Umfrage

Schminken Sie sich?

An der Hamburger Alster befragte RUNNER'S WORLD Läuferinnen nach Schminke, Kleidung und Grußverhalten.

Umfrage Schminken beim Laufen

Daniel Eilers bei der RUNNER'S-WORLD-Umfrage in Hamburg.

Bild: Runner's World

Florence Griffith-Joyner ist ein Phänomen. Nicht nur, dass sich die unter schwierigen sozialen Verhältnissen aufgewachsene Sprinterin zur Olympiasiegern mauserte. Immer wieder erregte die Amerikanerin Aufsehen, indem sie geschminkt und mit auffallend langen Fingernägeln an den Startblöcken dieser Welt stand. Es ist nicht unüblich, dass sich Läuferinnen für ihre Trainingsrunden herrichten. Angesichts der Schwierigkeit körperliche Ästhetik mit körperlicher Leistung in Einklang zu bringen, fragt sich man(n) schon, warum es gerade Freizeitläuferinnen sind, die es „Flo-Jo“ gleich tun. RUNNER’S WORLD ist an der Alster und im Stadtpark in Hamburg auf Spurensuche gegangen. Das Ergebnis verblüfft.

Der Tenor war überraschender Weise einhellig: Schminken sei „unnütz“, „unpraktisch“ und vor allem „sinnlos“, hieß es. Eine Befragte antworte nicht frei von Selbstironie: „Ich sehe eh aus wie eine Tomate, da rettet das auch nichts mehr.“ Beim Laufen wird geschwitzt, das Gesicht errötet und wird von einem manchmal leidvollen Gesichtsausdruck begleitet. Sportliche Betätigung folgt nicht zwangsläufig den Gesetzen der Schönheit. Damit wirkt Schminke im Gesicht einer Läuferin auf den ersten Blick eher wie der Tropfen auf den heißen Stein, als überflüssiges Accessoire einer postmodernen Laufkultur. Aber vielleicht schminken sich Läuferinnen auch im Wissen, dass sie in dem Moment gerade nicht optimal aussähen.

Eine weitere Erklärungsmöglichkeit gab uns eine Läuferin im Stadtpark von Hamburg. Auf die Frage, ob sie sich schminke, gab die Dame zu Protokoll: „Je nachdem, mit wem ich laufe, schminke ich mich schon.“ Den überwiegenden Teil der Läuferinnen trafen wir alleine oder in Begleitung einer Freundin. Wer mit seiner Freundin laufen geht, der will nicht mit seinen Reizen kokettieren und um das männliche Geschlecht buhlen, der will laufen – und zwar mit der Freundin. Womöglich bestand bei vielen Frauen, die wir befragten, kein Anlass sich herzurichten. Hierzu passte auch die kesse Empfehlung einer Dame, nach der wir „im Hochsommer an die Alster kommen“ sollten. „Da wären mehr von denen, die sich schminken, die sind dann jünger. Im Winter und Frühjahr sieht man die hier nicht.“

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