Dubai-Marathon

Rückenprobleme stoppten Weltrekordjagd

Haile Gebrselassie siegte beim Dubai-Marathon in 2:06:09. Rückenprobleme verhinderten einen neuen Weltrekord.

Dubai-Marathon

Haile Gebrselassie löst sich kurz nach Kilometer 40 entscheidend von Chala Dechase (rechts) und Eshetu Wendimu.

Bild: photorun.net

Mit einer famosen Energieleistung und guter Taktik gewann Haile Gebrselassie am frühen Freitagmorgen zum dritten Mal in Folge den Standard Chartered Dubai-Marathon. Ein über Nacht aufgetretenes Rückenproblem stoppte allerdings die Weltrekordjagd des Äthiopiers in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Haile Gebrselassie selbst hält die Bestmarke über die 42,195 km mit jenen 2:03:59 Stunden, die er 2008 in Berlin gelaufen war. In Dubai war er nun in einer immer noch hochklassigen Jahresweltbestzeit von 2:06:09 Stunden im Ziel. Zwar verpasste Haile Gebrselassie die Rekord-Weltrekordprämie von einer Million US-Dollar, jedoch durfte er sich mit einer Siegprämie von 250.000 Dollar trösten. Auch bei den Frauen gewann eine Äthiopierin das höchstdotierte Marathonrennen der Welt: Mamitu Daska sicherte sich die Viertelmillion Dollar mit einer Zeit von 2:24:18. Rennen über kürzere Distanzen hinzugerechnet, gingen beim Dubai-Marathon rund 12.000 Läufer an den Start.

Es war nicht das warme Wetter mit Temperaturen von rund 20 Grad zur Startzeit um 6.30 Uhr, das Haile Gebrselassie dieses Mal stoppte. „Ich hatte ein Rückenproblem. Ich habe gestern Abend Fernsehen gesehen, bin dann eingeschlafen und muss irgendwie in der falschen Position geschlafen haben. Als ich aufstand merkte ich, jetzt stimmt etwas nicht“, erzählte Haile Gebrselassie. Früh morgens kam der Physiotherapeut. „Er hat mir sehr geholfen, so dass ich das Rennen wenigstens gewinnen konnte.“

Doch das Projekt Weltrekord scheiterte erneut auf der superflachen Strecke in Dubai. Vor zwei Jahren war er es zu schnell angegangen und am Ende eingebrochen, 2009 stoppte ihn im Schlussabschnitt ein Unwetter. Nun machte Haile Gebrselassie eine neue Erfahrung. „Da kannst du nichts machen. Ich habe nur gehofft, dass ich ins Ziel kommen und gewinnen würde“, sagte der 36-Jährige, der in seiner einmaligen Karriere bisher 20 offizielle und sieben inoffizielle Weltrekorde aufgestellt hat.

Nur auf dem ersten der 42 Kilometer war Haile Gebrselassie in Dubai im Rekord-Fahrplan. Geführt von einer Gruppe von Tempomachern verlor er anschließend eine Sekunde nach der anderen. Nach 29:42 Minuten erreichte er Kilometer 10, damit hatte er verglichen zu seiner 2008er-Zwischenzeit aus Berlin bereits 29 Sekunden Rückstand. Kilometer 15 erreichte die Gruppe nach 44:51 (Berlin: 44:03), 20 km nach 59:38 (58:50), die Halbmarathonmarke nach 62:51 (62:04) und den 25-km-Punkt nach 1:14:20 (1:13:41).

Mamitu Daska gewann überraschend den Dubai-Marathon bei den Frauen.

Bild: photorun.net

„Ich bin mit den Tempomachern mitgelaufen, aber ich habe die Pace nicht forcieren können. Ich konnte einfach keinen Gang höher schalten. Zwischen Kilometer 20 und 25 war klar, dass ich den Rekord nicht mehr erreichen kann. Deshalb habe ich mich dann nur noch auf den Sieg konzentriert“, erklärte Haile Gebrselassie, der es notgedrungen spannender machte als sonst. Nach dem Ausstieg des letzten Tempomachers Dereje Gebrihiwot (Äthiopien) nach 32 km kamen zwei Landsleute immer dichter an den Weltrekordler heran und holten ihn schließlich ein: Chala Dechase setzte sich bei Kilometer 33 an die Spitze und Eshetu Wendimu schaffte den Anschluss nach 36 km.

Doch kurz nach Kilometer 40 gelang es Haile Gebrselassie doch noch einmal, etwas zuzulegen. Er löste sich entscheidend von seinen beiden Konkurrenten, die schließlich die Ränge zwei (Dechase/2:06:33) und drei (Wendimu/2:06:46) belegten und beide ihre Bestzeiten um knapp zwei Minuten steigerten. Zur Freude von einigen tausend äthiopischen Fans an der Strecke waren auch die viert- und fünftplatzierten Läufer Landsleute: Abiyote Guta Duguma lief 2:09:03 und auch Debele Tulu blieb mit 2:09:43 noch unter 2:10 Stunden.

„Als Haile morgens aufgestanden war, konnte er zunächst kaum laufen“, erzählte sein holländischer Manager Jos Hermens. „Doch nach der Behandlung war ich zuversichtlich. Wenn das vor ein paar Tagen passiert wäre, wäre es überhaupt kein Problem gewesen – so war es Pech.“

Gewann bei den Männern der große Favorit, gab es bei den Frauen ein überraschendes Favoritensterben. Wegen Formschwäche hatte Berhane Adere (Äthiopien), die das Rennen vor zwei Jahren gewonnen hatte, einige Tage vor dem Start abgesagt. Ihre Landsfrau Askale Magarsa, die Dubai-Siegerin von 2007, wurde in 2:27:29 Stunden Sechste und die ebenfalls äthiopische Titelverteidigerin und vermeintliche Favoritin Bezunesh Bekele musste mit Rang vier vorlieb nehmen (2:26:05). Als Fünfte überraschte dagegen die Schwedin Isabella Andersson in 2:26:52. Um genau sieben Minuten steigerte sie ihre Bestzeit.

Spannend war der Kampf um den Sieg bis auf die Zielgerade. Während Helena Kirop (Kenia) schließlich nicht mehr ganz mithalten konnte und als Dritte ins Ziel kam (2:24:54), löste sich auf dem letzten Kilometer Mamitu Daska von Aberu Shewaye. Doch damit war dieses äthiopische Duell noch nicht zu Ende. Denn auf der Zielgerade musste sich die völlig erschöpfte Daska übergeben und verlor noch einige Meter. Die 26-Jährige rettete sich jedoch vor Shewaye (2:24:26) ins Ziel, wo sie mehrere Minuten lang völlig erschöpft liegen blieb. Beim größten Sieg ihres Lebens verbesserte Mamitu Daska ihren persönlichen Rekord um über zwei Minuten auf 2:24:18. Als Dritte war sie 2009 in Berlin 2:26:38 gelaufen. Zudem hatte sie im vergangenen Jahr mit einem zwölften Platz bei der Cross-WM überzeugt. „Ich habe davon geträumt, dieses Rennen zu gewinnen“, erklärte Mamitu Daska.

Text: race-news-service.com
Fotos: photorun.net

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