Frühjahrsklassiker

Von Wien über Hamburg bis Düsseldorf

Der zweite Teil unserer Vorschau auf die großen Marathons im Frühjahr mit allen Zahlen, Daten und Favoriten.

Vorjahressiegerin Melanie Kraus

Melanie Kraus, hier bei ihrem Sieg in Frankfurt 2007, läuft als Titelverteidigerin in Düsseldorf.

Ein Novum veranstalten die Organisatoren des Wien-Marathons: Am 19. April wird das Spitzenfeld bei Männern und Frauen ausschließlich aus Debütanten bestehen. Im Mittelpunkt stehen dabei bei den Männern zwei ehemalige Hindernisläufer: Günther Weidlinger (Österreich) trifft auf den Olympiasieger von 2000, Reuben Kosgei (Kenia). Bei den Frauen gibt es Hoffnungen auf einen Heimsieg durch die im Berglauf erfolgreiche Andrea Mayr. Rahmenwettbewerbe hinzugerechnet, ist der Wien-Marathon mit rund 26.000 Teilnehmern voraussichtlich die größte Frühjahrs-Laufveranstaltung im deutschsprachigen Raum.

Keine goldenen Zeiten in Hamburg, Aufwärtstrend in Düsseldorf
Im vergangenen Sommer konnte der Hamburg-Marathon einen Erfolg vermelden: Der zweitgrößte deutsche Marathon war vom internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) hochgestuft worden in die prestigeträchtige Kategorie ,Gold Label Road Race’. In den letzten Jahren hatte der Hamburg-Marathon immer wieder hochklassige Ergebnisse produziert. Doch heute sieht es nicht nach goldenem Glanz aus in Hamburg, wenn das Rennen am 26. April gestartet wird. Ein anderes deutsches Rennen befindet sich dagegen im Aufwind: der Metro Marathon Düsseldorf am 3. Mai.

Titelsponsor Conergy hatte sich in Hamburg zurückgezogen. Ganz kurzfristig sprang ein regionaler Sponsor ein (Möbel Kraft). Dadurch könnten sich die Hamburger spitzensportlich in diesem Jahr noch halbwegs retten. „Auch wir spüren die Finanzkrise“, sagt Wolfram Götz, versichert aber umgehend: „Die Breitensportler werden davon nichts merken.“ Für sie wird der Hamburg-Marathon laufen wie immer. Obwohl auch hier ein deutlicher Abwärtstrend verzeichnet wird, der die Hamburger in der schweren Phase noch zusätzlich trifft. Verzeichnete man zuletzt gut 23.000 Meldungen, sind es in diesem Jahr rund 19.000.

Eine gute Nachricht in der Krise ist, dass der NDR an der Live-Übertragung des Rennens festhalten will. Über wen spitzensportlich dabei berichtet werden kann, steht allerdings noch nicht fest. Ulrike Maisch (LAV Rostock) wird in Hamburg starten. Hintergrund ist ein mehrjähriger Vertrag mit der Europameisterin. Hinzukommen könnte auch Wilfred Kigen (Kenia), der Sieger des Jahres 2007. Welche weiteren Topläufer in Hamburg-Marathon eventuell laufen und ob und in welcher Höhe es Preisgeld gibt – dazu konnte Race-Direktor Wolfram Götz keine Auskunft geben. „Ich lebe seit vier Monaten von einem Tag zum nächsten“, sagt der langjährige Race-Direktor, der 2008 noch ein Preisgeld von 230.000 Dollar verteilen konnte.

In derartigen Preisgeld-Regionen ist der Metro Marathon Düsseldorf noch nicht und auch breitensportlich bleibt das Rennen am Rhein ein paar Nummern kleiner als der Lauf an der Alster. Doch es gibt interessante Trends in Richtung Düsseldorf. Der Marathon hat sich spitzensportlich gut entwickelt und bereits 2008 wurde das Gros
der deutschen Topläuferinnen für das Rennen am Rhein verpflichtet. Früher war immer wieder Hamburg der Ort, an dem deutsche Läuferinnen sich für den Saisonhöhepunkt qualifizieren wollten. In diesem Jahr baut Düsseldorf in dieser Hinsicht seine Position sogar noch aus, denn auch im Männerfeld deutet sich eine interessante deutsche Konkurrenz an.

Mit 4.000 Meldungen über die Marathondistanz – Rahmenwettbewerbe
hinzugerechnet werden es gut 10.000 Läufer – rechnen die Düsseldorfer. Damit bleiben sie zumindest stabil im Vergleich zu 2008. Und die Finanzkrise scheint am Düsseldorfer Marathon vorbeizulaufen: „Wir haben in diesem Jahr Smart sowie den Versicherungskonzern Provinzial als neue Sponsoren gewinnen können. Und der Vertrag mit dem Metro-Konzern läuft noch bis einschließlich 2010“, sagt Race-Direktor Jan Winschermann.


Der Marathon-Monat im Überblick:

5. April: Rotterdam, Paris

18. April: Belgrad

19. April: Wien, Turin

20. April: Boston

26. April: London, Hamburg, Zürich, Madrid, Enschede

3. Mai: Düsseldorf

Zahlen, Zeiten, Stars: alle Infos zu den Marathons:

WIEN
IAAF Silver Label Road Race
Termin: 19. April
Vorauss. Teilnehmerzahl: rd. 7.000
Zielzahl 2008: 6.251
Vorauss. Zuschauerzahl: 300.000
Anmeldungen noch möglich: Ja
Internetseite: www.vienna-marathon.com

Siegprämie: 15.000 Euro
Gesamtpreisgeld (ohne Zeitprämien): 64.500 Euro

Vorjahressieger:
Abel Kirui (KEN) 2:07:38
Luminita Talpos (ROU) 2:26:43

Streckenrekorde:
2:07:38 Abel Kirui (KEN/2008)
2:23:47 Maura Viceconte (ITA/2000)

Favoriten:
Männer: Reuben Kosgei (KEN/3.000-m-Hindernis-Olympiasieger 2000) Debüt, William Chebor (KEN) Debüt, James Yatich (KEN) Debüt, Jonathan Maiyo (KEN) Debüt, Günther Weidlinger (AUT) Debüt.
Frauen: Andrea Mayr (AUT) Debüt, Esther Muthuku (KEN) Debüt, Tiruwork Mekonnen (ETH) Debüt.

DÜSSELDORF
Termin: 3. Mai
Vorauss. Teilnehmerzahl: 3.500
Zielzahl 2008: 2.756
Vorauss. Zuschauerzahl: 400.000
Anmeldungen noch möglich: Ja
Internetseite: www.metrogroup-marathon.de

Siegprämie: 7.000 Euro
Gesamtpreisgeld (ohne Zeitprämien): 35.750 Euro

Vorjahressieger:
Bellor Yator (KEN) 2:11:15
Melanie Kraus (GER) 2:33:36

Streckenrekorde:
2:09:47 Bellor Yator (KEN/2007)
2:26:44 Luminita Zaituc (GER/2004)

Favoriten und Bestzeiten:
Männer: Bellor Yator (KEN/Vorjahressieger, Kursrekordler) 2:09:48, Simon Kasimili (KEN), André Pollmächer (LAC Chemnitz) 2:14:18. Noch fraglich: Falk Cierpinski (SG Spergau) 2:13:30, Martin Beckmann (LG Leinfelden-Echterdingen) 2:14:30.
Frauen: Melanie Kraus (Bayer Leverkusen/Vorjahressiegerin) 2:27:58, Susanne Hahn (SV schlau.com Saarbrücken) 2:29:33, Claudia Dreher (LG Ihleläufer Burg) 2:27:55. Noch fraglich: Luminita Zaituc (LG Braunschweig/Kursrekordlerin) 2:26:01.

HAMBURG
IAAF Gold Label Road Race
Termin: 26. April
Vorauss. Teilnehmerzahl: 16.000
Zielzahl 2008: 15.772
Vorauss. Zuschauerzahl: 750.000
Anmeldungen noch möglich: Nein
Internetseite: www.marathon-hamburg.de

Siegprämie: noch offen
Gesamtpreisgeld (ohne Zeitprämien): noch offen

Vorjahressieger:
David Mandago (KEN) 2:07:23
Irina Timofeyeva (RUS) 2:24:14

Streckenrekorde:
2:06:52 Julio Rey (ESP/2006)
2:24:14 Irina Timofeyeva (RUS/2008)

Favoriten und Bestzeiten:
Männer: möglich: Wilfred Kigen (KEN) 2:07:33.
Frauen: Ulrike Maisch (LAV Rostock) 2:30:01
Weitere Topathleten fraglich bzw. nicht bekannt.

Teil 1 unserer Marathon-Vorschau mit den Marathonrennen in Rotterdam, London, Paris und Boston finden Sie hier.