bei dem oder den anderen unter Umständen nicht ankommt und eine lange Wartezeit der Nicht­informierten am verabredeten Treffpunkt zur Folge hat, ist ein unentschuldbarer Fauxpas.

Regel 4
Zu den Grundgesetzen der Gruppenbildung gehört: Ihre Gründung muss von allen Seiten freiwillig geschehen. Das Anhängen an einen unbekannten Läufer, der dieses Verhalten nicht offenkundig als akzeptabel bestätigt hat, etwa um sich von diesem zu einer besseren Trainingszeit verhelfen zu lassen, ist zu unterlassen.

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