München-Marathon 2012

Susanne Hahn und Debütant Jan Simon Hamann gewinnen München-Marathon 2012

Debütant Jan Simon Hamann und Susanne Hahn haben den 27. München-Marathon und damit die Deutschen Marathon-Meisterschaften 2012 gewonnen.

München-Marathon 2012 - Bilder vom Trachtenlauf
München-Marathon 2012

In London lief Susanne Hahn auf einer schweren Strecke gut, in München gewann sie - trotzdem schmiss der DLV die Marathonläuferin aus dem Top-Kader.

Bild: Norbert Wilhelmi

Jan Simon Hamann und Susanne Hahn sind die Sieger des 27. München-Marathon – und zugleich die Deutschen Marathonmeister des Jahres 2012. Während die Troisdorferin im Trikot des SV Schlau.com Saar 05 als erklärte Favoritin einen ungefährdeten Sieg in der neuen Streckenbestzeit von 2:32:13 Stunden schaffte, ist der Sieg des Bochumer Jan Simon Hamann eine echte Überraschung. Der 26-jährige Student für Philosophie und Literaturwissenschaften schaffte bei seinem Debüt auf der 42,195 km-Strecke den größtmöglichen Erfolg und zugleich mit 2:19:48 Stunden auf Anhieb auch den Sprung unter die ersehnte 2:20-Stunden-Grenze.

Eine Fotogalerie vom München-Marathon 2012 mit den schönsten Impressionen von Norbert Wilhelmi finden Sie direkt über diesem Absatz.

„Ich freue mich über diesen Titel, denn ich war zu oft bereits Vizemeisterin“, sagte Susanne Hahn, „auch wenn ich mir eine schnellere Endzeit vorgestellt habe.“ Mit 2:32:13 Stunden blieb die 34-Jährige zehn Wochen nach ihrem Start bei den Olympischen Spielen deutlich unter ihren eigenen Zielvorgaben von 2:29:30, die sie nach dem Rausschmiss aus dem mit Fördergeldern ausgestatteten Top-Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) wieder ins Gespräch gebracht hätte. „Ich habe schon nach 10 Kilometern feststellen müssen, dass diese Zeit für heute unrealistisch war.“ Aber Susanne Hahn konnte dennoch ein positives Fazit ihrer München-Reise ziehen: „Das Wetter war 1 A, ich bin nach 2008 wiederum Deutsche Marathonmeisterin geworden und noch dazu mit 2:32:13 neuen Streckenrekord gelaufen. Und das in einem fortgeschrittenen Alter.“ Und damit hatte die 34-Jährige die Lacher auf ihrer Seite. Allerdings war die Allroundläuferin mit einer ausgesprochenen Vorliebe für das Crosslaufen mit etwas Brass in das Meisterschaftsrennen gegangen. „Ich bin etwas demotiviert. Der DLV hat mich praktisch dafür bestraft, dass ich in London gelaufen bin. Wäre ich anstelle der Olympischen Spiele bei einem Frühjahrsmarathon eine 2:29er Zeit gelaufen, wäre ich weiterhin gefördert worden. Und wegen des Olympiastarts hat kein deutscher Veranstalter wie Köln oder Frankfurt an mir Interesse gehabt, mich zu verpflichten.“

Das Thema Marathon bei den im kommenden Jahr anstehenden Weltmeisterschaften in Moskau ist zum gegenwärtigen Stand für Susanne Hahn uninteressant. „Ich möchte mich gerne auf den Unterdistanzen weiter verbessern. Vielleicht schaffe ich sogar die WM-Norm über 10.000 Meter. Das käme mir natürlich auch für den Marathonlauf gelegen.“

Hinter der Deutschen Meisterin mussten die Zuschauer im zurück gebauten Olympiastadion (die 400 m-Kunststoffbahn ist einer Asphaltbahn für den Automobilsport gewichen) dreizehn Minuten warten, bis die Nächstplatzierten durch das Marathontor ins Stadion eingebogen waren. Mit Monika Heiß war dies eine überaus gestandene Marathonfrau, die bei ihrem zehnten Start bei einem DM-Marathon erstmals in die Medaillenränge laufen konnte. Die 38-jährige Lehrerin holte sich nach mehreren vierten Plätzen mit 2:45:14 Stunden die Silbermedaille vor der Titelverteidigerin Steffi Volke, die allerdings mit einem bei einem Sturz erlittenen Bänderriss mehr humpelnd das Ziel in 2:47:22 Stunden erreichte. „Ich muss mich als Zweite nicht verstecken, schließlich ist dies in einer Zweiklassen-Gesellschaft meine erste Medaille, noch dazu in meinem dreißigsten Marathonlauf überhaupt“, freute sich „Micki“ Heiß, die zudem noch mit ihren Teamkolleginnen der LG Telis Finanz Regensburg Deutscher Mannschaftsmeister wurde.

„Der Sieg kommt auf jeden Fall überraschend“, sagte Jan Simon Hamann, „schließlich waren genug Arrivierte wie Martin Beckmann, Sven Weyer, Tobias Sauter und Christian Seiler im Rennen. Aber man weiß ja nie …“ Interessanterweise initiierte der vor vier Wochen bei den 10 km-Meisterschaften in Nagold als Fünfter schon überraschende Bochumer einen ersten Vorstoß aus der neunköpfigen Spitze schon vor der Halbmarathonmarke. Alleine der Spergauer Sven Weyer zog mit, während andere wie Dennis Pyka oder Martin Beckmann im Nu den Kontakt verloren hatten. Der zum Favoritenkreis gehörende Tobias Sauter war schon nach 19 km aus dem Rennen gegangen, wenig später musste auch der siebenfache Rennsteiglaufsieger Christian Seiler abbrechen. Im Bereich des Ostbahnhofes (24 km) setzte sich allerdings Sven Weyer alleine an die Spitze und lag zeitweise 200 Meter vor seinem einzigen Verfolger („Ich musste hier ordentlich Tribut für meinen Überschwang zollen.“). Doch dieser ließ nicht locker – und hatte nach 32 km in der Maxvorstadt den Rückstand wettmachen können und startete seinerseits eine weitere Initiative. Und diese wurde belohnt mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

Verkleidet in bayrischer Landestracht liefen die Teilnehmer beim Trachtenlauf durch den Münchner Olympiapark.

Bild: Norbert Wilhelmi

Ist Jan Simon Hamann ein Mann für die Marathon-Zukunft? „Ich kann mir schon gut vorstellen, dass ich mich in der Spitze etablieren kann. Dazu ist aber ein Sprung in Richtung 2:15 nötig. Dass dieses machbar ist, das sieht man an Sören Kah“, glaubt Hamann an seine Chance. „Natürlich gibt es einige, die können noch schneller laufen als ich. Aber 2014 gibt es Europameisterschaften, das könnte doch etwas für mich sein.“ Der total erschöpfte Sven Weyer rettete mit 2:21:58 Stunden noch den zweiten Rang ins Ziel vor dem mächtig nach vorne stürmenden Benedikt Hoffmann (PTSV Jahn Freiburg), der vor Wochenfrist schon als Vizemeister im Berglauf überraschen konnte. Hinter dem Passauer Tobias Schreindl erreichte der Münchener Dennis Pyka, der Deutsche Meister 2010, Rang fünf in allerdings schon 2:23:30 Stunden.

Für die vielleicht beste Tagesleistung sorgte weitgehend unbeachtet Sören Kah, der Shootingstar der deutschen Marathonszene, auf der Halbmarathondistanz. Mit 1:04:43 Stunden gab es trotz Zickzackkurs durch die langsameren Marathonläufer eine vorzügliche Streckenbestzeit – und die Hoffnung auf ein starkes Marathon-Resultat in zwei Wochen beim BMW Frankfurt-Marathon. „Ich wollte unter 1:05 laufen, das ist mir gelungen, obwohl es nicht ganz einfach war durch das Marathonfeld. Der auf 13 Uhr terminierte Start war nicht optimal. Aber es ist dennoch eine starke Bestzeit geworden. Damit kann ich getrost eine 2:13 in Frankfurt anpeilen“, sieht sich der für die LG Lahn-Ahr-Esterau startende 30-Jährige bestens gerüstet.

Mit 18.187 Meldungen durfte Marathonchef Gernot Weigl mit der 27. Auflage des München-Marathons sehr zufrieden sein, schließlich lag man dabei nur knapp unter dem absoluten Teilnehmerrekord. „Mit 7.542 Anmeldungen im Marathon haben wir 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Da kann man als Veranstalter froh sein.“ Mit den Deutschen Marathonmeisterschaften im Rücken, die der DLV auch für die kommenden beiden Jahren nach München vergeben hat, weiß Weigl seinen Marathon auf einem guten Weg.

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Bildergalerie: Trachtenlauf beim München-Marathon 2012
Foto: Norbert Wilhelmi

Traditionsverbunden wie die Münchner sind, wurde der internationale Trachtenlauf in die Sportveranstaltung eingebunden. Nach dem Motto "Joggen in Dirndl, Lederhose'n, Kimono, Kilt oder Sari!" wurde die Wettkampftauglichkeit der bayerischen Landestracht noch einmal richtig gefordert. Um 10.30 Uhr machten sich bei tollen Wetterbedingungen alle Teilnehmer auf den 4 Kilometer langen Kurs durch den Münchner Olympiapark. Anschließend lud das Sport Café zum gemeinsamen Weißwurstfrühstück ein, wo Bier und Brezeln gereicht wurden.

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