Von 1909 bis heute

Vom Polytechnic- zum London-Marathon

Die Londoner Universität richtete 1909 den Vorgänger des London-Marathons erstmalig aus.

Leichtathletik Stadion Olympia London 2012

Das Olympia-Stadion 2012.

Bild: London 2012

Schon ein Jahr nach dem ersten olympischen Marathon in London hatte sich in der Stadt ein hochklassiges Rennen über die 42,195 km etabliert: der Polytechnic-Marathon. „The Polytechnic“ war die Londoner Universität, die heute „University of Westminster“ heißt. Sie hatte einen Leichtathletik-Klub (Polytechnic Harriers), der mit der Organisation des olympischen Marathons 1908 beauftragt worden war. Aufgrund des enormen Zuschauerinteresses am Olympiarennen lobte daraufhin die Sportzeitung „The Sporting Life“ eine attraktive Trophäe für einen jährlichen Marathon aus und bat die Polytechnic Harriers, ein solches Rennen zu organisieren.

Am 26. Mai 1909 hatte der Polytechnic-Marathon seine Premiere. Das Rennen fand im ersten Jahr auf der olympischen Marathonstrecke von 1908 statt. Der Brite Henry Barrett gewann in 2:42:31 Stunden und war damit deutlich schneller als der Olympiasieger John Hayes im Jahr zuvor. Die Strecke des Polytechnic-Marathons variierte in den folgenden Jahren ein paar Mal.

Auf der Strecke des Rennens lief am 3. Oktober 1926 die Britin Violet Percy in einem Sololauf 3:40:22 Stunden. Obwohl Frauen-Langstreckenläufe noch lange nicht zum Programm der olympischen Wettbewerbe zählten, ist es jene Zeit von Violet Percy, die die IAAF als erste Marathon-Weltbestzeit einer Frau listet.

Ab 1938 befand sich das Ziel im neuen Stadion der Polytechnic Harriers in Chiswick, einem Bezirk im Westteil Londons. Es war dort, wo die Zuschauer zwischen 1952 und 1965 sechs Weltrekorde sahen. Dreimal in Folge stellte der Brite James Peters eine Bestmarke auf. 1953 blieb er dabei als erster Marathonläufer unter 2:20 Stunden (2:18:40). 1965 gewann der Japaner Morio Shigematsu mit 2:12:00. Das war die achte und letzte Weltbestzeit in der Geschichte des Polytechnic-Marathons – kein anderes Rennen hat bis heute mehr.

Verkehrsprobleme machten es ab etwa 1970 zunehmend schwerer für die Veranstalter des Polytechnic-Marathons. Zudem, so schreibt der letzte Race-Direktor Ian Ridpath in einem historischen Überblick zu der Veranstaltung, konnten sie später nicht konkurrieren mit den aufstrebenden City-Marathonrennen, die als Massenläufe konzipiert waren und zudem den Topathleten teilweise hohe Start- und Preisgelder boten. Die 78. Auflage des Polytechnic-Marathons war 1996 die letzte dieses außerordentlichen Rennens.

Längst hatte sich zu dieser Zeit der London-Marathon als einer der weltweit führenden Straßenläufe etabliert. Die Premiere fand am 29. März 1981 statt. Mehr als 20.000 Läufer wollten teilnehmen, 7.747 wurden zugelassen. Inzwischen ist der London-Marathon auf über 35.000 Starter und Finisher gewachsen. Über 170.000 Läufer bewarben sich um eine Startnummer für die vergangene Auflage im April. Ein Losverfahren entscheidet, wer teilnehmen darf. So erfolgreich wie nirgendwo anders ist das Charity-Running in der britischen Metropole. Seit der Premiere 1981 sammelten Läufer des London-Marathons rund 700 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke! Der London-Marathon wird durch die BBC mittlerweile in mehr als 150 Länder rund um die Welt übertragen; über sechs Millionen TV-Zuschauer verfolgten die Live-Übertragung zuletzt alleine in Großbritannien. Etwa eine Million Zuschauer säumen jedes Jahr die Strecke mit Start in Greenwich und Ziel am Buckingham Palast. Spitzensportlich ist der London-Marathon das seit Jahren bestbesetzte City-Rennen des Jahres. Viermal wurden in der Geschichte der Veranstaltung bisher Weltrekorde gebrochen. Am 13. April 2003 lief die Britin Paula Radcliffe in London 2:15:25 Stunden – eine Zeit, die bis heute unerreicht ist.

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