32. Wien Marathon

Sisay Lemma gewinnt - Hahner Fünfte

Sisay Lemma und Maja Neuenschwander sind die Sieger des 32. Vienna City Marathons. Anna Hahner landete auf dem fünften Platz.

Sisay Lemma beim Wien-Marathon

Sisay Lemma erzielte als einziger Läufer eine Topzeit beim Wien-Marathon 2015.

Bild: photorun.net

Mit einer außergewöhnlichen Leistung sprang Sisay Lemma beim 32. Vienna City Marathon für seinen verletzten Landsmann Getu Feleke in die Bresche. Der 24-jährige Lemma gewann Österreichs größte Sportveranstaltung trotz windiger und relativ warmer Wetterbedingungen in 2:07:31 Stunden, nachdem er 15 Kilometer lang alleine an der Spitze gelaufen war. Mit seiner Zeit hatte er den größten Vorsprung eines Siegers in der Geschichte des Rennens. Der Kenianer Duncan Koech erreichte als Zweiter in 2:12:14 Stunden fast fünf Minuten später das Ziel am Heldenplatz.

Favorit Getu Feleke steigt nach Muskelverletzung aus beim Wien-Marathon

Dritter wurde der Äthiopier Siraj Gena mit 2:12:48 Stunden, während der große Favorit Feleke, der im vergangenen Jahr mit 2:05:41 Stunden einen Streckenrekord aufgestellt hatte, aufgrund einer Muskelverletzung nach 17 km aus dem Rennen ging. Das Rennen der Frauen endete mit dem überraschenden Sieg der Schweizerin Maja Neuenschwander, die in 2:30:09 Stunden vor den Kenianerinnen Agnes Mutune (2:30:19 Std.) und Esther Chemtai (2:30:32 Std.) gewann. Während Caroline Chepkwony (Kenia/2:30:36 Std.) Rang vier belegte, folgte Titelverteidigerin Anna Hahner (Gengenbach/run2sky) als Fünfte in 2:30:50 Stunden. Gemessen an den Bedingungen und dem Abstand von weniger als einer Minute zur Siegerin schlug sich die 25-Jährige gut in Wien.

Rahmenwettbewerbe hinzugerechnet, verzeichneten die Veranstalter in Wien eine Rekordzahl von 42.742 gemeldeten Läufern aus 129 Nationen. Gut 9.000 von ihnen starteten im Marathon.

Wien-Marathon: Kurzfristige Ausfälle für das Eliterennen

Die Organisatoren hatten kurzfristig eine Reihe von Ausfällen für das Eliterennen der Männer zu verkraften. So blieben beim Start nur noch fünf Läufer mit Bestzeiten von unter 2:10 Stunden übrig. Der Wind machte es zusätzlich schwer, so dass die Spitzengruppe frühzeitig auf acht Läufer dezimiert war – darunter drei Tempomacher. Siraj Gena war der erste der zurückfiel, doch er schaffte es am Ende immerhin noch, wieder auf Rang drei nach vorne zu laufen. Überraschend gingen dann schon nach 10 km (30:16 Minuten) zwei Tempomacher aus dem Rennen.

Während Getu Feleke bei 15 km zurückfiel und dann fünf Minuten später ausstieg, war Beyene Beraki (Eritrea) der nächste, der nicht mehr mithalten konnte. Neben dem Tempomacher David Kogei (Kenia), der vor kurzem beim Berliner Halbmarathon als Zweiter überzeugt hatte, waren an der Halbmarathonmarke (Durchgangszeit: 63:07) somit nur noch zwei Läufer im Rennen: Sisay Lemma und der kenianische Debütant Suleiman Simotwo, der vom deutschen Trainer Dieter Hogen betreut wird.

Lemma zog frühzeitig das Tempo an beim Wien-Marathon

Lemma, der seine persönliche Bestzeit von 2:07:06 Stunden erst vor weniger als drei Monaten in Dubai erzielt hatte, griff dann frühzeitig an. „Das Tempo war mir zu langsam, und ich hatte mehrmals erfolglos versucht die Pacemaker anzutreiben“, erzählte der Äthiopier, der kurz vor dem 27-km-Punkt das Tempo forcierte als Kogei aus dem Rennen ging. Simotwo war sofort geschlagen, er wurde später Fünfter in 2:14:42 Stunden. Lemma vergrößerte seinen Vorsprung ständig, musste aber im letzten Abschnitt auch gegen den Wind kämpfen. Seine Leistung war daher beachtlich. „Wenn wir keinen Wind gehabt hätten und mehr Konkurrenz bis in die Schlussphase des Rennens dann hätte ich heute den Streckenrekord brechen können – das war mein Ziel. Ich würde gerne nächstes Jahr wieder kommen und es erneut versuchen“, erklärte Sisay Lemma, der sich den 10. April 2016 schon im Kalender notiert hat.

Anna Hahner auf dem Weg zu Rang fünf beim Wien-Marathon.

Bild: photorun.net

Im Rennen der Frauen liefen zunächst alle Favoritinnen – sieben hatten Bestzeiten von unter 2:30 Stunden – zusammen in einer großen Gruppe. Es waren dann Maja Neuenschwander und die Äthiopierin Fate Tola, die ihren ersten Marathon nach einer Babypause lief und bereits zweimal in Wien gewonnen hatte (2011 und 2012), die sich vor der 15-km-Marke absetzten. Die beiden passierten die Halbmarathonmarke nach 1:13:35 Stunden und lagen damit 34 Sekunden vor Anna Hahner, die zusammen mit den Kenianerinnen Agnes Mutune, Esther Chemtai und Caroline Chepkwony lief.

Maja Neuenschwander alleine an der Spitze beim Wien-Marathon

Nach 29 km brach Fate Tola jedoch plötzlich ein und fiel noch weit zurück. Am Ende musste sich die Läuferin, die von Irina Mikitenko trainiert wird und die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten möchte, mit Rang sieben in 2:34:43 Stunden begnügen. Nachdem ihr Tempomacher Probleme bekam, lief Maja Neuenschwander die letzten 10 km alleine an der Spitze. Sie wurde langsamer und es sah so aus, als ob sie noch überholt werden würde. Die hinter ihr laufenden Athletinnen, die inzwischen alle einzeln rannten, kamen dichter heran. Bei Kilometer 35 betrug der Vorsprung lediglich noch 17 Sekunden. Aber die 35-jährige Schweizerin, die eine persönliche Bestzeit von 2:29:42 Stunden hat und den nationalen Rekord von 2:27:44 Stunden im Blick hatte, rettete sich zehn Sekunden vor Agnes Mutune ins Ziel. „Erst beim Einbiegen auf den Heldenplatz war ich mir sicher, dass ich gewinnen würde. Dieser Sieg überstrahlt alles, was ich bisher erreicht habe sagte Maja Neuenschwander, die als erste Schweizerin in Wien triumphierte. „Es war ein tolles Rennen. Der Wind war aber problematisch, ansonsten wäre ich schneller gelaufen.“

Wien-Marathon: Anna Hahner zufrieden über fünften Platz

Titelverteidigerin Anna Hahner war nicht enttäuscht über ihren fünften Platz, obwohl sie auf einen Rang auf dem Podium gehofft hatte und schneller laufen wollte als 2:30:50 Stunden. „Ich bin zufrieden. Denn ich weiß, dass ich alles gegeben habe und heute keine Sekunde schneller hätte laufen können. Ich bin mein Rennen gelaufen. Als ich zwischen Kilometer 10 und 15 merkte, dass das Tempo für mich etwas zu schnell war, habe ich mich entsprechend zurückgenommen“, erzählte Anna Hahner und fügte hinzu: „Nach 32 Kilometern habe ich Fate Tola überholt und sah, dass ich näher herankomme. Aber es hat nicht ganz gereicht, um noch mehr Läuferinnen zu überholen.“