Frühjahrsklassiker

Von Rotterdam über Boston bis London

In den kommenden vier Wochen finden zahlreiche hochkarätige Marathons statt, hier sind die aktuellen Infos dazu.

London Marathon

Irina Mikitenko tritt als Vorjahressiegerin in London an.

Die kommenden vier Wochen haben es in sich in Sachen Marathon: Zu keiner anderen Zeit des Jahres werden so kurz hintereinander derart viele der hochkarätigsten und größten Läufe über die klassische Distanz gestartet. Paris und Rotterdam machen am kommenden Sonntag den Anfang, die beiden World Marathon Majors (WMM)-Rennen Boston und London finden ebenso wie Wien und Hamburg an den zwei Wochenenden nach Ostern statt. Und schließlich folgt der aus deutscher Sicht interessante Düsseldorf-Marathon am 3. Mai. Über 150.000 Läufer, darunter viele der weltbesten Straßenläufer, werden in den nächsten Wochen bei den bedeutenden Frühjahrs-Marathonrennen am Start sein. Obwohl Hamburg in diesem Jahr Schwierigkeiten hat, gilt: das Interesse an den großen Rennen ist ungebrochen.

London, Paris, Boston, Rotterdam – diese Klassiker sind alle längst ausgebucht, es gibt seit Wochen beziehungsweise sogar Monaten keine Startplätze mehr. Bis zu einer Million Zuschauer werden an den einzelnen Strecken erwartet. Besonders bei den britischen und amerikanischen Rennen spielt das Charity-Running eine immer größere Rolle. Mehr und mehr Breitensportler nutzen ihre Leistung dazu, um Spenden für gemeinnützige Organisationen zu sammeln. Beim Boston-Marathon wurden 2008 alleine für die offiziell mit der Veranstaltung verbundenen ,Charities’ über elf Millionen Dollar gesammelt. In London kam zuletzt sogar etwa die vierfache Summe zusammen. Seit den 80er Jahren sammelten die Teilnehmer des London-Marathons rund 400 Millionen Pfund (rund 430 Millionen Euro) für den guten Zweck.

London mit dem hochklassigsten Feld
Führend sind die Londoner aber vor allem aus spitzensportlicher Sicht: Kein anderes Rennen der Welt schafft es mit entsprechenden Startgeldern ein derart hochklassiges Feld an den Start zu bringen. Zehn Läufer gelang es bisher, die 42,195 km in unter 2:06 Stunden zu rennen. Vier von ihnen treffen am 26. April in London aufeinander: Neben Vorjahressieger und Kursrekordler Martin Lel (2:05:15) sind dies Olympiasieger Sammy Wanjiru (beide Kenia), Abderrahim Goumri (Marokko) und Khalid Khannouchi (USA). Vier weitere London-Starter weisen Bestzeiten von unter 2:07 Stunden auf. Gespannt sein darf man auf das Debüt des Halbmarathon-Weltmeisters Zersenay Tadese (Eritrea).

Das Frauen-Feld ist kaum schwächer, obwohl Race-Direktor David Bedford zum zweiten Mal in Folge den verletzungsbedingten Ausfall von Weltrekordlerin Paula Radcliffe (Großbritannien/2:15:25) hinnehmen musste. Im Mittelpunkt steht dadurch Irina Mikitenko (TV Wattenscheid), die in London als Vorjahressiegerin an den Start geht. Damals gewann sie nach einem taktischen Rennen in 2:24:14 Stunden, in Berlin steigerte sie sich dann als erste Deutsche auf eine Zeit unter 2:20 Stunden (2:19:19). Zwei weitere Läuferinnen gehen mit Bestzeiten unter 2:20 an den Start: Die Weltmeisterin und Olympia-Zweite Catherine Ndereba (Kenia) ist mit 2:18:47 hinter Paula Radcliffe die zweitschnellste aller Zeiten, die Olympia-Dritte Zhou Chunxiu (China) lief bereits 2:19:51. Fünf Athletinnen kommen hinzu, die bisher unter 2:22 Stunden blieben. Darunter ist mit Constantina Dita (Rumänien) auch die Olympiasiegerin, so dass alle Medaillengewinnerinnen aus Peking in London laufen werden.

London und Boston sind die beiden Frühjahrsrennen, bei denen es um Punkte für die World Marathon Majors (WMM)-Serien geht. In der Wertung 2008-2009 führen dabei Sammy Wanjiru und Irina Mikitenko (Siegerin der Serie 2007-2008), die beide in London starten. Sollte der Deutschen ein erneuter Triumph in London gelingen, könnte dies schon vorentscheidend sein im Kampf um die 500.000-Dollar-Prämie in diesem Jahr.

Der Startschuss zum 113. Boston-Marathon fällt am 20. April.

In Boston, wo unter anderem der Sieger der WMM-Serie 2006-2007 Robert K. Cheruiyot I auf seinen Namensvetter Robert K. Cheruiyot II (Frankfurt-Marathonsieger 2008) treffen wird, hoffen die Amerikaner auf den ersten Heimsieg seit 1985: damals gewann Lisa Weidenbach. Der letzte Männersieg ist sogar noch zwei Jahre länger her – Greg Meyer gewann 1983. Am 20. April, dem traditionellen Montags-Termin, ruhen die Hoffnungen auf Ryan Hall. Der Amerikaner hatte sich im vergangenen Jahr in London auf 2:06:17 Stunden gesteigert. Man darf gespannt sein, wie er mit der schweren, welligen Strecke zurecht kommt, auf der Robert K. Cheruiyot I seinen fünften Sieg anstrebt. Bei den Frauen ist mit Kara Goucher ebenfalls eine aussichtsreiche Amerikanerin im Rennen.

Für Weltklasse-Ergebnisse bekannt ist auch der Rotterdam-Marathon. Auf der schnellen Strecke wurden vor der Jahrtausendwende dreimal Weltrekorde aufgestellt. Der Vorjahressieger William Kipsang (Kenia), der 2008 mit einem Kursrekord von 2:05:49 Stunden gewann, trifft am kommenden Sonntag unter anderen auf den aufstrebenden Sieger des Mailand-Marathons 2008, Duncan Kibet (Kenia), sowie auf einen perspektivenreichen Debütanten: Patrick Makau Musyoki (Kenia) ist der zweitschnellste Halbmarathonläufer aller Zeiten (58:52 Minuten).

Zahlen, Zeiten, Stars: Alle wichtigen Informationen zu den Marathons:

LONDON
World Marathon Majors (WMM)-Rennen,
IAAF Gold Label Road Race
Termin: 26. April
Vorauss. Teilnehmerzahl: 37.000
Zielzahl 2008: 34.602
Vorauss. Zuschauerzahl: eine Million
Anmeldungen noch möglich: Nein
Internetseite: www.london-marathon.co.uk

Siegprämie: 65.000 Dollar
Gesamtpreisgeld (ohne Zeitprämien): 295.000 Dollar

Vorjahressieger:
Martin Lel (KEN) 2:05:15
Irina Mikitenko (GER) 2:24:14

Streckenrekorde:
2:05:15 Martin Lel (KEN/2008)
2:15:25 Paula Radcliffe (GRB/WR/2003)

Favoriten und Bestzeiten
Männer: Martin Lel (KEN/Vorjahressieger, Kursrekordler) 2:05:15, Sammy Wanjiru (KEN/Olympiasieger) 2:05:25, Abderrahim Goumri (MAR) 2:05:30, Khalid Khannouchi (USA) 2:05:36, Felix Limo (KEN) 2:06:14, Emmanuel Mutai (KEN) 2:06:15, Tsegaye Kebede (ETH) 2:06:40, Hendrick Ramaala (RSA) 2:06:55, Jaouad Gharib (MAR) 2:07:02, Yonas Kifle (ERI) 2:07:34, Tessema Abshiro (ETH) 2:08:26,
Dathan Ritzenhein (USA) 2:11:06, Zersenay Tadese (ERI/Halbmarathon-Weltmeister) Debüt
Frauen: Irina Mikitenko (TV Wattenscheid/Titelverteidigerin) 2:19:19, Catherine Ndereba (KEN/Weltmeisterin) 2:18:47, Zhou Chunxiu (CHN) 2:19:51, Berhane Adere (ETH) 2:20:42, Lyudmila Petrova (RUS) 2:21:29, Constantina Dita (ROU) 2:21:30, Svetlana Zakharova (RUS) 2:21:31, Gete Wami (ETH) 2:21:34, Mara Yamauchi (GBR) 2:25:03, Martha Komu (KEN) 2:25:33, Inga Abitova (RUS) 2:33:55,
Kate O’Neill (USA) 2:34:04

BOSTON
World Marathon Majors (WMM)-Rennen,
IAAF Gold Label Road Race
Termin: 20. April
Vorauss. Teilnehmerzahl: 22.500
Zielzahl 2008: 21.948
Vorauss. Zuschauerzahl: 500.000
Anmeldungen noch möglich: Nein
Internetseite: www.baa.org

Siegprämie: 150.000 Dollar
Gesamtpreisgeld (ohne Zeitprämien): 796.000 Dollar

Vorjahressieger:
Robert K- Cheruiyot (KEN) 2:07:46
Dire Tune (ETH) 2:25:25

Streckenrekorde:
2:07:14 Robert K. Cheruiyot (KEN/2006)
2:20:43 Margaret Okayo (KEN/2002)

Favoriten und Bestzeiten
Männer: Ryan Hall (USA) 2:06:17, Evans Cheruiyot (KEN) 2:06:25, Deriba Merga (ETH) 2:06:38, Daniel Rono (KEN) 2:06:58, Benjamin Limo (KEN) 2:07:09, Robert Kipkoech Cheruiyot (KEN/Vorjahressieger, Kursrekordler) 2:07:14, Robert Kiprono Cheruiyot (KEN) 2:07:21, Gudisa Shentema (ETH) 2:07:34, Gashaw Asfaw (ETH) 2:08:03, Stephen Kiogora (KEN) 2:08:24, Solomon Molla (ETH) 2:08:46, Timothy Cherigat (KEN) 2:09:34, Lee Troop (AUS) 2:09:49, Brian Sell (USA) 2:10:47.
Frauen: Galina Bogolomova (RUS) 2:20:47, Bezunesh Bekele (ETH) 2:23:09, Salina Kosgei (KEN) 2:23:22, Dire Tune (ETH/Vorjahressiegerin) 2:24:40, Helena Kirop (KEN) 2:25:01, Lidiya Grigoryeva (RUS) 2:25:10, Atsede Habtamu (ETH) 2:25:17, Kara Goucher (USA) 2:25:53, Alice Timbilili (KEN) 2.26:45, Elva Dryer (USA) 2:31:48.

ROTTERDAM
IAAF Silver Label Road Race
Termin: 5. April
Vorauss. Teilnehmerzahl: rd. 9.000
Zielzahl 2008: 6.903
Vorauss. Zuschauerzahl: 900.000
Anmeldungen noch möglich: Nein
Internetseite: www.fortismarathonrotterdam.nl

Siegprämie und Gesamtpreisgelder: Höhe abhängig von Leistungen (Veranstalter veröffentlicht keine Zahlen)

Vorjahressieger:
William Kipsang (KEN) 2:05:49
Lyubov Morgunova (RUS) 2:25:12

Streckenrekorde:
2:05:49 William Kipsang (KEN/2008)
2:21:47 Tegla Loroupe (KEN/1998)

Favoriten und Bestzeiten:
Männer: William Kipsang (KEN/Vorjahressieger, Kursrekordler) 2:05:49, Abel Kirui (KEN) 2:06:43, Richard Limo (KEN) 2:06:45, Duncan Kibet (KEN) 2:07:53, Jackson Kipkoech (KEN) 2:08:07, Lahouchine Mrikik (MAR) 2:08:20, Hillary Kimaiyo (KEN) 2:09:54, Luc Krotwaar (NED) 2:10:13, Patrick Makau Musyoki (KEN) Debüt.
Frauen: Lydia Cheromei (KEN) 2:25:57, Adriana Pirtea (ROU) 2:28:52, Nailya Yulamanova (RUS) 2:30:17.

PARIS
IAAF Gold Label Road Race
Termin: 5. April
Vorauss. Teilnehmerzahl: 32.000
Zielzahl 2008: 28.883
Vorauss. Zuschauerzahl: nicht bekannt
Anmeldungen noch möglich: Nein
Internetseite: www.parismarathon.com

Siegprämie: 50.000 Euro
Gesamtpreisgeld (ohne Zeitprämien): 268.500 Euro (zeitabhängig)

Vorjahressieger:
Tsegaye Kebede (ETH) 2:06:40
Martha Komu (KEN) 2:25:33

Streckenrekorde:
2:06:33 Mike Rotich (KEN/2003)
2:23:05 Marleen Renders (BEL/2002)

Favoriten und Bestzeiten:
Männer: Driss El Himer (FRA) 2:06:48, David Mandago (KEN) 2:07:23, Boniface Usisivu (KEN) 2:07:50, David Kiyeng (KEN) 2:07:53, Shadrack Kiplagat (KEN) 2:07:53, Philip Singoei (KEN) 2:07:57, John Komen (KEN) 2:08:06, Vincent Kipruto (KEN) 2:08:16, Eshetu Wondimu (ETH) 2:08:41, Abraham Chelanga (KEN) 2:08:56, Jonathan Kipkorir (KEN) 2:09:22, Simin Munyutu (FRA) 2:09:22, Leonard Mucheru (KEN) 2:09:37, Alex Kirui (KEN) 2:09:37, Francis Kibiwott (KEN) Debüt, Dieudonne Disi (RWA) Debüt, Raji Assefa (ETH) Debüt.
Frauen: Worknesh Tola (ETH) 2:25:37, Julia Muraga (KEN) 2:26:00, Eyerusalem Kuma (ETH) 2:26:51, Natalya Volgina (RUS) 2:27:32, Christelle Daunay (FRA) 2:28:22, Atsede Bayisa (ETH) 2:29:08, Aselefech Mergia (ETH) Debüt, Azalech Maresha (ETH) Debüt.

Teil 2 unserer Marathon-Vorschau mit allen Infos zu den Marathonläufen von Wien über Hamburg bis Düsseldorf finden Sie morgen an dieser Stelle.