Unerwarteter Sieger

Nicholas Kemboi und Caroline Rotich gewinnen warmen Prag-Marathon

Bei hohen Temperaturen konnten Nicholas Kemboi und Caroline Rotich mit Zeiten von 2:08:51 und 2:27:00 die größten Siege ihrer Karriere beim Prag-Marathon feiern.

Kemboi

Nicholas Kemboi gewinnt den Prag-Marathon.

Bild: runczech.com

Kemboi, der gebürtige Kenianer, der seit 2005 für Katar startet, gewann mit 2:08:51 Stunden an einem Tag, an dem warme Wetterbedingungen keine Top-Zeiten zuließen. Girmay Birhanu (Äthiopien/2:09:30) wurde Zweiter vor Patrick Terer (Kenia/2:10:10).

Im Rennen der Frauen dominierte Caroline Rotich. Die Kenianerin setzte sich kurz nach der Halbmarathonmarke ab und lief einen großen Vorsprung heraus. Sie war nach 2:27:00 Stunden im Ziel. Zweite wurde ihre Landsfrau Philes Ongori (2:28:53), Rang drei belegte die Äthiopierin Ehitu Kiros (2:30:02). 9.500 Läufer hatten für den Prag-Marathon gemeldet.

Nicholas Kemboi gehörte nicht zu den ganz großen Favoriten beim Prag-Marathon, trotz seiner Bestzeit von 2:08:01 Stunden. Entsprechend hatte er lediglich die Startnummer 27 erhalten. Doch er war es, der ab Kilometer 16 fast durchweg an der Spitze des Feldes lief. Gemeinsam mit Tempomacher Silas Ngetich, Julius Lomerinyang (beide Kenia) und Girmay Birhanu (Äthiopien) hatte er sich nach rund 16 km abgesetzt. Während der Tempomacher bald darauf zurückfiel, passierte das Trio die Halbmarathonmarke in 63:21 Minuten.

Eine Vorentscheidung fiel dann nach 34 km, als zunächst Birhanu nicht mehr mithalten konnte. Zwei Kilometer später war auch Lomerinyang geschlagen, während Kemboi in seinem dritten Marathon nach Valencia (Zweiter in 2:08:01/2011) und Istanbul (Fünfter in 2:20:40/2012) einen großen Vorsprung herauslief. „Als ich mich nach 38 Kilometern umschaute, wusste ich, dass ich gewinnen würde“, erklärte der 29-jährige Nicholas Kemboi, der in 2:08:51 deutlich vor Girmay Birhanu im Ziel war. Der Äthiopier wurde in 2:09:30 Stunden Zweiter. Für Birhanu war dies eine erstaunliche Leistung, denn er hatte erst vor zwei Monaten in Rom ebenfalls den zweiten Platz belegt. Dort lief er zudem seine Bestzeit von 2:08:11 Stunden. Dritter beim Prag-Marathon wurde Patrick Terer (Kenia) in 2:10:10. Er war ursprünglich einer der Favoriten des Hannover-Marathons vor einer Woche. Doch aufgrund eines Problems mit seinem Visum konnte er nicht reisen. Die Tschechen schafften es jedoch, ihm in kurzer Zeit ein neues Visum zu beschaffen. „Ich freue mich, dass ich hier schließlich starten konnte. Nächstes Jahr komme ich zurück und werde gewinnen“, sagte Patrick Terer.

Währenddessen hofft Nicholas Kemboi, dass er seinen nächsten Marathon bei den Weltmeisterschaften in Moskau im August laufen kann. „Ich hoffe nach diesem Sieg nominiert zu werden, denn ich bin der einzige Läufer aus Katar, der die Qualifikationszeit erreicht hat“, erklärte der 29-Jährige, der vor zehn Jahren beim Leichtathletik-Meeting in Brüssel über 10.000 m mit einer Topzeit von 26:30,03 Minuten auf sich aufmerksam gemacht hatte. Damit ist er heute noch der viertschnellste Läufer über diese Distanz aller Zeiten. „Aber heute konzentriere ich mich auf den Straßenlauf“, sagte Nicholas Kemboi. Die Staatsbürgerschaft von Katar nahm er an, „weil es in Kenia sehr schwer ist, sich für eine internationale Meisterschaft zu qualifizieren“.

Bei den Frauen gingen die Erwartungen vor dem Prag-Marathon in Richtung Kursrekord. Diese Marke hält die Kenianerin Lydia Cheromei mit 2:22:34 Stunden. Aber bei Temperaturen von am Ende über 20 Grad Celsius in der Sonne war das Tempo nie entsprechend hoch. Caroline Rotich, Lydia Cheromei und Philes Ongori erreichten die Halbmarathonmarke nach 1:13:03 Stunden. Kurz danach löste sich Rotich und lief schnell zu einem entscheidenden Vorsprung. Dagegen fiel Cheromei weit zurück und wurde am Ende nur Sechste mit 2:34:26. Zweite wurde Philes Ongori mit 2:28:53 vor Ehitu Kiros (2:30:02). “Es ging nicht so gut wie erhofft, denn ich konnte nicht reagieren, als Caroline sich löste. Aber nach 29 Kilometern lief es wieder besser für mich, so dass ich Ehitu noch einmal überholen konnte“, erklärte Philes Ongori.

Für Caroline Rotich, die morgen ihren 29. Geburtstag feiert, war Prag ein weiterer Schritt in ihrer Marathonkarriere. „Dieser Sieg gibt mir eine gute Plattform für die Zukunft. Jeder Marathon ist anders. In Prag habe ich die Atmosphäre genossen, ich würde gerne im nächsten Jahr wiederkommen“, sagte Caroline Rotich, die im März bereits den New York-Halbmarathon in 69:09 Minuten gewonnen hatte.