246 Kilometer von Athen nach Sparta

Sensationssieg beim Spartathlon 2012

Der Spartathlon gilt als der härteste Ultralauf seit 30 Jahren. Stu Thoms gelang mit seinem Sieg eine Sensation.

Stu Thomas im Interview

Stu Thoms galt im Vorfeld nicht zu den Favoriten, konnte aber durch die Hitze profitieren.

Bild: Angelos Venetsanos

Sein Sieg beim Spartathlon 2012 ist eine Sensation. Die diesjährige Auflage des legendärsten Ultralaufs der Welt, über 246 Kilometer von Athen nach Sparta, galt Experten als die härteste seit 30 Jahren.

Herzlichen Glückwunsch zu diesem Sieg. Was sah Ihre Zielvorgabe vor dem Rennen aus?

Stu Thoms:
Bei so einem Rennen kannst du keine Platzierung planen, sondern nur eine Zeit aufgrund deiner aktuellen Leistungsfähigkeit anpeilen. Letztes Jahr war meine Zielvorstellung 27:30 Stunden, und ich bin in 27:40 angekommen. Dieses Jahr war die Zielvorgabe 26:30, und ich hab's in 26:28 geschafft.

Wann kam der Moment, als der Sieg greifbar schien?

Stu Thoms:
Ich war ja alles andere als der Topfavorit. Aber viele der Topleute mussten der Hitze Tribut zollen und aufgeben. Schon als es auf Kilometer 80 zuging, war es – anders als im Vorjahr – schon recht einsam um mich herum, obwohl ich bis dahin nur 10 Minuten schneller war. Bei Kilometer 160 bekam ich dann mit, dass ich nur noch 37 Minuten hinter dem Führenden zurücklag. Da kam zum ersten Mal das Gefühl auf: "Mensch, das könnte hier heute was ganz Schickes werden."

Gab’s einen toten Punkt zwischendrin?

Stu Thoms:
Merkwürdigerweise nicht. Es lief gut. Ich war froh, bei diesem legendären Lauf überhaupt dabei sein zu können, immer umsorgt von den vielen ehrenamtlichen Helfern, die mir auch Mut zusprachen und mich anfeuerten.

Was waren die schönsten Momente?

Stu Thoms:
Bei Vollmondlicht, ohne Stirnlampe, den Sangas-Pass hinaufzulaufen war grandios.

Und auf den letzten Kilometern?

Stu Thoms:
Es ist wirklich verrückt, was sich da auf den letzten drei Kilometern abspielt. Von allen Seiten kommen Kinder auf ihren Fahrrädern heran und versammeln sich hinter dem Begleitmotorrad. Überall Anfeuerungsrufe aus den Häusern und von den Leuten, die an der Strecke stehen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein etwa Hundertjähriger, der in einem Café am Straßenrand saß. Obwohl er sich kaum auf den Beinen halten konnte, stand er auf und applaudierte als ich vorbeikam.

Wie wurde das Spektakel in den griechischen Medien aufgenommen?

Stu Thoms:
Auf dem letzten Drittel der Strecke hast du eigentlich immer irgendwelche Fernseh- und Radioteams um dich herum. Und jede Menge Fotografen. In Deutschland unvorstellbar, dass ein Ultralauf so eine Medienpräsenz erreicht.

Ihr Name steht nun für immer an einem Denkmal in Marmor gemeißelt, neben denen von Berühmtheiten wie Scott Jurek und Yiannis Kouros.

Stu Thoms:
Ja, unfassbar. Vielleicht kann ich später noch mal damit angeben (lacht).

Rund 80 Prozent aller Starter konnten in diesem Jahr nicht finishen. Woran lag’s?

Stu Thoms:
Ich denke, der Hauptgrund war die extreme Hitze. Das Niveau der 350 Starter wird jedenfalls nicht sonderlich anders als in den Vorjahren gewesen sein. Mir schien allerdings, dass einige nicht richtig auf die Hitze reagiert haben. Verpflegungspunkte auszulassen und kein Wasser zu nehmen, ist unter diesen Bedingungen schon sehr verwegen.

Wie sah die Vorbereitung aus, gab es besondere Trainingsformen?

Stu Thoms:
In den intensivsten Wochen bin ich 250 Kilometer unterwegs gewesen. Gelegentlich laufe ich Triples an einem Wochenende mit 60, 80 und noch mal 80 Kilometern. Gute Erfahrungen habe ich mit über den Tag verteilt en Stundenläufen gemacht. Deutlich schneller als Ultralauf-Renntempo laufe ich eine Stunde in 4:30er Pace, mache dann eine Stunde Pause, laufe dann wieder eine Stunde in 4:30 und mache das Wechselspiel so weiter, bis ich vier Läufe zusammen habe.

Welche Ziele stehen für 2013 an?

Stu Thoms:
Also als Titelverteidiger muss ich mich im nächsten Jahr natürlich noch mal dem Spartathlon stellen. Ich finde, das gehört sich so. Und dann ist da noch die Weltmeisterschaft im 24-Stunden-Lauf, wo ich gerne hin will.

Interview: Klaus Dahlbeck