Frankfurt-Marathon

Mocki und ein Außenseiter vorne

Marathondebütant Robert K. Cheruiyot in 2:07:21 und Sabrina Mockenhaupt in 2:26:22 siegten beim Frankfurt Marathon.

Frankfurt Marathon 2008

Sabrina Mockenhaupt beim Zieleinlauf in Frankfurt.

Bild: Norbert Wilhelmi

Der völlig unbekannte Kenianer Robert Kiprono Cheruiyot stellte beim Dresdner Kleinwort Marathon am Sonntagmorgen in 2:07:21 Stunden einen Streckenrekord auf und sorgte damit auch unter den Experten für ungläubiges Staunen. Den Start des erst 20-jährigen Marathondebütanten hatte der Manager Jos Hermes aus eigener Tasche bezahlt, der Farmersohn war ihm von anderen Athleten empfohlen worden. 50.000 Euro bringt der scheue, junge Mann jetzt auf die Farm seiner Eltern mit zurück: 15.000 für den Sieg, 30.000 für eine Siegerzeit unter 2:07:30 h, plus 5000 für den Steckenrekord. Seine sportliche Vorgeschichte ist dünn: zwei Halbmarathonergebnisse aus der Höhe in Kenia konnte er nennen, die Resultate lagen mit 63 und 64 Minuten etwa in dem Bereich, den er nun beim Marathon bei Halbzeit durchlief.

Die Witterungsbedingungen waren allerdings auch nahezu ideal: Temperaturen um 10 bis 14 Grad, kein Niederschlag. Die Kenianer dominierten das Rennen gleich derart, dass sie die ersten 14 Läufer stellten. Nachdem eine große Gruppe von Läufern die Halbmarathonmarke in 63:57 Minuten erreicht hatte, fiel die Entscheidung bei zunehmendem Tempo kurz nach Kilometer 35. Hier setzte sich Cheruiyot, der nicht verwandt ist mit dem Boston- und Chicago-Marathon-Sieger Robert Kipkoech Cheruiyot, von seinen Konkurrenten ab und baute fortan seinen Vorsprung aus.

„Ich bin völlig überrascht, dass ich hier gewonnen habe – daran hatte ich während des Rennens 35 Kilometer lang nicht gedacht“, erklärte Robert Cheruiyot. Nicht zum ersten Mal gewann ein kaum bekannter kenianischer Läufer einen großen Marathon gleich beim Debüt. Dies war zum Beispiel in Chicago Evans Rutto (2:05:50/2003) und Ondoro Osoro (2:06:54/1998) gelungen.

Im Kampf um Platz zwei hatte Stephen Kiogora Pech, weil er in der letzten Kurve vor dem Zieleinlauf zu Fall kam. So erreichte er acht Sekunden hinter Wilson Kigen die Ziellinie in der Frankfurter Festhalle. Im hochklassigsten Rennen in der Geschichte des Laufes blieben sieben Läufer unter 2:10 Stunden. Eine derartige Dichte in der Spitze hat kein anderer deutscher Marathon in diesem Jahr erreicht. Zudem wird die Siegerzeit in Deutschland 2008 nur von Berlin übertroffen. Weltweit steht Frankfurt in dieser Liste bisher an achter Stelle.

Sein Ziel erreicht hat der 25-jährige André Pollmächer, der sich in Frankfurt mit 2:14:18 Stunden bei seinem Debüt für das WM-Team 2009 qualifizierte. Pollmächer lag lange Zeit auf Kurs für eine Zeit von 2:13 Stunden. Auf den letzten vier Kilometern brach er dann jedoch alleine laufend ein und erreichte völlig erschöpft das Ziel. Doch mit André Pollmächer hat der deutsche Marathonlauf einen Athleten, der sich in der Zukunft noch deutlich steigern kann. Eine gute Leistung zeigte Martin Beckmann (LG Leinfelden), der lange mit André Pollmächer lief und schließlich als 20. in 2:14:30 eine Bestleistung erreichte.

Robert Kiprono Cheruiyot nach 2:07:21 Stunden in Frankfurt.

Bei den Frauen lief Sabrina Mockenhaupt, geführt von Tempomachern, von Beginn an an der Spitze des Feldes. Nach 1:12:59 Stunden erreichte die 27-jährige Deutsche die Halbmarathonmarke. Unmittelbar hinter ihr lief hier noch Olesya Nurgalieva, die Siegerin des Rennens 2004. Doch kurz nach der 25-km-Marke konnte die Russin nicht mehr mithalten und fiel dann auf dem nächsten 10-km-Abschnitt noch deutlich zurück. Am Ende wurde zwar auch Sabrina Mockenhaupt langsamer, doch mit 2:26:22 Stunden steigerte sie ihre persönliche Bestzeit um gut drei Minuten und gewann nach Köln 2007 auch das zweite Marathonrennen ihrer Karriere.

„Ich kann das noch gar nicht realisieren, aber ich freue mich schon sehr. Es war sehr unruhig am Anfang. Ich habe lange gebraucht, um meinen Rhythmus zu finden, denn das Tempo ging ständig rauf und runter. Zukünftig muss ich meine Trainingskilometer hochschrauben, denn da habe ich noch Potenzial. Im Gegensatz zu anderen Marathonläuferinnen laufe ich wirklich wenige Kilometer“, erklärte Sabrina Mockenhaupt. Dritte wurde Titelverteidigerin Melanie Kraus, die nach vorsichtigem Beginn (1:14:45 h) eine schnellere zweite Hälfte lief, aber in 2:28:20 Stunden „Mocki“ nie gefährden konnte. Erstmals blieben in Frankfurt fünf Läuferinnen unter 2:30 Stunden. Die beiden deutschen Läuferinnen blieben damit deutlich unter der WM-Norm für Berlin 2009 (2:32:00 Stunden).

Neben den großartigen sportlichen Leistungen war Veranstaltungsleiter Jo Schindler natürlich vor allem über den Teilnehmerrekord hocherfreut: 12.046 Marathonläufer und 5.024 Staffelläufer hatten gemeldet „damit haben wir den Sprung, was die Marathonteilnehmerzalen betrifft, von Platz vier auf Platz drei in Deutschland locker geschafft“, so Schindler. Nur in Berlin und Hamburg sind mehr Läufer unterwegs, auf Platz vier verdrängt wurde der Köln-Marathon. „Und im kommenden Jahr machen wir einen weiteren Schritt“, schaut Schindler optimistisch in die Zukunft.

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Text: Martin Grüning und race-news-service.com
Foto: www.photorun.net