London-Marathon 2014

Weltrekordler Kipsang siegt in 2:04:29, Debütant Mo Farah Achter

Weltrekordler Wilson Kipsang gewann den London-Marathon in 2:04:29 Stunden, seine Landsfrau Edna Kiplagat, die zweifache Weltmeisterin, triumphierte mit 2:20:21.

London-Marathon 2014

Wilson Kipsang gewann zum zweiten Mal in London.

Bild: photorun.net

Zwei Jahresweltbestzeiten und einen Streckenrekord gab es beim bestbesetzten Marathonrennen des Jahres: Weltrekordler Wilson Kipsang gewann den Virgin Money London-Marathon in 2:04:29 Stunden und stellte damit neben der Jahresbestzeit auch eine Kursbestzeit auf. Seine kenianische Landsfrau Edna Kiplagat, die zweifache Weltmeisterin, triumphierte mit 2:20:21 und erzielte ebenfalls die schnellste Zeit des Jahres. Für Kipsang war es bereits der zweite London-Sieg nach 2012. Er gewann letztlich klar vor seinem Landsmann Stanley Biwott (2:04:55). Damit blieben zum ersten Mal in London zwei Läufer unter 2:05 Stunden. Dritter wurde der Vorjahressieger Tsegaye Kebede (Äthiopien/2:06:30). Mit nur drei Sekunden Vorsprung entschied die Weltmeisterin Edna Kiplagat den Zweikampf gegen die nicht mit ihr verwandte Halbmarathon-Weltrekordlerin Florence Kiplagat (Kenia) für sich, die nach 2:20:24 im Ziel war. Dritte wurde die Debütantin Tirunesh Dibaba (Äthiopien), die starke 2:20:35 erreichte. Es war die drittschnellste Marathon-Premiere einer Frau.

Schneller als Dibaba waren bei ihren Debüts lediglich die Britin Paula Radcliffe mit 2:18:56 und die Äthiopierin Lucy Kabuu in 2:19:34. Nicht so gut wie erhofft lief dagegen das Debüt von Mo Farah: Der britische Doppel-Olympiasieger belegte Rang acht mit 2:08:21 und verfehlte sein Ziel, den britischen Rekord des Walisers Steve Jones zu brechen. Diese Marke steht seit 1985 bei 2:07:13 Stunden. Allerdings ist Farahs Zeit nicht schlecht für den Anfang. In Greenwich gingen am Sonntag bei sehr guten Wetterbedingungen rund 36.000 Läufer an den Start.

Haile Gebrselassie war für das Männerfeld als Tempomacher verpflichtet worden. Der äthiopische Superstar, der einst als erster Läufer unter 2:04 Stunden gerannt war (2:03:59 in Berlin 2008), sollte eigentlich bis zur 30-km-Marke für Weltrekordtempo sorgen, wenigstens aber bis zum Halbmarathon. Doch Gebrselassie war nach einer 10-km-Zwischenzeit von 29:11 bereits bei 15 km (44:06) überfordert und stieg aus. Der Kenianer Richard Sigei war der zweite Tempomacher, doch die folgenden Kilometer wurden langsamer. Nach 62:30 Minuten, das waren 45 Sekunden langsamer als geplant, war der Halbmarathonpunkt erreicht. Acht Läufer lagen zu diesem Zeitpunkt hinter dem Tempomacher, der noch bis 25 km (1:13:58) durchhielt, an der Spitze.

Am 30-km-Punkt bekam der bisherige Streckenrekordler Emmanuel Mutai (Kenia), der das Rennen 2011 in 2:04:40 gewonnen hatte, Schwierigkeiten. Als dann kurz danach Wilson Kipsang die Initiative ergriff, riss er damit die Gruppe auseinander. Überraschend war es Stanley Biwott, der vor zwei Jahren den Paris-Marathon in 2:05:12 gewonnen hatte, der dem Weltrekordler als einziger folgen konnte. Titelverteidiger Tsegaye Kebede (Äthiopien) war ebenso geschlagen wie Geoffrey Mutai (Kenia), der in Boston 2011 auf der nicht rekordkonformen Strecke mit 2:03:02 die schnellste Zeit aller Zeiten gelaufen war. Auch der Dubai-Sieger dieses Jahres, Tsegaye Mekonnen (Äthiopien), konnte nicht mithalten.

Bis zur 40-km-Marke dauerte das Duell zwischen Kipsang und Biwott. Dann konnte Kipsang trotz des hohen Tempos – den 5-km-Abschnitt zwischen 35 und 40 km waren die beiden in 14:38 gelaufen – noch einmal forcieren und Biwott war geschlagen.

Keine Rolle an der Spitze des Feldes spielte Mo Farah bei seinem Debüt. Er hatte sich von Beginn an in einer zweiten Gruppe einsortiert. An der Halbmarathonmarke lag Farah mit 63:08 Minuten als Zwölfter noch gut auf Kurs für den britischen Rekord und die europäische Bestmarke, die bei 2:06:36 steht. Doch jenseits der 30-km-Marke lief nicht mehr viel bei Farah. „Das war nicht mein Tag“, erklärte er.

„Ich habe eine gute Leistung gezeigt und mich gut gefühlt. Es war ein starkes Feld und dadurch ein taktisches Rennen, bei dem mein Plan funktioniert hat“, sagte Wilson Kipsang, der um ein Haar gar nicht am Start gewesen wäre. Als er in der letzten Woche in Kenia losfahren wollte, stellte der Weltrekordler fest, dass sein Auto aufgebrochen wurde und unter anderem sein Pass mit dem Visum gestohlen worden war. In kürzester Zeit gelang es mit Hilfe der Londoner Veranstalter für Ersatz zu sorgen. „Es ist ein tolles Gefühl, den London-Marathon erneut gewonnen zu haben. Ich hoffe, dass mir das nochmals gelingen wird“, sagte er.

Es war kein guter Tag für die beiden Olympiasieger im Rennen. Während Steven Kiprotich (Uganda) auf Rang zwölf ins Ziel kam, wurde die Äthiopierin Tiki Gelana Neunte. Schon vor der 10-km-Marke hatte sie den Kontakt zur Spitzengruppe verloren. Noch schlechter lief es für die Titelverteidigerin und Buchmacher-Favoritin Priscah Jeptoo (Kenia), die eigentlich eine Zeit von deutlich unter 2:20 Stunden angepeilt hatte. Bei der Halbmarathonmarke, die nach 69:15 Minuten erreicht wurde, lag sie noch in einer sechsköpfigen Spitzengruppe. Nach 25 km waren neben ihr lediglich die beiden Kiplagats und Dibaba im Rennen um den Sieg. Doch plötzlich stieg Jeptoo ohne erkennbaren Grund aus und ging aus dem Rennen.

Als Dibaba dann nach 30 km am Verpflegungsstand eine Flasche verpasste und abstoppte, um das Getränk zu bekommen, nutzten Edna und Florence Kiplagat die Gelegenheit, um die dreifache Olympiasiegerin hinter sich zu lassen. „Ich war enttäuscht, dass ich die Flasche fallen ließ. Aber ich bin froh, einen Podiumsplatz erreicht zu haben“, sagte Tirunesh Dibaba. „Im Sommer werde ich wieder auf der Bahn laufen, aber ich werde auch wieder Marathon laufen – denn ich möchte auch im Marathon gewinnen.“

Erst auf der Zielgeraden mit dem Buckingham Palast im Hintergrund fiel die Entscheidung zwischen den beiden Kiplagats. „Ich habe bei etwa 40 Kilometern versucht, mich von Florence zu lösen. Aber es klappte nicht“, sagte Edna Kiplagat, die dann schließlich 200 Meter vor dem Ziel den besseren Sprint hatte und mit drei Sekunden Vorsprung gewann. Für die 34-jährige Edna Kiplagat, die im vergangenen Jahr als erste Frau zum zweiten Mal in Folge Marathon-Weltmeisterin geworden war, war es eine späte Genugtuung. In London hatte sie in den letzten drei Jahren die Ränge drei, zwei und zwei belegt. Jetzt gelang ihr schließlich der Sieg.

Charity-Rekorde beim London-Marathon

Der London-Marathon ist bezüglich der Stärke seiner Elitefelder das bestbesetzte Rennen der Welt über die 42,195 km. Doch auch was das „Charity-Running“ – das Laufen für einen guten Zweck – angeht, ist die Veranstaltung beispiellos. Seit der ersten Auflage des London-Marathons 1981 haben die Teilnehmer über 663 Millionen Pfund (knapp 800 Millionen Euro) für gemeinnützige Zwecke gesammelt – ohne das heutige Rennen. Alleine bei der Veranstaltung im vergangenen Jahr kam die Rekordsumme von 53 Millionen Pfund (knapp 65 Millionen Euro) zusammen. In einer ähnlichen Größenordnung dürfte sich der Erlös auch in diesem Jahr bewegen. Der London-Marathon ist damit die größte Charity-Veranstaltung eines einzelnen Tages weltweit.

Die Ergebnisse beim London-Marathon 2014

Männer:
1. Wilson Kipsang KEN 2:04:29
2. Stanley Biwott KEN 2:04:55
3. Tsegaye Kebede ETH 2:06:30
4. Ayele Abshero ETH 2:06:31
5. Tsegaye Mekonnen ETH 2:08:06
6. Geoffrey Mutai KEN 2:08:18
7. Emmanuel Mutai KEN 2:08:19
8. Mo Farah GBR 2:08:21
9. Feyisa Lilesa ETH 2:08:26
10. Ryan Vail USA 2:10:57

Frauen:
1. Edna Kiplagat KEN 2:20:21
2. Florence Kiplagat KEN 2:20:24
3. Tirunesh Dibaba ETH 2:20:35
4. Feyse Tadese ETH 2:21:42
5. Aberu Kebede ETH 2:23:21
6. Jessica Augusto POR 2:24:25
7. Tetyana Gamera-Shmyrko UKR 2:25:30
8. Ana-Dulce Felix POR 2:26:46
9. Tiki Gelana ETH 2:26:58
10. Liudmyla Kovalenko UKR 2:31:31