Nicht mehr Mocki

Sabrina Mockenhaupt im Interview

Sabrina Mockenhaupt ist eine der Favoritinnen beim Berlin-Marathon. Hier verrät sie, wie sie sich auf das Rennen vorbereitete.

Sabrina Mockenhaupt

Sabrina Mockenhaupt nach ihrem Sieg über 21,1 km beim Köln-Marathon 2011.

Bild: Norbert Wilhelmi

RUNNER’S WORLD: Wer darf Sie eigentlich „Mocki“ nennen und wer nicht?
Sabrina Mockenhaupt: All meine Fans dürfen das. Aber ich würde es nicht gern von meinen Freunden hören. „Mocki“ gilt für alles, was mit Laufen zu tun hat, ­privat bin ich die Sabrina.

Sie werden in diesem Jahr 30. Mit ­welchen Gefühlen gehen Sie ins neue Lebens­jahrzehnt?
Ich merke schon seit dem Wintertraining, dass ich ernster, konzentrierter geworden bin und abends gern sagen möchte: Diesen Tag hast du gut genutzt. Ich bin jetzt in dem richtigen Laufalter und habe nicht mehr zehn Jahre Zeit. Ich trainiere planmäßiger und intensiver. Man kann mir nicht mehr nachsagen, dass ich unkonzentriert und verrückt bin. Und deshalb passt „Mocki“ eigent­lich auch gar nicht mehr zu mir.

Ihre Eltern sind beide begnadete Läufer. Sind Sie schon als Kind zum Laufsport gekommen?
Der Erste, der mein Lauftalent gesehen hat, war ein Lehrer in der Grundschule. Der hat mich und meinen Zwillingsbruder dann auch öfter laufen lassen. Aber ich bin das immer zu schnell angegangen und habe hinten­raus schwer gekeucht. Da haben die ­Leute gesagt, die Mockenhaupts quälen ihre Kinder, woraufhin meine Eltern mich erst mal nicht mehr zu Rennen mitgenommen haben. Im fünften Schuljahr auf der Realschule war es wieder ein sportverrückter Lehrer, der mein Talent gesehen hat. Der sagte dann einen Satz, den ich nie vergessen habe und an den ich mich auch erinnerte, als es in der neunten, zehnten Klasse um die Berufswahl ging: „Irgendwann bist du 30 und ärgerst dich, wenn du aus deinem Talent nichts gemacht hast.“

Aber Ihre Eltern blieben skeptisch?
Ja – bis meine Mutter eines Tages mal für eine Freundin einsprang, mit der ich regelmäßig gelaufen bin. Hinterher sagte sie: „So schnell bin ich schon lange nicht mehr gelaufen. Du musst mal mit ins Training kommen.“ Erst wollte ich das nicht, weil ich nur so für mich laufen wollte. Aber ich habe es dann doch probiert beim Heiner (Heinz ­Weber; d. Red.), der damals auch der Trainer meiner Mutter war. Das war im November 1996. 1997 habe ich meinen ersten Wettkampf gemacht: in Gotha bei den Deutschen Cross-Meisterschaften. Ich wurde Fünfte und bekam dafür 50 Mark. Das hat mir gefallen, denn von zu Hause ­haben wir immer wenig Geld bekommen. Ich habe dann die Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht, bin nebenher gelaufen – und hatte irgendwie immer Geld.

Welchen Teil des Lauftalents haben Sie vom Vater, welchen Teil von der Mutter?
Ich habe sehr viel Talent von der Mama bekommen, aber die Ungeduld habe ich vom Papa. Wenn mein Trainer mir sagt: eine Runde in 80 Sekunden, dann laufe ich 79. Ich bleibe immer lieber unter der Vorgabe – und so war mein Papa früher auch.

Sie sind bei der EM in Barcelona über 10.000 Meter ein tolles Rennen gelaufen – allein hinter der Spitzengruppe bei Wind und knapp 30 Grad. Haben Sie ein Gefühl dafür, wie viel Zeit diese widrigen Verhältnisse Sie gekostet haben?
Es hat mich schon einiges an Zeit gekostet, aber es war vom Rennverlauf her nichts mehr zu machen. Als ich gesehen habe, dass ich nicht mehr an die führende Gruppe herankommen kann, war für mich die Zeit nicht so wichtig. Es ist schwer, bei diesen Bedingungen allein zu laufen, aber ich bin mit der Leistung und dem sechsten Platz zufrieden.

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