Gesundheitsminister

Das Interview mit dem Läufer Philipp Rösler

Im großen Interview spricht Bundesgesundheitsminister Rösler über eine neue Vorsorge-Initiative und seine Laufroutine.

Gemessen an der Bedeutung, die die Gesundheit im Leben hat, müsste der Bundesgesundheitsminister eigentlich der wichtigste Mann im Kabinett sein.
Er steht zumindest sehr oft im Rampenlicht, weil seine Entscheidungen jeden Bürger potenziell betreffen. Ich erlebe es tagtäglich, auch im direkten Gespräch auf der Straße, wie sehr das Thema Gesundheit die Menschen bewegt.

Wir haben in Deutschland eines der besten Gesundheitssysteme weltweit. Dennoch hagelt es immer wieder Kritik. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Wir haben die beste Patientenversorgung auf der Welt. Davon bin ich überzeugt. Wer als Deutscher im Ausland krank wird, legt meist Wert darauf, schnell zurückzukehren. Und umgekehrt kommen viele Patienten aus dem Ausland zu uns, weil sie die Qualität der Behandlung hier schätzen. Trotzdem ist immer wieder auch Unzufriedenheit zu spüren. Das deutsche Gesundheitssystem ist sehr stark reglementiert und durchstrukturiert. Alles ist vorgegeben: Wer unter welchen Bedingungen welche Leistung bei wem erbringen darf – oder auch nicht. In dieser Zuspitzung hat das zu einer Planwirtschaft geführt, mit allen Nachteilen: viel Bürokratie, zu geringe Effizienz und damit auch viel Frustration. Das bestärkt mich darin, dass die Verhältnisse besser werden müssen.

Könnte es nicht auch daran liegen, dass die Finanzierung als ungerecht empfunden wird? Wir haben zum einen eine soziale Schieflage durch die Beitragsbemessungsgrenze, die höhere Einkommen schont, und durch das Ausscheren der privat Versicherten aus der Solidargemeinschaft.
Deswegen haben wir nicht nur den Ausgleich zwischen gesund und krank, sondern auch zwischen arm und reich weiter gestärkt – und zwar durch den steuerfinanzierten Sozialausgleich. Damit leisten auch die höheren Einkommen und die Privatversicherten einen Beitrag für die gesetzliche Krankenversicherung und zwar über Steuermittel.

Als ungerecht kann man auch ansehen, dass Menschen, die durch falsche Ernährung und mangelnde Bewegung anfälliger für Krankheiten sind, genauso viel Beitrag zahlen wie solche, die auf einen gesunden Lebensstil achten.
Wenn das Solidaritätsprinzip der Krankenversicherung heißt »gesund hilft krank«, dann muss das umfänglich gelten – ohne dabei die Frage zu stellen, warum jemand krank ist. Es sagt sich so leicht, dass man aus Gerechtigkeitsgründen das Verursacherprinzip einführen müsste. Aber keiner weiß, wie man das prüfen könnte. Außerdem gibt es viele Krankheiten, die sind schicksalsbedingt, da gibt es keine persönliche zuzuordnende Verursachung. Deshalb gehen wir den Weg, Anreize dafür zu bieten, sich gesund zu verhalten. Gesundes Verhalten ist zwar keine Garantie dafür, gesund zu bleiben. Aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit. Prävention zu fördern ist allemal besser als zu bestrafen.

Welche Möglichkeiten haben Sie da? Die Krankenkassen bieten zwar Bonusprogramme an, aber da könnte unserer Ansicht nach noch mehr passieren.
Mein Amt heißt bekanntlich Bundesminister für Gesundheit und nicht für Krankheit. Ich habe nicht nur für die Qualität und Bezahlbarkeit der Krankenbehandlung zu sorgen, sondern vor allem dafür, dass die Menschen möglichst lange gesund bleiben. Deshalb wollen wir eine Präventionsstrategie auf den Weg bringen, die auch die Menschen erreicht, die bisher keinen Gesundheitskurs, kein Bonusprogramm ihrer Krankenkasse in Anspruch nehmen. Denn die, die das tun, sind meist sowieso schon eher gesundheitsbewusst.

Wie soll das funktionieren?
In dem wir neue Wege gehen. Wir wollen den niedergelassenen Ärzten, aber auch Apotheken und Hebammen die Möglichkeit geben, mit ihrer fachlichen Autorität Menschen zu überzeugen. Gerade Haus- und Kinderärzte haben den Zugang zu allen Schichten der Bevölkerung – regelmäßiger als alle anderen – und sie haben gleichzeitig auch die notwendige Autorität, einem Bewusstseinswandel bewirken zu können. Ohne Bewusstseinswandel ist keine Verhaltensänderung zu erreichen. Das zweite Standbein der Prävention ist die so genannte Setting-Prävention in Kindertagesstätten, in Schulen, am Arbeitsplatz. Dabei haben wir besonders die betriebliche Gesundheitsförderung in mittelständischen Unternehmen im Blick, denn darüber werden die Menschen ebenfalls gezielt erreicht.

Weiterlesen

Seite 1 von 3
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Bewegung und Ernährung gehören zusammen

Ein Lauf mit ...:

Ein Lauf mit Usain Bolt