BMW Berlin-Marathon 2012

Mutais Marathon-Sprint

Mutai gewinnt Berlin-Marathon 2012

Geoffrey Mutai gewinnt ganz knapp vor Dennis Kimetto.

Bild: BMW Berlin-Marathon/Jiro Mochizuki

Neun Läufer hatten die Halbmarathonmarke nach 62:06 Minuten erreicht: Hinter den vier kenianischen Tempomachern rannten deren Landsleute Geoffrey Mutai, Dennis Kimetto, Geoffrey Kipsang, Jonathan Maiyo und Nicholas Kamakya. Sie waren mit ihrer Zwischenzeit etwas langsamer als geplant, denn angepeilt war bei der Jagd nach dem Weltrekord von Patrick Makau eine Durchgangszeit von 61:40. Das lag auch daran, dass eine Zwischenzeiten-Anzeige am Führungsfahrzeug nicht richtig funktionierte. Erst nach 25 km stimmte diese wieder.

Doch die Bestmarke war trotz des Zeitrückstandes noch nicht ganz außer Reichweite. „Nach 30 Kilometern habe ich gesehen, dass wir zu langsam sind. Deswegen habe ich das Tempo erhöht“, erklärte Geoffrey Mutai, der dann den nächsten 5-km-Abschnitt in famosen 14:19 Minuten absolvierte. Dabei sprintete er Kilometer 32 in 2:42 Minuten herunter – das ist der schnellste je beim Berlin-Marathon gelaufene Kilometerabschnitt – und wurde dann für Kilometer 33 in 2:48 gestoppt. Damit war die Spitzengruppe auseinander gerissen.

Die letzten Tempomacher waren bei Kilometer 30 beziehungsweise 31 aus dem Rennen gegangen, Jonathan Maiyo (Kenia) und Geoffrey Kipsang fielen während des Mutai-Sprints zurück. Nicht so jedoch der Trainingspartner des späteren Siegers, Dennis Kimetto. Der 28-Jährige, der in diesem Jahr bereits den Vattenfall Berliner Halbmarathons gewonnen hatte und dann bei den Big 25 Berlin einen 25-km-Weltrekord aufgestellt hatte (1:11:18 Stunden), heftete sich an die Fersen des Boston- und New-York-Marathon-Siegers von 2011, Geoffrey Mutai. Zwischen Kilometer 38 und 40 kamen die beiden im Vergleich mit Makaus Zwischenzeiten bis auf eine Sekunde an die Weltrekord-Splits heran. Doch auf den letzten beiden Kilometern konnten sie das enorme Tempo nicht mehr ganz halten und wurden langsamer. So ausgelaugt waren Mutai und Kimetto am Ende der Weltrekordjagd, dass es nicht mehr zu einem richtigen Endspurt kam. Geoffrey Mutai verteidigte seinen knappen Vorsprung bis ins Ziel. Ein ähnlich knappes Rennen hatte es 2003 gegeben, als Paul Tergat (Kenia) in Berlin mit 2:04:55 Stunden einen Weltrekord aufgestellt hatte und mit einer Sekunde Vorsprung vor seinem Landsmann Sammy Korir gewann. Damals war der Abstand zwischen den beiden aber etwas größer als am Sonntag.

„Wir hatten eine Chance auf den Weltrekord, aber es hat auf den letzten Kilometern nicht gereicht. Ich bin aber trotzdem zufrieden mit meinem Ergebnis. Es ist nicht so einfach, ein derartiges Tempo zu laufen“, sagte Geoffrey Mutai, der nach 35 km ein leichtes Problem im linken Bein bekam – möglicherweise eine Folge seiner zwei superschnellen Kilometer zuvor. „Deswegen musste ich etwas vorsichtiger sein.“ Am Ende reichte es trotzdem, um die Jahresweltbestzeit des Äthiopiers Ayele Abshero, der in Dubai im Januar 2:04:23 gelaufen war, um acht Sekunden zu unterbieten. „Es war gut, dass Dennis vorne noch dabei war. Er war natürlich mein Rivale, aber das hat mir geholfen“, erklärte Geoffrey Mutai, der auch seinem Trainingspartner zutraut, den Weltrekord zu brechen. Auf die Frage, ob er sich eine Chance ausgerechnet hatte, Geoffrey Mutai zu schlagen, antwortete Dennis Kimetto: „Geoffrey ist der Chef – ich dachte nicht, dass ich ihn besiegen kann!“ Im Zieleinlauf hatte es den Anschein, als ob Dennis Kimetto nicht das allerletzte versuchte, um Geoffrey Mutai zu bezwingen. Offenbar konnte er aber auch nicht mehr.

Die Kenianer dominierten das Rennen auch in der Breite der Spitze: Sie belegten die ersten neun Plätze beim größten und spektakulärsten deutschen Marathon. Hinter Mutai, Kimetto und Kipsang kamen auch Nicholas Kamakya (2:08:28), Josphat Keiyo (2:08:41) und Josphat Jepkopol (2:08:44) unter 2:09 ins Ziel.

Jan Fitschen kämpfte sich durch und lief mit 2:13:09 Stunden persönliche Bestzeit.

Bild: Norbert Wilhelmi

Im fünften Marathon gelang Jan Fitschen (TV Wattenscheid) endlich die erhoffte Zeit unter 2:15 Stunden. Geführt von Tempomachern hatte der 35-Jährige, der vor einem Jahr in Frankfurt 2:15:40 gelaufen war, die Halbmarathonmarke nach 66:59 Minuten erreicht. Trotz einer folgenden, kurzen Toilettenpause lief Jan Fitschen den zweiten Abschnitt schneller als den ersten. „Ich bin überglücklich. Die Stimmung war toll, und die Zuschauerunterstützung hat mir geholfen“, sagte Jan Fitschen, der die deutsche Jahresbestzeit von Sören Kah (LG Lahn/2:14:25) um 75 Sekunden unterbot. Angesprochen auf die Toilettenpause erklärte er: „Ich habe wohl beim Frühstück etwas zu viel gegessen. Das hat mich die 2:12er-Zeit gekostet. Aber ich bin trotzdem happy.“ Nachdem er jetzt „eine solide Leistung“ im Marathon erreicht hat, „kann ich bei meinem nächsten Rennen im Frühjahr ein bisschen was riskieren“.

Weiterlesen

Seite 2 von 3
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Das Frauenrennen