Chicago Marathon 2010

Tolles Duell im Männerrennen

Chicago Marathon 2010

Während Kebede und Wanjiru an der Spitze das Rennen bestimmten, fiel hinter ihnen ein Mitfavorit nach dem anderen zurück. Nach rund 28 km war Robert Kiprono Cheruiyot, der im April mit einem Kursrekord beim Boston-Marathon gewonnen hatte, geschlagen. Kurz nach der 30-km-Marke (1:29:36 Stunden) konnte Deriba Merga nicht mehr mithalten. Hinter den beiden jeweils 23 Jahre alten Kebede und Wanjiru lief nun nur noch der noch drei Jahre jüngere Feyisa Lilesa. Vier Kilometer vor dem Ziel begann auch der äthiopische Youngster den Kontakt zu verlieren, denn vorne machte Tsegaye Kebede immer wieder Tempo. Auch Sammy Wanjiru bekam Schwierigkeiten und fiel ein Stück zurück. Immer wieder versuchte der Olympiasieger vergeblich die Lücke zu schließen, doch Kebede konterte alle Angriffe des Kenianers mit eigenen Tempoverschärfungen. Der London-Sieger sah wie der Sieger aus und Wanjiru schien sich fast schon damit abzufinden.

„Ich begann die Hoffnung zu verlieren, denn ich war nicht in bester Verfassung“, erklärte der Kenianer später, der im April beim London-Marathon verletzungsbedingt ausgestiegen war und längere Zeit benötigte, um wieder in Form zu kommen. In der letzten harten Trainingswoche vor dem Chicago-Marathon hatte ihn zudem ein Magen-Darm-Virus gestoppt. „Vor dem Rennen dachten wir, wenn ein zweiter oder dritter Platz herauskäme, dann wäre das ein Erfolg. Was heute passiert ist, ist für mich die größte Überraschung, die ich im Marathon bisher erlebt habe“, erklärte Wanjirus italienischer Manager Federico Rosa gegenüber der Internetseite des internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF).

Der Olympiasieger sah seine Felle zwar davonschwimmen, doch er gab nie auf und wusste, dass er die besseren Karten in einem möglichen Schlussspurt haben würde. Denn Sammy Wanjiru verfügt über eine enorme Grundschnelligkeit und war zum Beispiel Halbmarathon-Weltrekordler. Zudem läuft er gerne bei warmen Temperaturen. Bei deutlich größerer Hitze und Luftfeuchtigkeit wurde er 2008 in Peking souverän Olympiasieger in olympischer Rekordzeit von 2:06:32 Stunden. In der Wärme von Chicago schaffte es Sammy Wanjiru dann tatsächlich noch, dem Rennen kurz vor dem Ziel noch eine Wende zu geben. Er lief an Kebede heran, überholte ihn und sprintete auf den letzten paar hundert Metern unaufhaltsam davon.

Nach 2:06:24 Stunden hatte der Olympiasieger mit 19 Sekunden Vorsprung vor dem geschockten Kebede (2:06:43) gewonnen, der sich einmal mehr Wanjiru geschlagen geben musste und zudem sicher auch den WMM-Jackpot verloren hat. Die halbe Dollar-Million könnte er nur noch verdienen, wenn er nun den New York-Marathon am 7. November gewinnen würde. Angeblich überlegt der Äthiopier sogar, kurzfristig dort zu starten, doch damit ist nicht zu rechnen.

Durch ihr mitreißendes Duell hatten Wanjiru und Kebede ihren Vorsprung im letzten Teil des Rennens stark vergrößert. Mit deutlichem Abstand kam Feyisa Lilesa als Dritter nach 2:08:10 Stunden ins Ziel. Drei weitere Athleten blieben unter 2:10 – Wesley Korir (2:08:44), Vincent Kipruto (2:09:08) und Robert Kiprono Cheruiyot (alle Kenia/2:09:28).

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Shobukhova siegt souverän