Mockenhaupt wird Zweite in Darmstadt und verzichtet auf Cross-EM-Start, Schering überzeugt

Für hartgesottene Crossläufer macht erst Regen einen Parcours richtig kernig. Und genau das fanden die 1.100 Teilnehmer des Darmstadt-Cross, der damit am Sonntag bei der 22. Auflage einen Zulauf wie nie zuvor zu verzeichnen hatte, auf der ideal gelegenen Lichtwiese vor. Dauerregen hatte das tückische Wiesengelände am Fachbereich Architektur der TU Darmstadt noch schwieriger gemacht, als es ohnehin schon zu belaufen ist.

Das Auftreten der deutschen Crosselite war auf der früheren Flugwiese Darmstadts allerdings weniger für die anwesenden Lauftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ein Grund zum Abheben. „Ohne einige unserer Leistungsträger wird die Nominierung für die Cross-Europameisterschaften im Männer- und Frauenbereich sehr schwer“, gesteht Langstrecken-Bundestrainer Detlef Uhlemann ein, zumal durch die Premiere der Meisterschaften der unter 23-Jährigen weitere Mannschaften benannt werden sollen. „Bei den U 23-Junioren und Jugendlichen sieht es allerdings schon wieder anders aus, da haben wir heute zumeist kompakte Felder gesehen, die zu Hoffnungen Anlass geben!“

Obgleich die letztjährige Cross-Europameisterschafts-Zweite Sabrina Mockenhaupt gegen die Kenianerin Caroline Chepkwony eine starkes Rennen zeigte, wird die für den Kölner Verein für Marathon startende Siegerländerin diesmal dem europäischen Cross-Höhepunkt am 10. Dezember in San Giorgio fernbleiben. „Nach der vierteljährigen Verletzungspause im Frühjahr wird man nachdenklich. Meine Saison war nicht zuletzt durch den Halbmarathon beim Ford Köln-Marathon doch noch sehr lang, deshalb habe ich nach einer Trainingspause noch nicht den Leistungsstand des Vorjahres. Schließlich wird von mir als Vize-Europameisterin auch einiges erwartet, wenn ich am Start wäre!“ Sie warb im Ziel um Verständnis für ihren Startverzicht. „Ich war jedes Jahr dabei. Ich muss einfach vorsichtiger sein und mehr auf meinen Körper hören“. Das schwächt natürlich eine deutsche Frauenmannschaft für das europäische Cross-Championat. Zumal auch die deutsche Crossmeisterin Susanne Hahn in Darmstadt zwar den deutschen Hochschulmeistertitel über die 5.500 m-Distanz gewinnen konnte, aber als Fünfte überraschend gegen ihre Freundin Birte Bultmann eine Niederlage einstecken musste. Die Braunschweigerin hinterließ allerdings als Vierte hinter der Kenianerin Susan Kurui einen starken Eindruck.

Für eine starke U 23-Nationalmannschaft empfahlen sich mit der 3000-m-Hindernismeisterin Verena Dreier (8.) und der letztjährigen deutschen Cross-Jugendmeisterin Ingalena Heuck (9.) zwei junge Läuferinnen, die sich couragiert in Szene setzen konnten.

Während im Langstreckenrennen der Männer über 9.100 m die beiden Kenianer Elijah Keitany und Philiemon Kipchilat an der Spitze ein „eigenes Rennen“ liefen, entbrannte um Rang drei ein interessantes Duell. Hier hatte sehr zur Freude von Bundestrainer Uhlemann der Leipziger Michael Schering die Nase gegen den stark auftrumpfenden Schweizer Stephane Joly vorne. Im Kampf um Rang fünf setzte sich mit Oliver Mintzlaff ein alter Haudegen durch, der bereits seit vielen Jahren gerade im Cross stets zu starken Auftritten bereit ist. Als Fünfter kündigte der Freiburger trotz großer beruflicher Inanspruchnahme als Puma-Marketingmanager seine neuerlichen Ambitionen für einen EM-Start in San Girogio an. „Welche Alternativen hat der DLV denn, wenn man mich als Zweiter der offiziellen Europameisterschafts-Ausscheidungen nicht berücksichtigen will!“ Mit unnachahmlichem, kämpferischem Einsatz hatte der 31-jährige Mintzlaff auf der Zielgeraden den nicht minder überzeugenden Junioren-Crossmeister Steffen Uliczka geschlagen. Nur wenige Sekunden zurück kam auf Rang acht mit dem 20-jährigen Christian Glatting eine weitere Hoffnung für die U 23-EM-Mannschaft.

Spannend, weil auch mit großem Tempo unterwegs, die in Darmstadt eingeführten Cross-Sprints über 600 m, bei denen sich insgesamt 80 Starter angemeldet hatten. Indiz dafür, dass hier beim rührigen Organisator ASC Darmstadt offensichtlich eine Marktlücke entdeckt wurde. Und die Sieger sind zudem erste Wahl in Deutschland: Mit Katrin Trauth und Martin Conrad konnten sich die aktuellen deutschen Juniorenmeister über die 800 m durchsetzen.

Beigeisternde Rennen bestimmten die zahlenmäßig sehr stark besetzten Jugendwettbewerbe. „Der Aufwärtstrend im Cross ist bei den Jüngsten sichtbar“, freute sich U 16-Bundestrainer Uwe Mäde angesichts des Feuereifers, mit dem die 14- und 15jährigen beim DLV-Talente-Cross auf die 2.500 m lange Strecke gingen.
Wilfried Raatz