Berlin-Marathon 2014

Shalane Flanagan jagt den US-Rekord

Bei 2:19:36 Stunden steht der US-Rekord, den Shalane Flanagan beim Berlin-Marathon unterbieten will. Die 33-Jährige wird auf ein hochkarätig besetztes Frauenfeld treffen. Mit Video.

Shalane Flanagan auf Rekord-Jagd

Shalane Flanagan präsentiert ihre Startnummer am Brandenburger Tor, wo sie am Sonntag in US-Rekordzeit ins Ziel laufen möchte.

Bild: photorun.net

Als Uta Pippig zwischen 1994 und ’96 dreimal in Folge den Boston-Marathon gewann, stand eine Teenagerin an der Strecke und fieberte mit: Shalane Flanagan. Rund 20 Jahre später ist es jene Shalane Flanagan, die am Sonntag beim Berlin-Marathon auf Rekordjagd geht. Die US-Läuferin will den nordamerikanischen Rekord brechen, der bei 2:19:36 Stunden steht – bei dem Rennen, das Uta Pippig in ihrer damaligen Heimatstadt Berlin ebenfalls dreimal gewann (1990, ’92 und ’95).

Doch Shalane Flanagan ist nicht die einzige im Feld, die eine Zeit unterhalb der 2:20-Barriere anpeilt. Die beiden Äthiopierinnen Feyse Tadese und Tirfi Tsegaye wollen ebenfalls ein entsprechendes Tempo einschlagen. Dieses Trio ist in der Favoritenposition. Allerdings könnte auch die äthiopische Debütantin Tadelech Bekele eine gute Rolle spielen. Die deutsche Marathon-Aufsteigerin Anna Hahner will auf der flachen Berliner Strecke ihre Bestzeit von 2:27:55 Stunden unterbieten.

Erst fünfmal wurde beim Berlin-Marathon unter 2:20 Stunden gelaufen

Erst fünfmal wurde in der Geschichte des Berlin-Marathons die 2:20-Marke unterschritten. Zuletzt gelang dies der Kenianerin Florence Kiplagat, die 2011 in 2:19:44 gewann. Davor stellte Irina Mikitenko 2008 mit 2:19:19 Stunden einen deutschen Rekord auf. Der Streckenrekord der japanischen Marathon-Olmypiasiegerin Mizuki Noguchi steht seit 2005 bei 2:19:12 Stunden.

Für Shalane Flanagan hat jedoch eine andere Zeit Priorität: 2:19:36 Stunden, der Nordamerika-Rekord, den Deena Kastor 2006 in London aufstellte. „Ich bin hierher gekommen, um US-Leichtathletik-Geschichte zu schreiben und den Rekord zu brechen“, sagte die 33-Jährige bei einer Pressekonferenz, fügte jedoch hinzu: „Ich weiß natürlich, wo der Streckenrekord steht und es wäre schön, wenn ich hier zwei Rekorde brechen könnte.“ Flanagan hat bisher eine Bestzeit von 2:22:02 Stunden, die sie in diesem Jahr beim Boston-Marathon aufstellte. Dort wurde sie Siebente. Die Olympia-Dritte über 10.000 m von Peking 2008 ist in der Nähe von Boston aufgewachsen, und der Boston-Marathon war eine entscheidende Inspiration für sie. „Ich stand in den 90er Jahren an der Strecke und war begeistert. Eine Läuferin, die ich damals bewunderte und besonders in Erinnerung habe, war Uta Pippig. Es war faszinierend für mich zu sehen, dass die Spitzenläuferinnen jede einzelne Meile in diesem Marathon schneller liefen als meine damalige Meilen-Bestzeit“, erzählte Shalane Flanagan. „Aber auch mein Vater lief den Boston-Marathon.“ International erfolgreich war früher ihre Mutter: Cheryl Treworgy stellte 1971 mit 2:49:40 Stunden sogar eine Weltbestzeit auf.

Die schnelle Berliner Strecke war ausschlaggebend für Shalane Flanagan bei der Wahl ihres Rennens für den Herbst. Bei City-Marathonrennen ist sie bisher nur in Boston und New York an den Start gegangen. „Ich bin schon seit Freitag in Berlin, habe mir die Strecke angeschaut und bin das letzte Stück auch gelaufen. Es wird der schnellste Kurs sein, auf dem ich bisher gelaufen bin. Ich freue mich auf die Herausforderung“, sagte Shalane Flanagan, die am Sonntag geführt von Tempomachern die erste Hälfte in 69:40 Minuten laufen möchte.



Mehrere Läuferinnen beim Berlin-Marathon planen unter 2:20 Stunden zu laufen

Shalane Flanagan ist jedoch nicht die einzige Läuferin, die eine Zeit unterhalb der 2:20-Stunden-Barriere anpeilt. Die beiden Äthiopierinnen Feyse Tadese und Tirfi Tsegaye, die mit Bestzeiten von 2:21:06 und 2:21:19 an den den Start gehen, wollen ebenfalls in diesen Bereich vordringen. Eine gute Rolle spielen könnte bei ihrem Marathon-Debüt in Berlin auch Tadelech Bekele. Die Äthiopierin ist die Siegerin des Berliner Halbmarathons dieses Frühjahrs. „Ich hoffe, ich schaffe eine Zeit unter 2:20 Stunden, ich bin gut vorbereitet“, sagte Tirfi Tsegaye, die vor zwei Jahren in Berlin bereits Zweite war und dabei ihre Bestzeit aufgestellt hatte.

Ebenfalls eine Bestzeit, aber in einer anderen Kategorie, peilt Anna Hahner (Gengenbach/Run2Sky) an. Die deutsche Marathon-Aufsteigerin, die im April sensationell den Wien-Marathon in 2:28:59 Stunden gewonnen hatte, möchte ihren persönlichen Rekord von 2:27:55 unterbieten. „Dies ist mein Ziel. Ich fühle mich perfekt vorbereitet, es lief alles sehr gut, und ich bin zuversichtlich“, sagte Anna Hahner, die bereits vor zwei Jahren beim Berlin-Marathon startete und damals in 2:30:57 Stunden Achte wurde. „Ich freue mich auf die tolle Atmosphäre. Berlin ist ein 42,195 km langer Hotspot“, sagte Anna Hahner.

Die Eliteläuferinnen beim Berlin-Marathon und ihre Bestzeiten:

Feyse Tadese ETH 2:21:06
Tirfi Tsegaye ETH 2:21:19
Shalane Flanagan USA 2:22:02
Abebech Afework KEN 2:23:59
Kayoko Fukushi JPN 2:24:21
Margarita Plaksina RUS 2:27:07
Anna Hahner GER 2:27:55
Ines Melchor PER 2:28:54
Adriana da Silva BRA 2:29:17
Rene Kalmer RSA 2:29:59
Michele das Chagas BRA 2:35:09
Tadelech Bekele ETH Debüt

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