Runner's World Interview

Schuhe, Höhentraining und Ernährung

Irina Mikitenko

Den Mann mit dem Hammer hat Irina Mikitenko noch nicht getroffen.

Bild: Gabi Gerster

Haben Sie für jedes Trainingsziel und jede Witterung einen anderen Schuh?
Ja, ich habe immer vier Paar Schuhe im Gebrauch. Für Regen, Wald, Asphalt und für die schnellen Einheiten. Daneben gibt es aber auch Lieblingsschuhe und ­solche, die mir mal Glück gebracht haben. Außerdem natürlich die Wettkampfschuhe, die ich aber im Training lediglich einlaufe.

Welche Rolle spielt das Höhentraining in Ihrer Vorbereitung?
Für mich spielt Höhentraining eine große Rolle – weshalb ich es auch seit gut 15 Jahren regelmäßig mache. Mir bekommt es gut, wenn ich vier Wochen in der Höhe trainiere und etwa zwei bis zwei­einhalb ­Wochen vor dem Wettkampf wieder nach Hause komme.

Geht es dafür immer nach Kirgisien?
Nein, ich war erst zweimal da. Wir waren im Sommer oft in St. Moritz und im Winter häufig in den USA oder in Kenia. Wichtig ist die Höhe: Für meine Marathonvor­bereitung sind 1600 bis 1700 Meter ideal.

Haben Sie das Gefühl, in die Heimat zu fahren, wenn Sie für das Höhen­training nach Almaty fliegen, oder ist Ihre Heimat inzwischen der Spessart?
Wir sind jetzt fast 13 Jahre in Deutschland, in Kasachstan bin ich aufgewachsen. Hier wie dort kenne ich alle Wege. Ich fühle mich in beiden Ländern sehr wohl.

Gibt es auch für Profis eine Pasta-Party vor dem Rennen?
Bei der Ernährung ist nicht nur der Tag vor dem Wettkampf wichtig, man muss viel ­früher anfangen aufzupassen, was man isst und was nicht. An einem Tag, bei einer ­Pasta-Party, bekommt man nicht die Kohlen­hydrate, die man braucht.

Machen Sie vor Marathon-Wettkämpfen eine Saltin-Diät – entleeren Sie also Ihre Kohlenhydratspeicher durch eiweiß- und fettreiches Essen vollständig, um sie anschließend umso mehr aufzufüllen?
So etwas Ähnliches machen wir auch. Aber die Details sind ein Geheimnis. Jeder muss für sich herausfinden, was funktioniert. Ich habe meinen Weg gefunden.

Spürt man als Profi auch die berüchtigte Mauer oder den Mann mit dem Hammer, also den Moment, wo die Kohlenhydratreserven komplett verbraucht sind?
Ich habe das noch nicht erlebt – zum Glück. Bei meinem ersten Marathon 2007 in Berlin habe ich sogar auf den Mann mit dem ­Hammer gewartet, aber er kam nicht. Beim zweiten, 2008 in London, habe ich mir dann gesagt: Nein, der muss nicht kommen. Und jetzt hoffe ich weiter, dass ich das nie erleben werde. Es spielt wirklich eine ganz große Rolle, wie man sich vorher ernährt.

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