Laufveranstaltungen

Preis-Leistungsverhältnis bei Marathon-Veranstaltungen

Preis-Leistungs-Verhältnis von Startgeld: Immer wieder erreichen uns Leserzuschriften, die sich über zu hohe Startgelder bei Laufveranstaltungen beklagen, vor allem, aber nicht nur die Marathons betreffend. Wir baten die Verantwortlichen einiger großer deutscher Marathons um eine Stellungnahme.

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Ursula Moses vom Organisationsteam des München-Marathons nimmt Stellung zu der Leseranfrage.

Diese Frage einer Leserin war der Auslöser:
Nachdem ich zweimal den Ruhrmarathon und jeweils Düsseldorf und
München 2006 gelaufen bin so wie diverse kleine Lauferanstaltungen, musste ich feststellen, dass man auch beim Marathon auf das Preis-Leistung-Verhältnis achten sollte. Gab es im Ruhrgebiet tolle Starterpakete sowie Finishershirt und eine durchgehende Ideallinie, erhielt man in Düsseldorf nur einen wiederverwendbaren Kleidersack und eine partielle Ideallinie. In München gab es weder Kleidersack noch Ideallinie auch die Zwischenzeiten beschränkten sich auf 10, HM und 30 km Marke, obwohl die Deutschen Marathonmeisterschaften ausgetragen wurden und mehr Zeitmatten lagen als üblich. In den beiden Landeshauptstädten kostete mich der Start gute 50 EUR und im Ruhrgebiet 44 EUR. Bei kleineren Laufveranstaltungen z. B. in Mülheim-Saarn (Ruhr) war es den Veranstaltern möglich, jedem Starter eine Trinkflasche zu spendieren, bei 8 EUR Startgebühr. Nun frage ich mich, wieso ist es den Veranstaltern an solchen namenhaften Orten nicht möglich, die Sponsoren zu mehr zu bewegen oder die Preise zu reduzieren.

Gesunde Mischkalkulation
Ein großer Stadtmarathon, der den öffentlichen Verkehr für einen Tag praktisch lahm legt, kostet viel Geld. Mehr Geld eben als ein Marathon in einer kleinen Stadt oder auf dem Land. Ein großes Stadion, Veranstaltungsstätten und Parks muss man mieten, auch die gibt es nicht zum Nulltarif. Es sei denn, eine Stadt fördert den Marathon und übernimmt die Kosten. Doch auch das ist von Stadt zu Stadt eben verschieden. Ganz zu schweigen von den ganzjährigen Kosten für Personal, Werbung und externe Dienstleister. Entscheidend ist, wie viele Sponsoren sind bereit das Event mit zu tragen und in welchem Umfang. Und auch das ist von Marathon zu Marathon und von Stadt zu Stadt verschieden. Als Veranstalter hat man die Wahl: verlasse ich mich ganz und gar auf einen Wirtschaftspartner oder versuche ich die Veranstaltung so zu finanzieren, dass sie auch bei wenig Sponsoren oder Sponsorenausfällen stattfinden kann. Das Risiko bei erster Variante ist hoch, wie jüngste Beispiele von Marathonabsagen zeigen. München hat sich für die zweite Variante - eine gesunde Mischkalkulation zwischen Teilnahmegeldern und Sponsorengeldern - entschieden. Damit wir die Organisationsgebühren trotzdem stabil halten können, lassen wir dann eben mal die Plastik-Kleiderbeutel weg und nehmen dafür die Taschen und Rucksäcke der Teilnehmer kostenfrei in Verwahrung.
Ursula Moses, Organisation München-Marathon

Im Vergleich zum Ausland moderat:
Wenn in Duisburg ein Sponsoren-Pool und die Stadt die Veranstaltung nicht unterstützen würde, müsste das Startgeld mit 110 Euro angesetzt werden. Denn DRK, Malteser,Massagedienst, Drängelgitter, Absperrungen, Stadtreinigung, Gema-Gebühren, Werbung gibt es leider nicht kostenlos, ebenso wie die vorheringen Leistungen. Vielleicht sollten die Kritiker sich ehrenamtlich in die Organisation eines City Marathon einbringen. Ihnen würde die Augen übergehen, wenn die Rechnungen ins Haus kommen. Vielleicht sollten die Kritiker sich Startgelder von ausländischen Marathonveranstaltungen und den verbundenen Leistungen ansehen. Sie werden dann feststellen, dass Marathonveranstaltungen in Deutschland sich im Statgeld auf niedrigem - im organisatorichen Bereich auf hohem Niveau befinden.
Bernd Düngen, Duisburg-Marathons

Ohne ehrenamtliche Helfer geht nichts
Insbesondere bei mittleren Laufveranstaltungen ist die Kalkulation recht schwierig. Wir liegen mit unseren Startgebühren (ab 16 Euro für den Halbmarathon) am unteren Bereich der Skala in Deutschland und können diesen Preis anbieten, weil wir neben den Sponsoren eine Vielzahl ehrenamtlicher Helfer hinter uns wissen. Die Läuferinnen und Läufer erhalten zusätzlich zum üblichen Service eine Finisher-Medaille und können das Hallenbad im Zielbereich gratis nutzen. Aber Geld verdienen kann man mit einer Laufveranstaltung in dem Umfang nicht. Möglich ist die Durchführung auch nur mit Unterstützung der Städte und Kreise. Wenn hier jeder Cent und jede Handlung berechnet würde, ließe sich mit einem Startgeld unter 30 Euro sicherlich nichts machen.
Heiko Appelbaum, Paderborner Osterlauf

Konkurrenz auf dem Sponsorenmarkt
Grundsätzlich müssen Veranstalter ihre Teilnehmerbeiträge für Laufveranstaltungen entsprechend ihren örtlichen Gegebenheiten kalkulieren. Veranstaltende Sportvereine, aber auch kommerzielle Veranstalter müssen kostendeckende Beiträge erheben und dürfen keine Verluste erleiden bzw. erwirtschaften.
Jeder Veranstalter muss daher für sich alleine entscheiden, welchen Service er bieten will und kann. So sind also Laufveranstaltungen nicht unbedingt direkt miteinander zu vergleichen. Vielfach wird die wahre Unterstützung von Sponsoren durch den Teilnehmer verkannt. Die Sponsorenakquise ist heutzutage ein hartes Geschäft. Der Sport befindet sich bei der Sponsorensuche in Konkurrenz zu anderen Bereichen des öffentlichen Lebens. Kultur, Wissenschaft und auch das Sozialwesen sind zunehmend auf Sponsoren angewiesen, so dass die zur Verfügung stehenden Budgets knapper werden. Laufveranstalter erlangen so zunehmend das Nachsehen, letztlich stehen sie dann zusätzlich noch im direkten Konkurrenzkampf zu anderen Sportarten um unterstützende Gelder... Nach eigenen Berechnungen muss SCC-RUNNING zu den von den Teilnehmern zu erhebenden Beiträgen noch einmal ungefähr die gleiche Summe aufwenden, um eben wie eingangs skizziert, kostendeckend zu arbeiten. Einsparmöglichkeiten sind bei allgemeinen ständigen Kostensteigerungen kaum gegeben, so dass sich eine Senkung der Teilnehmerbeiträge ausschließt. Dieses ist nur durch Kürzung der Leistungen, des Services machbar und kann den Teilnehmern sicher nur bedingt zumutbar sein.
Lutz Derkow, Technischer Direktor Berlin-Marathon


Wolfram Götz, Hamburg-Marathon

Große Städte, große Rechnungen

Die Durchführung eines Laufes in Mülheim wirft andere Kosten auf als ein Lauf in Düsseldorf oder München.... Ich bin mir sicher, dass der Veranstalter in Mülheim geringere Absperrkosten hat und dass die Auflagen und damit auch die Kosten hinsichtlich der Müllentsorgung in Düsseldorf deutlich höher sind. Und vielleicht wird sich die Lenkung des Straßenverkehrs in Düsseldorf wiederum einfacher und kostengünstiger gestalten lassen als in München, weil sowieso entlang einer für den Verkehr gesperrten Uferpromenade gelaufen wird... In Hamburg gehen wir bewusst einen anderen Weg. Hier zahlt der Teilnehmer, das, was er uns als Veranstalter auch kostet bzw. welche Zusatzangebote er über die schlichte Laufteilnahme hinaus dazubucht. Hierbei sind wir natürlich bemüht, diese Kosten so gering wie möglich zu halten. Kostensteigerungen werden an den Läufer weitergegeben wie im aktuellen Fall der Umsatzsteuererhöhung und der Erhöhung der Kosten für den Einsatz der Sanitätsorganisationen und Helfer. Spätestens, wenn die Lenkung des öffentlichen Personennahverkehrs oder der Polizeieinsatz kostenpflichtig wird, werden die Kosten weiter deutlich angehoben werden müssen. Die Kosten für Veranstaltungswerbung, für Werbeleistungen, TV-Berichterstattung, Eliteathleten oder Prämien werden dagegen ausnahmslos aus Sponsorenleistungen abgedeckt. Teilnehmer-Zusatzleistungen von Sponsoren wie Handtücher, Stirnbänder etc. werden natürlich an die Teilnehmer weitergegeben. Bei dieser Regelung kann der Läufer sicher sein, dass die Veranstaltung im Falle des Ausfalls von Sponsoren nicht abgesagt werden muss, sondern auf dem Niveau einer gehobenen Volkslaufveranstaltung durchführbar bleibt - nur eben ohne Eliteathleten und ohne Prämien sowie ohne TV-Bericherstattung und ohne Werbeauftritte.
Wolfram Götz, Hamburg-Marathon


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Jo Schindler, Frankfurt-Marathon

Event-Dienstleister werden nicht billiger

Wir haben für den Messe Frankfurt Marathon 2005 (die Zahlen aus 2006 sind noch nicht ausgewertet) die Kosten pro Teilnehmer berechnet. Diese belaufen sich auf 93,93 Euro je Starter bei 17195 Startern (inkl. Rahmenveranstaltungen). Wenn wir alle Kosten, die der Spitzensport verursacht, also die Antritts- und Preisgelder, aber auch sonstige Kosten wie die aufwändige Fernseh-Live-Übertragung (denn 3,5 Stunden live im Fernsehen gäbe es für eine reine Breitensportveranstaltung nicht) oder die Sponsorendarstellung im Fernsehen ausblenden, bliebe eine pro-Kopf-Startgebühr von 67,05 EUR. Nur weil wir Sponsoren haben, ist es möglich die Startgebühr niedriger anzusetzen. Und diese Sponsoren haben wir, weil wir internationalen Spitzensport bieten, der eine gesteigerte Aufmerksamkeit bei den Medien hervorruft, was wiederum Sponsoren anzieht. Jedem Marathonläufer, der 2005 in Frankfurt startete, wurde also mehr als die Hälfte seiner Startkosten von uns bzw. unseren Sponsoren geschenkt. Alle Event-Dienstleister haben in den letzten Jahren überdurchschnittlich die Preise erhöht. Eben weil Marathonlaufen so boomt und zahlungskräftige
Sponsoren auf den Laufsport aufmerksam werden, sind deutliche
Preissteigerungen pro Jahr beinahe schon normal. Zudem ist eine Marathonveranstaltung extrem personalintensiv und dass alle helfenden Geister ehrenamtlich unterwegs sind, gehört auch einem Märchen aus einer längst vergangenen Zeit an. Dennoch versuchen wir in Frankfurt viele traditionelle Dienstleistungen aufrecht zu erhalten, die bei anderen Veranstaltungen längst Zusatzgebühren erfordern (z. B. Nudelparty mit Rahmenprogramm, die ca. 8000 Personen besuchen; Ergebnisheft mit CD und Urkunde an alle Teilnehmer, die auch zugesandt werden; Massageservice usw. und achten auf einen hochwertigen Service, der auch personal- und kostenintensiv ist.
Jo Schindler, Frankfurt-Marathon

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