Mockenhaupt: Training statt Jagd nach WM-Norm

Es sind die Normen für die Weltmeisterschaften Ende August in Osaka, die Sabrina Mockenhaupt Probleme bereiten.

Es läuft nicht richtig für Sabrina Mockenhaupt (Köln-Marathon) in dieser Saison, obwohl sie international jetzt zum zweiten Mal binnen neun Tagen ein couragiertes 5.000-m-Rennen gezeigt hat. In Oslo war sie im Weltrekordlauf der Äthiopierin Meseret Defar Achte in 15:10,32 Minuten. Jetzt wurde sie beim Europacup in einem Hitzerennen Zweite in 15:23,96. Doch es sind die Normen für die Weltmeisterschaften Ende August in Osaka, die ihr dieses Jahr Probleme bereiten. Weder über 10.000 m noch über 5.000 m hat Sabrina Mockenhaupt den Richtwert erreicht.



Über 10.000 Meter jagte sie die Zeit sicherlich am falschen Ort, nachdem sie beim 10.000-m-Europacup aufgegeben hatte. In Zeulenroda wurde Sabrina Mockenhaupt dabei zwar Deutsche Meisterin, doch in dem windanfälligen Stadion machte ihr die Brise einen Strich durch die Rechnung. Nach 31:56,09 war sie im Ziel, gut 16 Sekunden über dem Richtwert. In Oslo war es dann wesentlich knapper. Über 5.000 m fehlten nur gut eineinhalb Sekunden zu den gefragten 15:08,70. Das war ärgerlich für die 26-Jährige, zumal eine Normjagd beim Europacup wohl wenig Erfolg versprechend gewesen wäre. Die DLV-Funktionäre hatten ihr zuvor zudem bedeutet, dass eine gute Platzierung in München Priorität haben sollte. Dieses Soll hat Sabrina Mockenhaupt erfüllt. „Ich denke, ich habe gute Werbung für mich gemacht. Jetzt werde ich abwarten, wie der DLV entscheidet.“



Da auch keine andere deutsche Läuferin die 10.000-m-Norm erreicht hat und Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) sich nun voll auf die Marathonvorbereitungen konzentriert, dürfte Sabrina Mockenhaupt über die B-Norm über 10.000 m nominiert werden. Ein 5.000-m-WM-Start ist für die Läuferin ohnehin kein Thema, diese Norm wäre nur eine Brücke gewesen für einen 10.000-m-Start. Denn mit Blick auf ihr Marathontraining für das Debüt in Köln im Oktober macht nur die 10.000-m-Strecke bei der WM Sinn. „Das passt mit dem Ausdauertraining für den Marathon zusammen“, sagt Sabrina Mockenhaupt.



Die Normjagd hat sie deswegen jetzt eingestellt. „Ich will nicht noch länger der Norm hinterher rennen. Stattdessen fahre ich morgen ins Trainingslager nach St. Moritz und werde dann noch einmal aus dem Training heraus bei den Deutschen Meisterschaften über 5.000 Meter laufen“, sagte Sabrina Mockenhaupt am Sonntag. Dann ist sie gespannt, ob sie der DLV mit nach Osaka nimmt oder nicht. In der Schweiz wird sie mit Marathonläuferin Ulrike Maisch (LAV Rostock), Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) und André Pollmächer (LAC Chemnitz) trainieren. „Darauf freue ich mich – und es gibt keinen Zickenkrieg zwischen mir und Irina, das ist Quatsch.“



Das Ziel für den Köln-Marathon am 7. Oktober ist inzwischen auch gesetzt: Sabrina Mockenhaupt möchte bei ihrem Debüt über die 42,195 km unter 2:31 Stunden laufen. Das ist nämlich die Norm für die Olympischen Spiele 2008. Für Peking möchte sie sich zumindest die Option Marathon offen halten. „Aber erst mal muss ich natürlich überhaupt erst einmal einen Marathon gelaufen sein.“ Das Zeitziel zu erreichen wird, wenn man davon ausgeht, dass Sabrina Mockenhaupt in Osaka 10.000 m laufen wird, angesichts der relativ kurzen Vorbereitungszeit gar nicht so einfach.



Doch noch schwerer wird es wohl, im nächsten Jahr die Qualifikation über 10.000 Meter zu schaffen. Hier wird die A-Norm, so erzählte Sabrina Mockenhaupt, auf 31:10 Minuten hochgeschraubt. „Ich glaube zwar, dass ich das laufen kann, aber da muss dann auch wirklich alles zusammen passen. Und so ein Rennen muss man erst einmal erwischen.“ Generell kritisierte es Sabrina Mockenhaupt, die Normen weiter zu verhärten. Diese Politik ließe sich, so die Läuferin, schwer vereinbaren mit einem konsequenten Anti-Doping-Kampf. Stattdessen forderte sie, auch jenen Läufern einen Startplatz zu geben, „die hier beim Europacup gut gelaufen sind, auch wenn sie nicht die Norm haben“.