Sportlicher Nachrichtensprecher

Thorsten Schröder träumt von der Hawaii-Qualifikation

Nachrichtensprecher Thorsten Schröder absolvierte beim Ironman Frankfurt 2012 die Langdistanz. Im Gespräch mit Frank Hofmann spricht er über seine Triathlonpläne.

Thorsten Schröder

Tagesschau-Sprecher Thorsten Schröder.

Bild: NDR/Holde Schneider

Für viele ist eine Ironman-Teilnahme ja ein einmaliges Ziel im Leben. Sie haben es aber offenbar noch öfter vor.

Eigentlich sollte es tatsächlich bei dem einen Mal bleiben. Nach dem Ironman Frankfurt 2012 ging ich erst mal durch ein kleines Tal, in dem ich ganz froh war, überhaupt keinen Sport machen zu müssen. Aber dann überwog das Gefühl: Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht! Und ich dachte mir, wenn ich mich auf den nächsten vorbereite, startete ich ja auf einem viel höheren Level und könnte auch viel mehr erreichen als die 11:21 Stunden, die ich beim ersten Mal unterwegs war.

Zumal das Wetter auf der Radetappe ja miserabel war …

90 Kilometer im kalten Dauerregen! Meine Wetter-App, die ich natürlich danach sofort gelöscht habe, sagte für den Renntag nur ein paar kleine Schauer voraus. Deshalb hatte ich meine warmen Regensachen liegen gelassen und bin mit kurzem Shirt losgeradelt. Ich dachte, es wird schon aufhören mit dem kleinen Nieselregen. Aber es wurde immer schlimmer. Ich habe gefroren wie ein Schneider und musste mehrmals stoppen, um mich mit Armübungen und Sprüngen aufzuwärmen.

Sie wollen 2013 wieder in Frankfurt starten. Das Ziel ist die Hawaii-Qualifikation?

Ich träume davon. Im letzten Jahr hätte ich in meiner Altersklasse eine 9:50 erreichen müssen. Dafür müsste ich noch deutlich intensiver trainieren – und ich weiß nicht, ob das arbeitstechnisch möglich wäre. Es wird wohl ein Traum bleiben.

Meinen Sie, dass das Fernsehen mehr über solche Events berichten sollte?

Ich finde, dass das Fernsehen generell mehr über andere Sportarten als Fußball und Formel 1 berichten könnte. Und Triathlon findet in der Tat viel zu selten statt.

Sie fahren schon seit 15 Jahren bei Radrennen mit und liefen vor sieben Jahren den ersten Marathon. Mussten Sie das Schwimmen für den Triathlon lernen?

Ja. Kraulen konnte ich zwar schon immer. Aber kraulen ist nicht gleich kraulen. Besonders viel verdanke ich dem Trainer, der mich auf den Ironman vorbereitet hat. Der hat mir Übungen gezeigt, mit denen man ein besseres Wassergefühl bekommt – zum Beispiel das Maulwurfschwimmen, bei dem nur die Hände ohne die Arme für den Vortrieb sorgen. Seitdem ich besser verstanden habe, wie man „das Wasser greift“, macht mir Schwimmen riesig Spaß! Das Wasser ist mein Freund geworden – früher habe ich es gehasst.

Wie haben Sie den Winter über auf dem Rad trainiert?
Das ist ein Problem. Ich bevorzuge bergige Regionen, weil sie so abwechslungsreich sind. Am liebsten fahre ich im Sommer in den französischen Pyrenäen. Aber für den Ironman reicht ja ein Radurlaub nicht, dafür muss ich auch hier in Hamburg stundenlang am Deich fahren. Eine mentale Herausforderung! Schlimmer ist nur noch das Rollentraining im Wohnzimmer.

Waren Sie schon immer sportlich?

Ja, schon als kleiner Junge habe ich Fußball gespielt – Thorsten und der Ball, das gehörte immer zusammen. Als Jugendlicher musste ich an der Wirbelsäule operiert werden, da war es aus mit dem Fußball. Radfahren ging aber noch. Das wurde dann mein Hauptsport. Und als 1997 Jan Ullrich, damals noch des Dopings unverdächtig, die Tour gewann, wuchs die Begeisterung nochmals. Seit 1998 war ich bei jeder Cyclassics in Hamburg am Start.

Und wann war der erste Triathlon?

1998 überredete mich ein Kumpel, bei einem Sprintmarathon auf Föhr zu starten. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich immer mal wieder bei kleineren Triathlons mitgemacht habe. Die erste olympische Distanz stand für mich beim Hamburg-Triathlon 2002 an.

Was gab den Ausschlag für die Langdistanz?

Das war ein langgehegter Traum. Aber ich hielt das für mich für komplett unrealistisch und habe nicht geglaubt, dass die Menschen, die das machen, von diesem Planeten sind. Als mein Nachbar beim Ironman zweimal hintereinander scheiterte, fühlte ich mich in meiner Theorie bestätigt. Aber dann las ich 2011 das Posting eines Facebook-Freundes, der gerade in Kona beim Ironman war. Ich kannte ihn auch persönlich ein bisschen, war mit ihm sogar schon mal zusammen gelaufen – und dachte nun: Wenn der das kann, kannst du das vielleicht auch. Als ich einem Kollegen davon in der Kaffeepause erzählte, hat er mir sofort einen Startplatz in Frankfurt 2012 besorgt, obwohl der Wettkampf eigentlich schon ausgebucht war. Als dann meine Freundin auch noch einverstanden war, gab es für mich kein Zurück mehr.

Sieht Ihnen Ihre Freundin an, wenn Sie hart trainiert haben und Sie abends die Nachrichten lesen?

Bisher habe ich gar nicht Gefühl, hart trainiert zu haben. Allenfalls auf den Abdruck der Schwimmbrille muss ich achten. Ich versuche immer daran zu denken, nach jeder Einheit die Brille ein bisschen zu verrutschen. Im April letzten Jahres allerdings, zur heißen Phase meiner Vorbereitung, da sah ich total dürr aus. Einige fragten mich besorgt: Bist du krank? Nee, sagte ich, mir geht es so gut wie nie zuvor.

Nutzen Sie die langen Trainingseinheiten auch mental für irgendetwas?

Beim Radfahren habe ich vor allem damit zu tun, mich zu motivieren. Beim Laufen höre ich gerne die Zeitzeichen-Sendungen des WDR. Dafür habe ich mir extra drahtlose Kopfhörer gekauft. Manchmal komme ich auch ins Meditieren, dann fließen die Gedanken einfach so dahin. Und wenn es mir gerade nicht so viel Spaß macht, dann sehe ich die langen Einheiten als mentales Training an.

Die dauern doch nur 15 Minuten.

Ja, aber ich habe noch Hunderte davon, die werden ja jeden Tag gesendet. Außerdem höre ich gerne den Radio-Tatort und die NDR-Comedy-Serie „Frühstück bei Stefanie“. Die ist allerdings nicht ungefährlich: Ich musste dabei schon mal anhalten, weil ich mich fast totgelacht habe.

Haben Sie aus Ihrem Bekanntenkreis schon jemanden angefixt, ebenfalls einen Triathlon zu wagen?

Ja, meinen lieben Kollegen Ingo Zamperoni habe ich dazu animiert. Er macht ja schon olympische Distanzen und wird wohl im August beim 70.3 in Wiesbaden starten.

Was ist aus Ihrer Erfahrung der wichtigste Tipp für Ironman-Einsteiger?

Traut nicht der Wettervorhersage – stellt euch auf jede Witterung ein. Und: Vergesst die Regenerationstage nicht!