Rom-Marathon 2013

Papst-Pilger und Marathonläufer teilten sich die Stadt Rom

Zeitgleich mit dem ersten Angelus-Gebet des neuen Papstes Franziskus liefen 14.000 Marathonläufer und rund 80.000 Fun-Läufer beim Rom-Marathon 2013 durch die Stadt.

Rom-Marathon 2013 - Bilder

Geschätzte 150.000 Menschen kamen am 17. März zum ersten Angelus-Gebet des neuen Papstes. Das stellte die Stadt und die Organisatoren des Rom-Marathons vor riesige Probleme. Denn erst nachdem es am Mittwoch hieß "Habemus Papam", war klar, dass am darauffolgenden Sonntag, am Marathontag, das Angelus-Gebet stattfinden würde. Eine langfristige Planung war da nicht möglich.

In den Tagen vor dem Marathon sollen die Organisatoren angeblich mehr Zeit im Vatikan als im Organisationsbüro verbracht haben. Denn in den zwei Wochen vor dem Lauf war sehr ernsthaft über einen kompletten Ausfall des Marathons diskutiert worden. New York lässt grüßen. Doch das Organisations-Team kämpfte um die 19. Ausgabe des Rom-Marathons – und es setzte sich gegen die Stadt Rom durch. Statt der Marathonabsage gab es eine geringfügige Verschiebung der Startzeit, und ein Streckenkilometer ganz dicht am Petersplatz wurde verlegt.

Die letzten Meter des Rom-Marathons scheint dieser Läufer zu fliegen. Im Hintergrund das Kolosseum.

Bild: Daniel Eilers

So starteten bei kühlen, aber leistungsfördernden Temperaturen um 10 Grad Celsius die 14.000 Marathonläufer direkt vor dem imposanten Kolosseum. Darunter waren auch zahlreiche deutsche Läufer, 644 hatten gemeldet. Wie attraktiv Italiens Hauptstadt-Marathon für ausländische Läufer ist, zeigt die Zahl von 6.167 gemeldeten Nicht-Italienern. 8.016 kamen aus dem Stiefel-Land.

Trotz langer Kopfsteinplaster-Passagen, profilierter Strecke und phasenweisem Wind gab es an der Spitze hervorragende Zeiten. Der 30-jährige Äthiopier Negari Terfa erkämpfte sich den zweiten Marathonsieg binnen zweieinhalb Monaten. Bereits im Januar hatte er den Xiamen-Marathon in China mit einer persönlichen Bestzeit von 2:07:32 Stunden gewonnen. Nun triumphierte er auch in Italiens Hauptstadt und blieb dabei erneut unter 2:08 Stunden. Zwei Kilometer vor dem Ziel löste er sich aus der bis dahin vierköpfigen Spitzengruppe und siegte in 2:07:56 Stunden. Zweiter wurde Terfas Landsmann Girmay Gebru Birhanu in 2:08:11, Rang drei belegte der Kenianer Stephen Chemlany (2:08:30).

Auch bei den Frauen gab es an der Spitze schnelle Zeiten. Die Kenianerin Helena Kiprop siegte in 2:24:40 Stunden mit über einer halben Minute Vorsprung auf Getnet Selomie Kassa (Äthiopien/2:25:15). Für die 36-Jährige, die im vergangenen Jahr den Köln-Marathon in 2:25:34 gewonnen hatte, war dies der größte Marathonsieg ihrer Karriere. Dritte wurde die für die Türkei startende, in Äthiopien geborene Sultan Haydar in 2:27:10.

RUNNER’S-WORLD-Fotograf Daniel Eilers dokumentiert den Marathon durch die „Ewige Stadt“ in der umfangreichen Fotogalerie über diesem Artikel.

Das Kolosseum ist der Dreh- und Angelpunkt dieses Marathons, hier starten die Läufermassen, hier ist auch genügend Platz, die 80.000 Fun-Runner auf ihre 4 km kurze Laufstrecke zu schicken. Und vor diesem historischen Gemäuer ist auch der Zieleinlauf aufgebaut. Leider müssen sich die Finisher schon auf den Kilometern vorher feiern lassen, denn der Zieleinlauf ist nahezu zuschauerfrei und damit auch ohne die eigentlich obligatorische Jubelstimmung auf den letzten Metern.

Mit reichlich Beifall wurden die Finisher allerdings auf den sieben Kilometern davor gefeiert. Diese Passage durch die engen Gassen der City mit ihren vielen touristischen Höhepunkten ist ein Sightseeing-Lauf der ganz besonderen Art; eigentlich verbietet es sich, nach einem Seitenblick auf die Piazza Navona einfach weiterzulaufen. Doch die Uhr am Arm der Marathonläufer tickte natürlich unerbittlich. Auch das traditionelle Werfen einer Münze in den Brunnen Fontana di Trevi mussten die Läufer aus Zeitgründen auf den Spaziergang vor oder nach dem Marathon verschieben. Aber der Gospelchor auf der Spanischen Treppe war so laut und deutlich zu vernehmen, dass die Läufer für das Gänsehautfeeling hier nicht stehen bleiben mussten.

„Es ist toll, dass genau in der Durststrecke, die man ab Kilometer 35 hat, das Fluidum so toll ist und so viele Zuschauer applaudieren“, freute sich Gisela Thome, die knapp unter vier Stunden das Ziel erreichte. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Norbert wunderte sie sich aber über die spezielle italienische Renneinteilung: „Am Anfang haben uns alle überholt, auf den letzten Kilometern sind ganz viele gegangen.“ Mit drei Läuferpärchen von Spiridon Hochwald bei Trier waren die Thomes für eine Woche in die italienische Hauptstadt geflogen.

„Alles war bestens organisiert“, freute sich Thomas Quader aus Bremen nach 3:33:16 Stunden im 22. Marathon. Eine Beurteilung, die immer wieder zu hören war. Ganz im Gegensatz zum verbreiteten Vorurteil von sehr spontaner italienischer Organisation, stimmte beim Rom-Marathon wirklich alles, angefangen über die klare Führung der vielen tausend Läufer zur Startlinie mit strikter Kontrolle der Startblock-Zugänge, dem großzügigen Aufbau der Getränkestände bis hin zur völlig stau- und stressfreien Aufnahme von Getränken und Gepäckrucksack hinter dem Ziel.

Nur wenige Minuten nach dem Zieleinlauf der schnellsten Frauen begann Papst Franziskus keine drei Kilometer entfernt auf dem Petersplatz sein Angelus-Gebet. Wer in der Nähe einer Kirche lief, und davon gibt es in Rom unzählige, war informiert, denn zu diesen Zeitpunkt läuteten in allen Kirchen Roms die Glocken.