Der Läufer-Knigge

§10 Wettkampf und Doping

Wettkampfsituationen sind eine besondere Herausforderung für das moralische Verhalten der Teilnehmer.

Ob Citylauf oder Massenveranstaltung Marathon: Ein Volkslauf ist die ideale Gelegenheit, sich seinen Platz im Läuferhimmel zu sichern. Denn hier können Sie beweisen, dass Sie die Regeln des guten Benehmens auch unter Wettkampfstress beherrschen.

Hemmungsloses Pinkeln in fremde Vor­gärten, das Einordnen in den schnellsten Marathon-Startblock als Fünf-Stunden-plus-Läufer, rücksichtsloses Abdrängen oder brutales Überholen von Kontrahenten oder gar Abkürzen werden Sie jedenfalls nicht näher zum Nirwana, sondern im Gegenteil eher in Richtung Fegefeuer bringen.

Und noch etwas gehört auch im Freizeit­bereich weder zu Wettkampf noch Training: Doping! Wer glaubt, er müsse sich mit ephedrin­haltigem Hustensaft, Aspirin oder Viagra über die Trainingsrunde oder die Wettkampfdistanz pushen, der hat den wahren Sinn des Laufsports nicht begriffen. Alle, die bei sich eine gewisse Affinität zu leistungssteigernden Pillen und Tropfen festgestellt haben, sollten einmal ganz in Ruhe mit sich selbst in Klausur ­gehen, um über die Begriffe Gesundheit und Fairness gegenüber anderen und vor allem dem eigenen Körper nachzudenken!


Regel 1
Das Verrichten der Notdurft sollte, soweit dies möglich ist, auf den in den allermeisten Fällen eigens zu diesem Zweck aufgestellten Mobiltoiletten verrichtet werden. Es stellt gegenüber den im Startbereich lebenden Anwohnern eine nicht tolerierbare Zumutung dar, wenn ganze Läuferscharen auf sorgsam gepflegte Grundstücke urinieren.

Regel 2
Das Einordnen im Startbereich erfolgt, inoffiziell oder offiziell, durch die Einteilung in Startblöcke nach Leistungsvermögen. Läufer, die sich trotz geringeren Leistungsvermögens in die vorderen Startbereiche drängen, stellen ein Hindernis für die anderen Läufer dar.

Regel 3
Ein abruptes Wechseln der Straßenseite oder ein unangekündigtes Stehenbleiben ohne ersichtlichen Grund bringt andere Läufer aus dem Tritt und führt schlimmstenfalls zur Kollision. Ein schneller Schulterblick vor dem Seiten- oder Tempowechsel ­sowie ein kurzes Handzeichen zur Ankündigung der geplanten ­Aktion sind hier die angemessenen Verhaltensweisen.

Regel 4
Das Überholen von Mitläufern gehört zum Wesen des Wettkampfs und ist daher eine normale Vorgehensweise. Anders verhält es sich beim Überholen auf der Zielgeraden. Hier ist eine grundlose Tempoverschärfung mit dem Ziel, auf den letzten Metern noch so viele Kontrahenten wie möglich zu überholen, als inakzeptabel zu werten. Das gilt umso mehr, je länger die davor zurückgelegte Distanz ist und wenn es sich bei den Überholten um Personen handelt, die den überholenden Läufer während der letzten Kilometer in Richtung Ziel gezogen haben. Ausnahmen: siehe §2, Regel 4.

Regel 5
Als völlig intolerabel und grob unsportlich ist es zu bewerten, wenn ein Läufer zur Erzielung ­einer besseren Platzierung die zu laufende Strecke eigen­mächtig verkürzt oder Teile mit Bus oder Bahn zurücklegt. Dies ist Betrug und lässt auf allgemeine charakterliche Defizite der betreffenden Person schließen.

Regel 6
Krank oder verletzt an den Start zu gehen ist zu vermeiden. Jeder Läufer ist dazu aufgerufen, in Training und Wettkampf auf seine körperliche Gesundheit zu achten. Ein Unterdrücken von Schmerz- und Krankheitssymptomen, zum Beispiel durch intensiv schmerzstillende Medikamente, gehört in den Bereich des sogenannten Freizeitdopings und stellt in Hobbyläufer­kreisen ein zunehmend größer werdendes Problem dar. Alle Läufer, die dieses äußerst fragwürdige Verhalten aktiv oder passiv unterstützen, gilt es, eines Besseren zu belehren.

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