Marathonspektakel

Weltelite zum New York-Marathon erwartet

Geoffrey und Emmanuel Mutai (Kenia) gehen beim größten Marathon der Welt als Favoriten an den Start.

02112011_New York Marathon

Über 45.000 Läufern haben sich einen der begehrten Startplätze in New York gesichert.

Bild: photorun.net

Eine Woche nach dem spitzensportlichen Marathon-Feuerwerk von Frankfurt, bei dem der Kenianer Wilson Kipsang mit 2:03:42 Stunden den Weltrekord um lediglich vier Sekunden verpasste und hinter ihm die Rekordzahl von 13 weiteren Athleten unter 2:10 blieben, wird in New York das Marathon-Spektakel schlechthin gestartet. Während aufgrund der welligen Strecke eher nicht mit absoluten Weltklassezeiten gerechnet werden kann, ist New York aus anderen Gründen für viele Läufer das Non-Plus-Ultra im Marathonlauf. Wer über die klassische Distanz läuft, will irgendwann auch die einmalige Atmosphäre des New York-Marathons erleben.

So viele Menschen wie bei keinem anderen Marathonrennen der Welt starten in New York. Im vergangenen Jahr verzeichneten die Veranstalter des New York Road Runners Club, die die Startnummern unter den Interessenten jedes Jahr verlosen, 45.103 Läufer im Ziel im Central Park. Damit hatte New York sich selbst überboten. Im Jahr zuvor hatte man 43.660 Finisher gezählt. Über 40.000 Läufer im Ziel, das gab es bisher bei keinem anderen Marathon weltweit. Rund zwei Millionen Zuschauer – so die offiziellen Schätzungen der Veranstalter – stehen jährlich an der Strecke.

Spitzensportlich ist das Rennen hochklassig besetzt. Bei den Männern stehen fünf Athleten mit Bestzeiten von unter 2:05:30 Stunden auf der Startliste. Der Schnellste unter ihnen lief im April den schnellsten Marathon aller Zeiten: Geoffrey Mutai (Kenia) rannte in Boston 2:03:02 Stunden. Allerdings erfüllt der insgesamt abfallende Punkt-zu-Punkt-Kurs nicht die für die Anerkennung von Rekorden nötigen Kriterien. Zudem profitierten die Läufer im April von einem Rückenwind. Man darf gespannt sein, welche Leistung Mutai nun auf der anspruchsvollen New Yorker Strecke bringen kann.

Sein schärfster Gegner im Rennen um die 130.000-Dollar-Prämie wird voraussichtlich ein Namensvetter sein: Emmanuel Mutai ist mit Geoffrey Mutai nicht verwandt. Er hatte im Frühjahr einen Tag vor dem Boston-Marathon das Rennen in London gewonnen und den dortigen Kursrekord auf 2:04:40 Stunden verbessert. Ebenfalls im Rennen um den prestigeträchtigen Sieg in New York werden zwei Läufer aus Äthiopien sein: Gebre Gebremariam startet als Vorjahressieger in Big Apple und würde im Falle eines erneuten Sieges von einer Sonderregelung der Veranstalter profitieren. Wer in New York zwei- oder mehrmals gewinnt, erhält zu der Siegprämie noch 70.000 Dollar extra. Gebre Gebremariam gewann vor einem Jahr in 2:08:14 im Central Park und steigerte sich dann mit Rang drei in Boston auf 2:04:53. Der zweite stark einzuschätzende Äthiopier ist Tsegaye Kebede, der 2010 den London-Marathon gewann und eine Bestzeit von 2:05:18 aufweist. Jaouad Gharib (Marokko) ist der fünfte Läufer mit einer Bestzeit von unter 2:05:30 (2:05:27).

Sein Debüt läuft auf der nicht leichten Strecke am Sonntag Matthew Kisorio. Der Kenianer gewann in diesem Frühjahr die 25 km in Berlin in hochklassigen 1:12:13 Stunden. Zuvor war er Vierter bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften. Außerdem ist der aktuelle Europameister von 2010 im Rennen: Der Schweizer Viktor Röthlin hofft auf eine gute Platzierung in New York, wo er im Vorjahr nach 25 km aufgegeben hatte.

Auch das Frauenfeld ist stark besetzt: Acht Läuferinnen mit Bestzeiten von unter 2:25 Stunden stehen auf der Startliste. Nach der Absage der Vorjahressiegerin und Weltmeisterin Edna Kiplagat (Kenia) geht ihre Landsfrau Mary Keitany als Favoritin an den Start. Die Halbmarathon- und 25-km-Weltrekordlerin war vor einem Jahr ihr Debüt in New York gelaufen. Damals blieb sie als Dritte in 2:29:01 noch klar unter ihren Möglichkeiten. In London zeigte sie im April dann ihr Potenzial: Mary Keitany gewann in 2:19:19 Stunden und gilt seitdem als eine der ganz großen Favoritinnen auf olympisches Gold 2012. Ihre stärkste Gegnerin könnte am Sonntag Caroline Kilel sein. Die Kenianerin gewann vor einem Jahr den Frankfurt-Marathon und triumphierte dann im April in Boston. Dabei steigerte sie sich auf 2:22:36 Stunden.