Alex Hutchinsons Lauflabor

Welches ist das ideale Marathon-Alter?

Sammy Wanjiru war bei seinem Olympia-Sieg 21 Jahre alt, Dennis Kimetto lief dieses Jahr Marathon-Weltrekord mit 30 Jahren. Welches ist nun das ideale Marathon-Alter?

Welches ist das ideale Marathon-Alter?

Dennis Kimetto war bei seinem Weltrekordlauf in Berlin 30 Jahre alt - ist das also das perfekte Marathon-Alter?

Bild: Norbert Wilhelmi

Sind Spitzenleistungen im Marathon eine Frage des Alters?

Bei den Olympischen Spielen 2008 gewann den Marathonlauf der Männer der junge, 21-jährige Sammy Wanjiru und bei den Frauen die 38 Jahre alte Constantina Tomescu-Dita. Dies löste einige Spekulationen über das ideale Alter für schnelle Marathonzeiten aus, welches in der Regel auf den Zeitraum von Ende Zwanzig bis Anfang Dreißig festgelegt wurde. Also waren diese Leistungen eher „Ausreißer“ oder gab es wirklich eine demographische Veränderung im Bereich der Marathonspitzenleistungen? Der Physiker und Lauf-Blogger Graydon Snider stellte dazu einige interessanten Daten in seinen Blog.

Das folgende Histogramm Graydons (Abbildung 1) zeigt die unter 2:11-h-Marathonzeiten weltweit, nach Alter geordnet, in den Zeiträumen von 1967 bis 2000 sowie 2001 bis 2014. Wie Sie sehen können, unterscheiden sich die Ergebnisse in beiden Zeiträumen kaum. Vor 2000 betrug das Durchschnittsalter 28,4 und danach 28,3 Jahre – also keine große Veränderung!

Abbildung 1 zeigt die Marathonzeiten unter 2:11 h nach Alter geordnet in den Zeiträumen 1967 bis 2000 sowie 2001 bis 2014. Abbildung 2 zeigt die Altersverteilung der Top-100-Marathonläufer von 1990 bis 2013.

Bild: runnersworld.com

Ältere Läufer sind bei Marathonzeiten unter 2:11 h nach 2000 häufiger vertreten

Graydon machte noch weitere, genauere Analysen, die darlegen, dass ältere Läufer in der Gruppe nach 2000 im Vergleich zur Gruppe vor 2000 etwas häufiger vertreten sind: Vielleicht, weil eine fortschreitende Professionalisierung, es den Läufern ermöglicht, länger in Form und im Laufgeschehen zu bleiben?. Auch die unter 2:30-h-Marathonzeiten im Frauenbereich haben sich in den zwei Zeitabschnitten nicht sehr viel verändert.

Also bedeutet dies, dass das so viel besprochene Phänomen der jungen Läufer, die den Marathon so gut meistern, nur eine Illusion ist? Nicht unbedingt. In meinen neuesten Untersuchungen über die Perspektive auf eine unter 2:00-h-Marathonzeit, habe ich Alterstendenzen der Top-100-Marathonläufer jedes Jahres, zurückgehend bis 1990, analysiert. Als ich mir das Altershistogramm Jahr für Jahr anschaute (Abbildung 2), war ein deutliches Muster nur schwer zu erkennen. Aber als ich das Durchschnittsalter der Top-100-Läufer betrachtete, fiel eine Veränderung auf.

Sammy Wanjirus Sieg nur ein Ausreißer?

Es sieht für mich so aus, als wäre der Sieg Sammy Wanjirus bei den Olympischen Spielen tatsächlich nur ein „Ausreißer“ gewesen, doch sein Vorbild hat vielleicht andere jüngere Läufer dazu angeregt, sich auch schon früher als gewöhnlich dem Marathonlauf zuzuwenden. Vor 2008 lag das Durchschnittsalter knapp unter 29; nach 2008 lag es unter 28. Dies ist eine ziemlich bedeutende Veränderung innerhalb einer kurzen Zeitspanne. Es wäre mal interessant, eine ähnliche Analyse auch im Frauenbereich zu machen, um festzustellen, ob der Olympia-Sieg von Dita 2008 eventuell einen Anstieg der Zahl älterer Marathonläuferinnen, die weiterhin im Wettkampf stehen, ausgelöst hat.

Welches ist das ideale Marathon-Alter?

Bild: runnersworld.com

Abbildung 3 zeigt die Altersverteilung bei Marathonzeiten unter 2:11 h in Bezug zu der Weltrekordzeit in diesen Altersgruppen.

Ein anderes interessantes Detail in Graydons Analyse ergab sich, wenn man die Altersgruppen-Weltrekorde mit seinen Histogrammdaten überlagert (Abbildung 3).

Interessant ist, wie flach die Weltrekordkurve im Alter von 18 bis 36 Jahren ist. Natürlich repräsentieren Altersgruppen-Weltrekorde die einzelnen Leistungen von besonders herausragenden Personen. Und doch, die flache Kurve weist darauf hin, dass die relativ geringe Anzahl von Marathonspitzenleistungen der jüngeren (z.B. 22 Jahre und jünger) und älteren (z.B. 33 Jahre und älter) Athleten genauso so viel mit niedrigeren Teilnehmerraten wie mit physiologischen Grenzen zu tun hat. Wir werden in fünf Jahren noch einmal zurückschauen, um zu sehen, wie sich diese Kurven seitdem weiterentwickelt haben ...

Dank an Graydon, der mir Einblicke in seine Arbeit gewährte, so dass ich seine gesamte Analyse überprüfen konnte.

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