Zweifacher Hawaii-Sieger

Normann Stadler über seine Herz-OP

Nach einer Schwächeattacke im Trainingslager diagnostizieren Mediziner in Heidelberg ein acht Zentimeter großes Aneurysma an Normann Stadlers Herzen.

Sie sind durch die Eltern­ Hölle gegangen: zwei Kinder verloren, eins während der Schwangerschaft, eins nach der Geburt. Sie mussten Ih­rem zweijährigen Sohn er­ klären, dass Sie eine schwere OP vor sich haben – Ihre Frau war zu dieser Zeit schwanger. Wie hat das Ihre Sicht auf das Leben verändert?
Normann Stadler:
Es kam alles so schnell. Ich verarbeite jetzt mehr als davor. Als im Juni 2011 die Diagnose der Uniklinik Heidelberg vorlag und die offene Herz-OP mit ungewissem Ausgang bevorstand, blieben mir ja nur wenige Tage. Frau informieren, Testament machen, Patientenverfügung aufsetzen. Der Kleine hat viel mitbekommen, er hat die Stimmung regelrecht aufgesogen. Heute noch sagt er „Papa aua“, wenn er meine Narbe sieht oder wir auf einer meiner Laufrunden im Babyjogger an der Klinik vorbeikommen.

Laufen mit Babyjogger – das ist für Sie wohl auch neu?
Normann Stadler:
Ja, aber jetzt genieße ich es, mit Amand unterwegs zu sein. Ich sehe jetzt vieles, was ich vorher nie wahrgenommen habe – zum Beispiel, wie eine Schleuse funktioniert. Wir haben auch immer Brot für die Enten mit, halten öfters an.

Was war der Moment, an dem Sie nach der OP das erste Mal wieder befreit durchat­ men konnten?
Normann Stadler:
Das war der Moment, als ich aus der Narkose aufwachte und auf das Klicken einer künstlichen Herzklappe hörte. Aber da war nichts. Da wusste ich, ich habe Glück gehabt. Dann kam auch schon der Professor und sagte: „Herr Stadler, wir konnten alles reparieren. Jetzt ist alles wie neu.“

Und ab dann ging es kontinuierlich bergauf?
Normann Stadler:
Das dachte ich. Aber es war nicht so. Es kamen in den nächsten drei Monaten noch heftige Tiefschläge in Form von Herzrhythmusstörungen. Für die Ärzte ist dieses Vorhofflimmern postoperativ ganz normal, für mich war es das nicht. Bis September kam das immer mal wieder – Herzrasen, Atemnot, der Puls stieg bis auf 190. Da hast du den Eindruck, das Herz macht, was es will.

Die Ursache für Ihre lebensbedrohende Herzkrankheit liegt wahrscheinlich in Ihren Genen. Kann man aber sagen, dass es doch einen Zusammenhang mit dem Sport gibt, weil ohne Ihr Training das Aneurysma vielleicht zu spät entdeckt worden wäre?
Normann Stadler:
Ja, sicher. Wir haben familiär alle eine kleine Erweiterung der Herzgefäße. Durch die 20 Jahre lange Belastung auf hohem Niveau hat sich bei mir wahrscheinlich das acht Zentimeter lange Aneurysma ausgebildet, eventuell noch verstärkt durch einen Fahrradsturz auf Mallorca im Frühjahr 2011, bei dem ich auf den Brustkorb gefallen bin. Es wird jetzt erst mit Studien begonnen, was Ausdauersport auf diesem hohen Niveau und für lange Zeit eigentlich für das Herz bedeutet. Ich habe viele Mails von Sportlern bekommen, die ähnliche Probleme hatten oder haben.

Empfehlen Sie Freizeitsport­lern häufigere Check­ups?
Normann Stadler:
Ich wurde ja regelmäßig durchgecheckt – nur nicht per Ultraschall, nur mit EKG. Damit kann man ein Aneurysma aber nicht erkennen. Ich war nie krank, nie verletzt, es gab gar keinen Anlass für eine gründlichere Untersuchung. Das war ja das Erschreckende.

Zurück zum Triathlon. Ihre Langdistanz­bestzeit steht bei 8:03:43 Stunden (Roth 2009). Wo liegt die Grenze zum ambi­tionierten Freizeitsport?
Normann Stadler:
Jeder Ironman-Finisher ist ein ambitionierter Sportler. Ich denke, auf eine Zeit so um die 11:30 bis 12:00 Stunden kann man schon ganz besonders stolz sein. Dafür muss man aber viel tun – mindestens zehn Stunden pro Woche.

Welche Rolle spielen Training, mentale Einstellung und Ausrüstung für den Erfolg?
Normann Stadler:
Die meisten gehen mehr auf Ausrüstung, was ich gut verstehen kann. Ich fahre auch lieber ein Auto mit Alu- als mit Stahlfelgen. Genauso motiviert ein schönes Fahrrad mit teuren Zip-Felgen oder mit Scheibenrädern, ein tolles Outfit usw. Triathleten sind Trendsetter. Es gibt viele Freizeit-Triathleten, die haben teurere Räder als die Profis. Motto: Was teuer ist, ist auch gut. Im Ernst: Manch einer sollte mehr ins Training investieren. Ich habe auch mal gedacht, der Ironman geht schnell, und habe eins auf die Nase bekommen. Man muss sich Zeit lassen, darf nicht zu früh zu viel erwarten. Außerdem: Wer beim Fahrrad auf jedes Gramm achtet und sich mit 100 Kilo, sechs Trinkflaschen und Schlabberjacke draufsetzt, wird davon nichts merken.