8.506 Finisher

Warschau-Marathon auf der Überholspur

Der Warschau-Marathon bleibt auf der Überholspur. Mit 8.506 Finishern wurde zum neunten Mal in Folge ein neuer Teilnehmerrekord erzielt.

Warschau-Marathon 2013 - Die Fotos
Warschau-Marathon 2013 - Der Zieleinlauf
Warschau-Marathon 2013

Yared Shegumo siegte in 2:10:34 Stunden.

Bild: Mariusz Cieszewski

Dreh- und Angelpunkt des Marathons in der polnischen Hauptstadt Warschau ist seit dem letzten Jahr das Nationalstadion. Es wurde für die Fußball-Europameisterschaft 2012 völlig neu erbaut. Aber dieses beeindruckende Bauwerk als Fußball-Stadion zu bezeichnen wäre ein Etikettenschwindel, denn die beiden Erstligavereine aus Warschau haben beide ein eigenes Stadion. Das Nationalstadion wird nur wenige Male im Jahr als Fußballstadion genutzt, ansonsten ist es eine Arena für Events jeder Art, eben auch für den Warschau-Marathon. 2013 hatte das Organisationsteam des Laufes zudem das Riesenglück, dass das nationale Sportministerium die Stadionmiete komplett übernahm!

RUNNER'S WORLD-Redakteur Claus Dahms lief den Warschau-Marathon 2013 mit der Kamera. Seine Impressionen finden Sie in der Bildergalerie weiter unten. Emotionen pur spiegeln die Bilder vom spektakulären Zieleinlauf im Nationalstadion wider, die Sie über diesem Artikel finden. Weitere Bildergalerien zeigen Impressionen vom Marathon, das 5-km-Rennen und den Wettkampf der Handbiker.

Als Sieger lief ein in Äthiopien geborener Pole, Yared Shegumo, nach 2:10:34 Stunden ins Marathonziel vor einem in Eritrea geborenen Norweger, Weldu Negash Gebretsadik. Nur drei Sekunden lagen zwischen den beiden und nach weiteren zwei Sekunden folgte der Äthiopier Solomon Molla Tiumauy in 2:10:39 Stunden. Ein knapper Zieleinlauf also, der für viel Spannung auf den letzten Kilometern sorgte.

Die Veranstalter konnten nicht wirklich zufrieden mit diesen Zeiten sein. Nicht einer der Favoriten mit den Startnummern 1-6 platzierte sich unter den besten Acht. Unter den Geschlagenen war auch der große Star der Veranstaltung: Felix Kipchoge Limo. Der Kenianer, der Siege bei den Marathonrennen von London, Berlin, Rotterdam, Amsterdam und Chicago in seiner sportlichen Vita stehen hat, hatte im letzten Jahr seinen Rücktritt wegen Rückenproblemen bekannt gegeben. Doch als die verschwunden waren, begann er wieder zu trainieren und traute sich durchaus schon wieder zu, in Warschau vorne mitzumischen. Doch nach einer wegen Visa-Problemen reichlich chaotischen Anreise konnte er schon nach elf Kilometern nicht mehr mit der Spitze mithalten und erreichte nur Platz 10 in 2:23:08 Stunden.

Warschau-Marathon 2013 5 km - Die Fotos
Warschau-Marathon 2013 - Mitgelaufen

Emotionale Momente erlebten Läufer und Zuschauer vor allem beim Zieleinlauf im Nationalstadion der polnischen Hauptstadt.

Bild: Mariusz Cieszewski

Für einen neuen Streckenrekord sorgten dagegen die Frauen. Goitetom Haftu Teshema aus Äthiopien siegte in hochklassigen 2:29:32 Stunden vor ihrer Landsfrau Abeba Teklu Gebremeskel (2:30:18) und der Kenianerin Lydia Rutto (2:30:54). Auch in der Breite machten die Frauen mit 990 Läuferinnen im Ziel gegenüber den Vorjahren Boden gut.

Nach dem Start auf der breiten Poniatowski-Brücke führt die große Runde durch Polens Hauptstadt. Dabei sehen die Läufer die Marszałkowska, die berühmteste Straße der Stadt, sie laufen am Kulturpalast vorbei, durch die Altstadt und das Läuferparadies Łazienki Park. Viele touristisch interessante Sehenswürdigkeiten der zwei Millionen Einwohner zählenden Metropole werden dabei passiert.

Das Ziel selbst ist das größte Highlight: Das Einlaufen ins modernste polnische Stadion, das Nationalstadion, faszinierte wohl jeden Läufer. Darüber hinaus bietet das Stadion aber auch optimale logistische Voraussetzungen: Hier sind Marathonmesse und Startnummernausgabe untergebracht, in der Tiefgarage unter dem Stadion werden die Kleiderbeutel gelagert und Umkleidezelte aufgebaut. Besser und übersichtlicher geht es kaum, Staus gibt es auch in den Phasen des größten Andrangs nicht.

Organisatorisch klappte alles bestens – bis auf die kuriose Startaufstellung: Hier startete der Block mit den 3:30-Läufern noch hinter den auf einer anderen Fahrbahn startenden Fünf-Stunden-Läufern, was dann zu vielen und eigentlich unnötigen Überholmanövern im Mittelfeld führte.

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Bildergalerie: Warschau-Marathon 2013 - Die Handbiker
Foto: Warschau-Marathon

Warschau-Marathon

Bild: Warschau-Marathon

Marek Tronina, der Renn-Direktor von Warschau, im Gespräch mit der polnischen Lauflegende Wanda Panfil.

Der Warschau-Marathon kann auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurückschauen. Bei der Premiere 1979 überquerten gerade mal 1.800 Starter die Ziellinie. Um die Jahrtausendwende kamen dann finanzielle Schwierigkeiten dazu und die Teilnehmerzahlen fielen rapide.

Marek Tronina, der Renn-Direktor von Warschau, führt das Organisationsteam seit 12 Jahren und er hat den Marathon aus der Bedeutungslosigkeit herausgeführt. Trotz einer recht aktiven polnischen Marathonszene liefen auf dem Tiefpunkt 2002 gerade einmal 307 Läufer in Warschau ins Marathonziel, 2013 waren es 8.506! Marek ist selbst Marathonläufer, 2013 lief er den Jerusalem-Marathon. Sein Team hat er so organisiert, wie es bei vielen der großen internationalen Marathons üblich ist: Acht Festangestellte arbeiten das ganze Jahr über im Marathonbüro. Damit sie auch ausgelastet sind, werden im Frühjahr ein großer Halbmarathon sowie einige kleinere Rennen in der restlichen Zeit durchgeführt.

Nach dem Start des Marathons absolvierten weitere 3.157 Läufer die zusätzlich angebotene 5-km-Distanz.

Alle Sieger des Warschau-Marathons:

Jahr Männer Zeit (h) Frauen Zeit (h)
2013 Yared Shegumo (POL) 2:10:34 Goitetom Haftu Teshema (ETH) 2:29:32
2012 Mutua James Mbiti (KEN) 2:15:00 Agnieszka Ciolek (POL) 2:34:15
2011 Sammy Kibet Kipkorir (KEN) 2:08:17 Switlana Stanko (UKR) 2:31:28
2010 Tola Bane (ETH) 2:13:10 Tetjana Holowtschenko (UKR) 2:31:37
2009 Teshome Gelana (ETH) 2:12:03 Nastassja Padalinskaja (BLR) 2:44:55
2008 Alemayehu Shumye (ETH) 2:11:50 Małgorzata Sobańska (POL) 2:31:20
2007 Paweł Ochal (POL) 2:12:20 Walentyna Poltawska (UKR) 2:40:18
2006 Witalij Schafar (UKR) 2:12:29 Nina Podnebesnowa (RUS) 2:42:43
2005 Grzegorz Gajdus (POL) 2:14:50 Nina Koljassewa (RUS) 2:34:53
2004 Radosław Dudycz (POL) 2:17:21 Janina Malska (POL) 2:48:41
2003 Artur Pelo (POL) 2:20:41 Karina Szymańska 2:42:04
2002 Dmitrijs Sļesarenoks (LAT) 2:30:02 Marlena Żołnowska (POL) 3:36:19
2001 Bartosz Mazerski (POL) 2:24:45 Maria Bak (GER) 2:48:31
2000 Mirosław Plawgo (POL) 2:15:57 Ewa Fliegert (POL) 2:51:02
1999 David Ngetich (KEN) 2:16:31 Karina Szymańska 2:45:44
1998 Grzegorz Głogosz (POL) 2:17:06 Karina Szymańska 2:36:24
1997 Wiesław Lenda 2:25:39 Karina Szymańska (POL) 2:42:18
1996 Artur Ociepa (POL) 2:18:14 Alena Zuchlo 2:37:48
1995 Christo Stefanow (BUL) 2:15:37 Alena Zuchlo 2:37:21
1994 Wiesław Lenda 2:17:50 Alena Zuchlo (BLR) 2:42:36
1993 Julius Mtibani (TAN) 2:20:26 Polina Grigorenko (RUS) 2:55:25
1992 Jacek Kasprzyk (POL) 2:17:38 Aniela Nikiel (POL) 2:42:27
1991 Ryszard Misiewicz (POL) 2:19:50 Małgorzata Birbach (POL) 2:47:21
1990 Krzysztof Niedziółka (POL) 2:20:08 Ewa Olas (POL) 2:42:48
1989 Jerzy Skarżyński (POL) 2:22:19 Ewa Bober (POL) 3:01:14
1988 Paweł Tarasiuk (POL) 2:17:37 Stefania Kozik 2:55:34
1987 Wiesław Lenda (POL) 2:24:47 Renata Walendziak(-Pentlinowska) 2:38:24
1986 Józef Mitka (POL) 2:19:48 Maria Kawiorska (POL) 2:46:48
1985 Andrzej Malicki (POL) 2:20:29 Irina Hulanicka (POL) 2:46:21
1984 Mirosław Rudnik (POL) 2:25:15 Stefania Kozik (POL) 3:06:02
1983 Stanimir Nenow (BUL) 2:23:55 Irena Maliborska (POL) 2:59:38
1982 Zbigniew Pierzynka (POL) 2:24:09 Helena Kozioryńska (POL) 3:08:52
1981 Jerzy Finster (POL) 2:17:06 Cindy Wuss (USA) 2:51:22
1980 Jerzy Gros (POL) 2:22:12 Anna Bełtowska (POL) 3:05:14
1979 Kazimierz Pawlik (POL) 2:11:34 Renata Pentlinowska (POL) 2:51:38


Die Entwicklung der Finisherzahlen von 1979 bis 2013:

Jahr Gesamt Frauen Frauen in %
2013 8506 990 11,6
2012 6913 726 10,5
2011 4061 397 9,8
2010 3322 300 9,0
2009 3164 282 8,9
2008 2640 206 7,8
2007 2119 156 6,35
2006 1860 126 6,77
2005 1689 106 6,28
2004 937 52 5,55
2003 1063 49 4,61
2002 307 11 3,58
2001 564 25 4,43
2000 587 16 2,73
1999 693 25 3,61
1998 867 30 3,46
1997 700 18 2,57
1996 658 22 3,34
1995 779 19 2,4
1994 788 36 4,6
1993 520 15 2,8
1992 794 23 2,9
1991 852 29 3,4
1990 1129 35 3,1
1989 1222 37 3,03
1988 1596 44 2,76
1987 1398 31 2,3
1986 1501 29 1,93
1985 1607 36 2,24
1984 1914 44 2,29
1983 1919 47 2,45
1982 1727 41 2,37
1981 2015 47 2,33
1980 2289 70 3,1
1979 1861 59 3,2